Notenbanker warnen vor Krypto-Cash mit wenig überzeugenden Argumenten


Es fängt schon mit einer irreführenden Bezeichnung an: Von „Central bank digital currencies“, abgekürzt CBDC, ist die Rede in einer neuen Studie der Bank für Internationalen Zahlungsverkehr (BIZ), die am heutigen Montag von den beiden Vorsitzenden des BIZ-Zahlungsverkehrskomitees, Jaqueline Loh von der Notenbank in Singapur und dem EZB-Banker Benoît Cœuré, vorgestellt wurde.

Dabei geht es aber in weiten Teilen gar nicht um mögliche neue Währungen („Currencies“), sondern um einen Bitcoin-ähnlichen Ersatz für Bargeld, also eine Art Krypto-Cash. Die Studie argumentiert in weiten Teilen dafür, dass keine Notwendigkeit für digitales Bargeld besteht.

Außerdem, so die Studienmacher, würde Krypto-Cash die Funktionsweise der Geldpolitik nicht grundlegend verändern. Diese Feststellung ist allerdings auch wenig überraschend, weil Krytpo-Cash ja als Ersatz von oder Ergänzung zu Bargeld eingesetzt würde, also von der Funktion innerhalb des Geldsystems nichts Neues wäre.


Dafür nennen die Autoren eine ganze Reihe von möglichen Risiken, die mit der Einführung eines solchen Digitalwährung einhergehen. Nicht alle Einwände der Notenbanker klingen überzeugend.

Ein Argument gegen die Digitalwährung: Wird das Krypto-Cash von der Notenbank garantiert, könnte es in einer Krise dazu kommen, dass Kunden massenhaft ihre Bankeinlagen gegen die Digitalwährung eintauschen. Dasselbe passiert aber auch mit Bargeld. Man kann allenfalls argumentieren, dass Krypto-Cash per Knopfdruck noch schneller angefordert werden kann als Bargeld.

Umgekehrt könnte diese Art Cash bei kurzfristigen Engpässen auch schneller von der Zentralbank zur Verfügung gestellt werden, um zu verhindern, dass eine Bank illiquide wird. Es ist nicht einsehbar, wieso die Risiken gegenüber dem heutigen Zustand deutlich steigen sollten.

Relativ viel Raum in der Studie nimmt auch die Frage ein, was passiert, wenn Krypto-Cash in großem Ausmaß Bankeinlagen ersetzt. Die BIZ geht davon aus, dass die Notenbanken dann stärkeren Einfluss auf die Kreditvergabe hätten. „Eine bedeutendere Rolle der Notenbanken bei der Zuteilung von Krediten bedeutet gesamtwirtschaftliche Verluste, wenn sie hierbei weniger effizient sind“, heißt es in dem Bericht.


Die Attraktivität der Bankeinlagen ließe sich vielleicht erhöhen, indem die Institute entsprechend Zinsen auf Girokonten zahlen, oder Gebühren für die Auszahlung von Krypto-Cash nehmen. Aber es könnte tatsächlich der Fall eintreten, dass es zu einer gewissen Verschiebung kommt mit dem Effekt, dass die Geschäftsbanken sich stärker bei der Notenbank refinanzieren, die sich wiederum durch Krypto-Cash refinanziert. Der Effekt wäre eine Ausweitung der Notenbank-Bilanz, aber ohne den geldpolitischen Effekt, den eine Bilanzverlängerung durch Ankauf von langfristigen Zinspapieren hat.

Der vorerst beste Effekt der ganzen Diskussion wird in der Studie nur am Rand gestreift: Sie führt dazu, dass Notenbanken und die gesamte Finanzbranche sich stärker bemühen, günstigen und schnellen Zahlungsverkehr zur Verfügung zu stellen, damit der Ruf nach einer Alternative gar nicht erst aufkommt. Sollte es später doch zur Einführung von Krypto-Cash kommen, wäre so auch der Anreiz, Einlagen dagegen einzutauschen, gebremst.