Nordkoreas Machthaber reitet erneut auf symbolischen Berg seines Landes

Nordkoreas Machthaber am heiligen Berg Paektu

Zum zweiten Mal binnen weniger Wochen ist der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un zum heiligen Paektu-Berg in seinem Land geritten und hat damit Spekulationen über eine bedeutende politische Entscheidung befeuert. Die staatliche Nachrichtenagentur KCNA veröffentlichte am Mittwoch Bilder von Kims Ritt durch eine verschneite Landschaft auf einem Schimmel in Begleitung seiner Frau Ri Sol Ju und anderen Reitern.

Der Ritt am Paektu-Berg erfolgte vor dem Hintergrund des Stillstands in den Atomgesprächen zwischen den USA und Nordkorea und einer von Nordkorea gesetzten Frist bis Jahresende, um Zugeständnisse von Washington zu erhalten. Kim habe bei seinem Ritt durch "kniehohen, jungfräulichen Schnee" mehrere historische Orte besucht sowie den Berg erklommen und dabei eine "heilige Spur auf den revolutionären Schlachtfeldern hinterlassen", hieß es bei KCNA.

Auf dem Berg soll der staatlichen Propaganda zufolge Kims Vater Kim Jong Il geboren worden sein, dessen Vater Kim Il Sung soll von dort aus gegen die japanischen Besatzer gekämpft haben.

Schon in der Vergangenheit hatte Kim vor maßgeblichen politischen Entscheidungen den Paektu-Berg besucht. So war Kim im Dezember 2017 auf den Gipfel des für Nordkoreaner heiligen Berges gewandert - kurz vor seiner diplomatischen Offensive gegenüber den USA, die schließlich zu seinem ersten Gipfeltreffen mit US-Präsident Donald Trump führte. Zuletzt war Kim Mitte Oktober auf den heiligen Berg geritten.

Pjöngjang hat von Washington bis Jahresende Zugeständnisse in den festgefahrenen Atomgesprächen verlangt, am 1. Januar ist die traditionelle Neujahrsansprache des nordkoreanischen Machthabers. Erst vor wenigen Tagen zitierte KCNA den Vize-Außenminister des Landes mit den Worten: "Welches Weihnachtsgeschenk die USA bekommen, hängt vollständig von der US-Entscheidung ab." Wenig später wurde berichtet, das Zentralkomitee des kommunistischen Landes werde Ende des Monats zusammenkommen.

Der nordkoreanische Dissident Ahn Chan Il sagte, Kims Entscheidungen könnten eine härtere Haltung Pjöngjangs einleiten. Mit Blick auf den jüngst von dem Machthaber getragenen schwarzen Ledermantel sagte er: "Leder war immer ein Symbol für schuss-sicheren Widerstand in Nordkorea", sagte er AFP. Ein mögliches Szenario sei, dass sich Pjöngjang ganz auf die Seite Chinas schlage.