Novavax-Impfstoff: Es ist das Vakzin, auf das manche Ungeimpfte warten — lohnt sich das?

·Lesedauer: 2 Min.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach sprach am Sonntagabend in der Bild-Sendung „Die richtigen Fragen“ unter anderem auch über den neuartigen Corona-Impfstoff des US-Herstellers Novavax, der nun kurz vor der Zulassung steht. Er warnte davor, diesen als „Game Changer“ zu sehen. Studien nach, so sagte er, seien die bereits millionenfach verabreichten Impfstoffe von Moderna und Biontech „eine ganze Spur sicherer“.

Viele, die bisher mit der Corona-Impfung gezögert haben, setzen aber große Hoffnungen in Vakzine, die nicht auf den in der Pandemie erstmals zur Marktreife entwickelten mRNA-Impfstoffen wie denen von Biontech/Pfizer oder Moderna basieren. Sie warten auf einen Corona-Impfstoff, der auf anderen Technologien beruht – wie der Novavax-Impfstoff Nuvaxovid. Oft liegt die Sorge zugrunde, dass die mRNA-Impfstoffe bisher unbekannte Langzeitschäden verursachen könnten – auch wenn Experten diese für nahezu ausgeschlossen halten.

Nuvaxovid besteht aus virusähnlichen Partikeln, die das Spike-Protein des Coronavirus enthalten. Die Proteine werden vom Körper als fremd erkannt, weshalb das Immunsystem spezifische Antikörper und T-Zellen gegen sie bildet. mRNA-Präparate funktionieren anders. Hier werden Körperzellen mithilfe von Erbgutschnipseln angeregt, selbst das Spike-Protein herzustellen, um eine Immunantwort auszulösen. Die Wirksamkeit ist gut, in einer Zulassungsstudie von Novavax lag sie in Bezug auf Erkrankungen bei 90 Prozent: Unter Geimpften treten also 90 Prozent weniger Erkrankungen auf als unter den nicht-Geimpften.

Lohnt sich das Warten auf Novavax und Valneva?

Mit der Zulassung scheinen Impftermine mit Novavax vielen in greifbarer Nähe. Lohnt sich das Warten darauf also? Wenn sich jemand nur mit einem solchen Impfstoff impfen lassen wolle, dann sei das zwar immer noch besser als komplett ungeimpft zu sein, sagt Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie. Darauf zu warten hält er aber für unklug. Novavax komme realistisch gesehen erst 2022, der Impfstoff Valneva, den ebenfalls viele Impfskeptiker als Alternative sehen, sogar erst frühestens im zweiten Quartal 2022. "Wer auf diese Impfstoffe wartet, ist noch längere Zeit ungeschützt", sagt Watzl. "Daher: Lieber jetzt impfen als warten."

Selbst Thomas Lingelbach, Geschäftsführer von Valneva, mag nicht auf den Impfstoff seines eigenen Unternehmens warten. "Ich rate niemandem, auf unseren Impfstoff zu warten", sagte er dem "Spiegel". "Das wäre ethisch inakzeptabel." Er empfehle Verwandten und Bekannten zurzeit Impfstoffe der anderen Hersteller. Er selbst habe sich kürzlich mit dem mRNA-Produkt von Biontech/Pfizer boostern lassen.

Ein weiteres Problem: Die Ergebnisse zur Wirksamkeit stammen hauptsächlich aus Untersuchungen, die noch zur Zeit der Alpha-Variante des Coronavirus durchgeführt wurde – und die ist in Deutschland längst so gut wie vollständig von Delta verdrängt worden. "Auch dieser Impfstoff wird an Omikron angepasst werden müssen", schrieb Watzl dazu kürzlich auf Twitter. Gegen die derzeitige vierte Welle können diese Impfstoffe also nichts mehr ausrichten. Wenn, dann sind sie eher für Boosterimpfungen im kommenden Jahr 2022 eine mögliche Alternative.

fj/mit dpa

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.