Notiz auf Bierdeckel von Björn Höcke enttarnt die AfD

Björn Höcke ist aktuell der wohl umstrittenste deutsche Politiker. (Bild: AP Photo)

Bei einer Veranstaltung der AfD in Thüringen fand ein Reporter einen Bierdeckel auf dem Rednerpult von Björn Höcke. Was darauf zu lesen war, könnte ein Indiz für das doppelte Spiel der Partei sein: Denn offenbar gibt es einen Sprachcode, wenn die Presse anwesend ist.

„Das wird man doch wohl noch sagen dürfen” lautet einer der meistgebrauchten Sätze von Menschen, die sich politisch eher dem rechten Spektrum nahe fühlen. Man will frei reden dürfen, von den Zwängen und Maulkörben der „Political Correctness“ (PC) ungebremst seine Meinung artikulieren können. Wie sich jetzt aber herausstellt, existiert ausgerechnet bei der PC-kritischen AfD so etwas wie ein internes Sprechverbot.

Ein Reporter der Wochenzeitung „Die Zeit“ fand bei einer Veranstaltung der Alternative für Deutschland einen ominösen Bierdeckel. Darauf war zu lesen: „Vorsicht! Presse da! TA + Zeit“. Damit waren offenbar die Zeitungen „Thüringer Allgemeine“ und „Die Zeit“ gemeint. Besonders interessant macht den Notiz-Bierdeckel eine Sache: Der Reporter fand diesen auf dem Rednerpult von Björn Höcke, jenem Politiker, der mit seinen Aussagen regelmäßig für großen Wirbel sorgt.

Spielt die AfD also ein doppeltes Spiel? Spricht man im sicheren Rahmen Gleichgesinnter schärfer und radikaler über Themen und Inhalte? Die Notiz auf dem Bierdeckel suggeriert dies zumindest. Wenn Presse anwesend ist, achten AfD-Politiker offenbar mehr auf ihre Worte. Wollte man den für seine extremen Äußerungen berüchtigten Björn Höcke parteiintern warnen, in seiner Rede nicht allzu eindeutig zu werden? Der Eindruck, der entsteht, ist jedenfalls ein ungünstiger für die AfD: Unser wahres Gesicht zeigen wir nur, wenn keine Journalisten mit dabei sind.

Beatrix von Storch (r.) – hier mit Alice Weidel und Jörg Meuthen – verlangt den Parteiausschluss von Björn Höcke. (Bild AP Photo)

Die ursprünglich als eurokritische Partei gestartete Wirtschaftspartei hat in den vergangenen Jahren eine rasante Radikalisierung erlebt. Etlichen Berichten von Parteiaussteigern zufolge werde die Partei zunehmend von Rechtsradikalen unterwandert. Das kommt nicht bei allen in der Partei gut an. Die stellvertretende Bundesvorsitzende Beatrix von Storch etwa möchte bereits seit Längerem den umstrittenen Björn Höcke aus der Partei ausschließen. Höcke habe der Partei „schweren Schaden“ zugefügt, so Storch.

Für heftige Reaktionen sorgte vor allem Höckes Rede am 17. Januar 2017 in Dresden, in der er unter anderem sagte: „Wir Deutschen, also unser Volk, sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat.“ Damit spielte Höcke auf das Holocaust-Mahnmal in Berlin an. Bereits im Jahr 2015 sorgte Höcke mit einer Aussage für Entsetzen. Damals sagte er auf einer Kundgebung: „Ich will, dass Deutschland nicht nur eine tausendjährige Vergangenheit hat. Ich will, dass Deutschland auch eine tausendjährige Zukunft hat.“

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