Notenbank-Dachorganisation erwartet weitere Marktturbulenzen


Lange haben fast alle Anleger dasselbe gedacht. Die Inflation bleibt auf Dauer niedrig, so ihre Vorstellung. Anfang Februar jedoch hat sich die Stimmung gedreht: Die plötzliche Furcht vor einem Anspringen der Inflation in den USA sorgte für massive Turbulenzen an den Märkten weltweit.

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) geht in ihrem Quartalsbericht davon aus, dass sich Anleger darauf einstellen müssen, dass solche heftigen Kursbewegungen künftig häufiger auftreten. „Diese Marktturbulenzen dürften wohl nicht die letzten sein“, sagt Claudio Borio, Leiter der Währungs- und Wirtschaftsabteilung der BIZ.

Nach einer „ungewöhnlich langen Phase ungewöhnlich niedriger Zinssätze und lockerer geldpolitischer Bedingungen“ sei es „unrealistisch, nicht mit weiteren Marktturbulenzen zu rechnen“.


Nach der Finanzkrise haben die großen Notenbanken weltweit eine historisch lockere Geldpolitik eingeleitet. Die Europäische Zentralbank (EZB) etwa senkte die Leitzinsen im Euro-Raum auf das Rekordtief von null Prozent. Außerdem hat sie inzwischen Anleihen und andere Wertpapiere im Umfang von über zwei Billionen Euro gekauft.

Nachdem sie den Kurs Jahr für Jahr immer weiter lockerte, hat sie im vergangenen Jahr mit einer vorsichtigen Normalisierung begonnen. Anfang 2018 beispielsweise halbierte sie den Umfang ihrer monatlichen Nettoanleihekäufe.

Die Phase gilt als besonders sensibel, weil in diesem Umfeld Äußerungen der Notenbanker zu starken Ausschlägen an den Märkten führen können, wenn sich dadurch die Erwartungen der Investoren über die künftige Geldpolitik ändern. Ausschläge an den Märkten wiederum können jedoch den Aufschwung gefährden.

„Die Finanzmärkte und die Weltwirtschaft bewegen sich auf unbekanntem Terrain“, so Borio. Stärkere Schwankungen an den Märkten hält der BIZ-Ökonom allerdings für positiv. „Eine gewisse Volatilität ist gesund.“ Es gebe kaum etwas Heimtückischeres an den Märkten als „die Illusion dauerhafter Ruhe“.

Die Erfahrung habe gezeigt, dass diese Illusion zu sehr hohen und folgenschweren Verlusten führen könne. Anders gesagt: Wenn es wenig Schwankungen an den Märkten gibt, bedeutet dies nicht, dass die Risiken gering sind. Vielmehr können sie sich anstauen und dann auf einen Schlag zu größeren Verwerfungen führen.