Notenbanker sorgen sich vor starken Marktausschlägen

Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) zeigt sich auf seiner Juni-Sitzung optimistisch für das Wachstum im Euroraum. Dennoch hält er eine vorsichtige Kommunikation für geboten.


Auf seiner Sitzung im Juni hat der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) über die besseren Aussichten für die Wirtschaft im Euroraum diskutiert. Gleichzeitig warnten Mitglieder jedoch vor starken Ausschlägen an den Finanzmärkten, wie aus den Sitzungsprotokollen der Notenbank hervorgeht.
Aktuell kauft die Notenbank jeden Monat für 60 Milliarden Euro vornehmlich Staatsanleihen der Euro-Länder. Damit will sie die Wirtschaft ankurbeln und die Inflation im Euro-Raum in Richtung ihres Ziels von knapp zwei Prozent bringen. Angesichts der sich aufhellenden Wirtschaft im Währungsraum rechnen viele Ökonomen damit, dass die EZB ihre Bondskäufe ab Januar 2018 schrittweise herunterfährt.


Die Aussicht auf eine etwas weniger expansive Geldpolitik sorgt derzeit für deutliche Bewegung an den Märkten. In der vergangenen Woche hatte eine Rede von EZB-Präsident Mario Draghi den Euro-Kurs und die Renditen europäischer Staatsanleihen nach oben getrieben, weil sie als Hinweis auf eine weniger lockere Geldpolitik verstanden worden war.

In den Protokollen der Juni-Sitzung heißt es, „eine vorsichtige Kommunikation ist weiterhin erforderlich.“ Vor allem sollten Signale vermieden werden, „die zu einer verfrühten Straffung der Finanzierungsbedingungen führen könnten“, denn dies könne die Fortschritte bei der Inflationsentwicklung wieder zunichtemachen.


Gleichzeitig steht in den Protokollen aber auch, dass darüber diskutiert worden sei, den Hinweis auf eine mögliche Ausweitung der monatlichen Anleihekäufe aus dem Eingangsstatement von Notenbankpräsident Mario Draghi zu streichen. Die Ratsmitglieder hätten über eine Streichung diskutiert, sich aber dagegen entschieden, weil der wirtschaftliche Aufschwung zunächst auch zu einer höheren Inflation führen müsse.

Anleger spekulierten dagegen nach Veröffentlichung des Sitzungsprotokolls auf ein Anziehen der geldpolitischen Zügel in der Euro-Zone. Der Euro verteuerte sich um 0,3 Prozent auf 1,1388 Dollar. Bundesanleihen flogen wegen der Zinsfantasien aus den Depots, im Gegenzug stieg die Rendite der zehnjährigen Papiere auf den höchsten Stand seit eineinhalb Jahren. „Die ungewöhnlich heftige Bewegung an den Anleihemärkten erwischt einige Anleger auf dem falschen Fuß", sagte Aktienhändler Frederik Altmann vom Brokerhaus Alpha. "Viele Investoren müssen mit den Anleiheverkäufen auch Aktienbestände abbauen, damit sie in ihrer Gesamtanlage ausbalanciert bleiben.“

KONTEXT

Best of Mario Draghi

3.11.2011

"Wir werden von niemandem gedrängt. Wir sind unabhängig. Wir bilden uns unsere eigene Meinung. Das ist es."

(Draghi bei seiner ersten Pressekonferenz nach seinem Amtsantritt am 3.11.2011 in Frankfurt)

26.7.2012

"Die EZB ist bereit, im Rahmen ihres Mandats alles zu tun, was nötig ist, um den Euro zu retten. Und glauben Sie mir: Es wird genug sein."

(Draghi am 26.7.2012 in London)

3.4.2014

"Der EZB-Rat ist sich einig, dass die EZB gegebenenfalls auch weitere unkonventionelle Maßnahmen im Rahmen ihres Mandats einsetzen wird, um die Risiken einer zu langen Periode niedriger Inflationsraten in den Griff zu bekommen."

(Draghi nach der Sitzung des EZB-Rates am 3.4.2014 in Frankfurt)

26.5.2014

"Wir werden nicht zulassen, dass die Inflation zu lange auf zu niedrigem Niveau bleibt."

(Draghi am 26.5.2014 bei einer EZB-Konferenz im portugiesischen Sintra)

5.6.2014

"Das ist ein bedeutendes Maßnahmenpaket. Sind wir schon am Ende? Nein. Wir sind hiermit nicht am Ende, solange wir uns im Rahmen unseres Mandates bewegen."

(Draghi am 5.6.2014 in Frankfurt nachdem die Notenbank ein ganzes Bündel von Maßnahmen gegen Mini-Inflation und Konjunkturschwäche im Euroraum beschlossen hat)

4.9.2014

"Wir mussten etwas tun, das ist unsere Pflicht."

(Draghi am 4.9.2014 in Frankfurt zum EZB-Beschluss, Kreditverbriefungen und Pfandbriefe zu kaufen)

22.1.2015

"Ich könnte ein paar Witze dazu erzählen. Aber ich lese einfach noch mal das Eingangsstatement vor. Denn das ist alles, was wir heute sagen können. Und ich vermeide Witze in dieser Sache lieber."

(Draghi am 22.1.2015 auf die Frage eines Journalisten: "War's das jetzt? War's das - oder können die Leute erwarten, dass die Geldpolitik demnächst noch verschärft wird?")

3.9.2015

"Wir haben den Willen und die Fähigkeit zu reagieren, falls dies notwendig ist."

(Draghi am 3.9.2015 zu einer möglichen Ausweitung des Anleihenkaufprogramms)

9.3.2017

"Unsere Geldpolitik war erfolgreich."

(Draghi am 9.3.2017 zum Anstieg der Inflation auf zwei Prozent)

9.3.2017

"Es gibt nicht mehr das Gefühl, dass das Risiko einer Deflation drängend ist."

(Draghi am 9.3.2017 zum Erfolg seiner expansiven Geldpolitik)