Kim Jong Un und Delegation aus Südkorea beraten über mögliches Gipfeltreffen

Historische Annäherung

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hat in Pjöngjang mit einer hochrangigen Delegation aus Südkorea über ein mögliches Gipfeltreffen mit dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In beraten. Ein Vertreter des südkoreanischen Präsidenten bestätigte am Dienstag in Seoul entsprechende "Diskussionen". Eine Vereinbarung über ein Treffen von Kim und Moon sei aber noch nicht getroffen worden.

Die staatliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA hatte zuvor berichtet, Kim habe die Vertreter aus Südkorea "herzlich empfangen" und ein Abendessen ausgerichtet. Es habe "offenherzige" Gespräche gegeben. Dabei sei es darum gegangen, wie die Beziehungen zwischen Pjöngjang und Seoul "aktiv verbessert" und "Frieden und Stabilität auf der koreanischen Halbinsel gewährleistet" werden könnten.

KCNA meldete zudem, die Delegation habe Kim einen Brief von Präsident Moon überreicht und über Moons Plan für ein Treffen mit Kim berichtet. Daraufhin habe Kim "Meinungen ausgetauscht und eine zufriedenstellende Vereinbarung erzielt".

Ein Vertreter des Präsidialamtes in Seoul sagte dagegen der Nachrichtenagentur AFP: "Das ist keine Vereinbarung, das sind Diskussionen." Die beiden Seiten hätten "gewissermaßen" in anderen Punkten "ihre Ansichten ausgetauscht".

Nach Angaben des Präsidialamtes in Seoul dauerten die Gespräche zwischen Kim und den Besuchern aus Südkorea mehr als vier Stunden. Dazu gehörte ein Abendessen im Hauptquartier der nordkoreanischen Arbeiterpartei.

Es war zunächst nicht klar, ob bei dem Treffen mit Kim auch über den Atomkonflikt gesprochen wurde. Auf eine entsprechende Frage sagte ein Präsidentenvertreter laut der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap: "Ich vermute es."

Die nordkoreanische Zeitung "Rodong Sinmun", Sprachrohr der Regierungspartei, widmete die ganze Titelseite dem Besuch unter der Überschrift: "Genosse Kim Jong Un empfängt Sondergesandte vom Präsidenten des Südens". Das Titelbild zeigt Kim mit der fünfköpfigen südkoreanischen Delegation. Auf einem weiteren Foto ist neben Kim dessen Schwester Kim Yo Jong zu sehen.

Südkoreas Präsident Moon Jae In hatte die Delegation nach Nordkorea geschickt, um über die weitere Annäherung der beiden verfeindeten Staaten zu verhandeln. Sie wurde vom Nationalen Sicherheitsberater Chung Eui Yong geleitet und sollte anschließend in die USA reisen, um über das Ergebnis der Gespräche zu beraten. Es war der ranghöchste Besuch aus Südkorea in Pjöngjang seit mehr als zehn Jahren.

Nordkorea hatte zuvor die Olympischen Winterspiele im südkoreanischen Pyeongchang für eine Charmeoffensive genutzt. Zur Eröffnungsfeier Anfang Februar schickte Nordkoreas Machthaber seine Schwester Kim Yo Jong, die dem südkoreanischen Präsidenten eine Einladung ihres Bruders überbrachte. Moon ließ zunächst offen, ob er die Einladung annimmt. Zunächst müssten die "Voraussetzungen" für ein solches Treffen geschaffen werden.

Der Konflikt um das nordkoreanische Atom- und Raketenprogramm hatte sich in den vergangenen Monaten gefährlich zugespitzt. Die Führung in Pjöngjang verstieß mit Atom- und Raketentests wiederholt gegen Resolutionen des UN-Sicherheitsrats, dieser reagierte mit neuen Sanktionen.

Seit Jahresbeginn bemühen sich Süd- und Nordkorea aber um eine Annäherung. Die Teilnahme Nordkoreas an den Winterspielen in Pyeongchang galt als wichtiges Zeichen der Entspannung.