Nowotny: EZB kann Anleihekäufe nicht abrupt stoppen

dpa-AFX

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Europäische Zentralbank (EZB) kann nach Einschätzung des österreichischen Notenbankchefs Ewald Nowotny ihre Anleihekäufe nicht abrupt stoppen. "Es gibt gute Argumente dafür, die Käufe langsam zurückzufahren", sagte Nowotny der österreichischen Tageszeitgung "der Standard" (Donnerstagsausgabe). "Im Dezember läuft das Programm aus, im Oktober müssen Beschlüsse fallen, wie es weitergeht." Nowotny bestimmt im Rat der EZB über die Geldpolitik mit.

Die EZB kauft derzeit monatlich Anleihen im Wert von 60 Milliarden Euro. An den Finanzmärkten wird erwartet, dass die Notenbank bei der nächsten Zinssitzung am kommenden Donnerstag (26. Oktober) beschließen wird, ihre Käufe ab Januar zu reduzieren. Die Käufe wurden im Kampf gegen die aus Sicht der EZB zu niedrige Inflation ergriffen. Die Notenbank strebt eine Rate von knapp zwei Prozent an.

Das Inflationsziel der EZB dürfte laut Nowotny zunächst nicht erreicht werden. Für das Jahr 2018 erwarte man sogar eine noch niedrigere Inflationsrate. "Ich denke aber, dass wir nicht warten müssen, bis die Inflationsrate 1,9 Prozent erreicht", sagte Nowotny. "Wir können die Politik früher normalisieren." Es wäre ein Fehler und problematisch damit noch länger zu warten. Die Nachteile der expansiven Geldpolitik würden umso spürbarer, je länger diese andauere.