Notenbanker gesucht


Die Suche läuft. Jetzt, wo Präsident Donald Trump einen Nachfolger für Notenbank-Chefin Janet Yellen ernannt hat, kann sich die US-Regierung auf die vielen anderen offenen Stellen konzentrieren, die noch zu füllen sind.

Dass gleich drei Schlüsselpositionen binnen weniger Monate neu besetzt werden müssen, gab es noch nie in der neueren Geschichte der Notenbank: Im Februar wird Jerome Powell aller Wahrscheinlichkeit nach die Nachfolge von Fed-Chefin Janet Yellen antreten. Er soll Ende November vom Senat bestätigt werden. Der Posten ihres Stellvertreters ist schon länger vakant. Nun muss Mitte 2018 auch bei der regionalen Notenbank in New York ein neuer Chef antreten, da der amtierende erste Mann, Bill Dudley, vergangene Woche überraschend angekündigt hat, sechs Monate früher als geplant auszuscheiden.

Wer wird der neue Fed-Vize?

Über eine ganze Reihe von Namen wird derzeit diskutiert: Am Dienstagabend verlautete aus Zentralbankkreisen, das Weiße Haus erwäge, Mohamed El-Erian zum Vize-Chef zu machen. El-Erian war bis 2014 Chef des Anleihehauses Pimco, das zur Allianz gehört. Derzeit ist er Wirtschaftsberater der Allianz und berät den Münchener Versicherungskonzern in globalen Wirtschafts- und Politikfragen.


Der Ökonom gilt als einer der renommiertesten Notenbankexperten Amerikas. Regelmäßig kommentiert er beim Börsensender CNBC Zinsentscheidungen der US-Notenbank und schreibt Gastkommentare in internationalen Medien. Im vergangenen Jahr erschien sein neues Buch „Aufstieg und Fall der Zentralbanken – und was das für uns alle bedeutet“. Den Kurs von Fed-Chefin Janet Yellen hält El-Erian für richtig. Die Fed sei auf einem „wunderbaren Kurs der Normalisierung“, sagte der Allianz-Berater Anfang November auf einer Konferenz in Singapur.

Beobachter fürchten jedoch, El-Erian könnte die geldpolitischen Zügel schneller anziehen wollen. „Er hat eine Tendenz, ein geldpolitischer Falke zu sein“, sagt Robert Hockett, Professor der Cornell University in Ithaca im Bundesstaat New York, der die regionale Notenbank in New York regelmäßig berät. „Das ist gefährlich in einer Zeit, in der die wirtschaftliche Erholung immer noch eher zögerlich ist und die Fed seit fünf Jahren unter ihren Inflationszielen bleibt.“ Der ehemalige Chef-Ökonom von Pimco, Paul McCulley, gilt unter Fed-Beobachtern dagegen als gleichermaßen qualifiziert, jedoch als vorsichtiger, was die Zinspolitik angeht.


Zudem gelten auch jene Kandidaten noch als eine Option für den Posten, die bei der Wahl des Fed-Präsidenten nicht zum Zuge kamen, darunter der Princeton-Ökonom John Taylor. Er wird vor allem von den Konservativen im Kongress favorisiert, gilt jedoch ebenfalls als geldpolitischer Falke, der eine restriktivere Geldpolitik mit höheren Zinsen verfolgt. Eine solche Politik könnte mit den Wachstumsplänen von Präsident Donald Trump kollidieren.

Doch das ist längst nicht der einzige Posten, den Trump füllen muss. Sieben Gouverneure bilden das Direktorium der Notenbank. Derzeit sind neben dem Vize-Chef noch zwei weitere Posten vakant. Ein weiterer könnte hinzukommen. Fed-Chefin Yellen könnte eigentlich noch bis 2024 reguläres Direktoriumsmitglied sein. Doch die frühere Ökonomin der Elite-Universität Brown in Providence im Bundesstaat Long Island hat sich noch nicht entschieden, ob sie bleiben oder die Zentralbank nach ihrer Zeit an der Spitze des Gremiums verlassen wird.


Wer wird die New Yorker Fed leiten?

Ebenfalls gesucht wird ein neuer Chef für die New Yorker Notenbank, die im amerikanischen Zentralbanksystem wegen ihrer Nähe zur Wall Street eine hervorgehobene Stellung hat. Der Chef ist als einziger Leiter einer regionalen Notenbank ständiges stimmberechtigtes Mitglied im Offenmarktausschuss, der über die Zinspolitik entscheidet.

Er wird anders als die Gouverneure in Washington nicht vom Weißen Haus ernannt. Bill Dudley, der die New Yorker Institution seit acht Jahren leitet, wird wohl im Sommer seinen Posten abgeben. Als Nachfolger käme auch ein interner Kandidat infrage, glaubt Peter Hooper, Chefökonom der Deutschen Bank.


Dudleys Stellvertreter, Simon Potter, käme in Frage. Potter leitet den sogenannten Desk der Fed in New York, der die Entscheidungen der Notenbank am Markt umsetzt. Der Ökonomieprofessor, der im britischen Oxford studierte, ist seit 1998 bei der Fed in New York und gilt als gut vernetzt, sowohl innerhalb der Fed, als auch bei Marktteilnehmern. „Das ist wichtig“, betont Hooper, „schließlich braucht man jemanden, der in Krisenzeiten schnell mit einer ganzen Reihe von Parteien Kontakt aufnehmen kann.“

Eine andere Option sei Brian Sack. Er war Potters Vorgänger und arbeitet nun als Ökonom beim New Yorker Hedgefonds D. E. Shaw. Das „Wall Street Journal“ nannte auch Jan Hatzius, den deutschen Chefökonomen von Goldman Sachs, als einen möglichen Kandidaten. Dudley hatte ebenfalls diesen Posten inne, bevor er 2007 zur New Yorker Fed wechselte. Der Chef der Fed in Dallas, Robert Kaplan, ist ebenfalls im Gespräch. Auch er hat bei Goldman Karriere gemacht, arbeitete 23 Jahre bei dem Institut, unter anderem in führender Funktion beim Investment Banking.

So viel Wechsel ist ungewöhnlich für die US-Notenbank. Umso wichtiger wird die Rolle der Experten in der zweiten Reihe. Dutzende promovierte Ökonomen arbeiten in Forschungsteams für die Gouverneure und die regionalen Fed-Präsidenten. „Sie entwickeln etwa neue Indikatoren, um den Zustand der Wirtschaft möglichst genau analysieren zu können“, erklärt Cornell-University-Professor Hockett. „Da geht es zum Beispiel um Fragen wie: Woran erkennt man, ob die Konsumenten zu hoch verschuldet sind? Und: Wie handelt man dann?“


Da die Gouverneure keine eigenen Mitarbeiter haben, sondern auf ein Team von Experten zurückgreifen, bleiben die Forscher meist über Jahrzehnte bei der Fed und haben so reichlich Erfahrung. Janet Yellen wird etwa von dem Deutschen Thomas Laubach beraten, der die geldpolitische Abteilung der Fed und damit deren wichtigsten Arbeitsbereich leitet.

Auch New Yorks Fed-Chef Dudley weiß die Arbeit der erfahrenen Ökonomen zu schätzen. „Die Chefs machen die Arbeit nicht alleine“, sagte er vergangene Woche bei einem Auftritt in New York. „Sie haben wirklich gute Leute, die sie mit wirklich guten Analysen unterstützen und die werden auch weiterhin da sein.“