Nordkorea will sein Atomtestgelände vor Gipfel mit Trump zerstören

Satellitenfoto der Anlage vom 12. April 2017

Nordkorea will sein Atomtestgelände vor dem geplanten Gipfel mit den USA zerstören. Die Anlage in Punggye Ri soll zwischen dem 23. und 25. Mai vor den Augen ausländischer Journalisten gesprengt werden und dann dauerhaft geschlossen bleiben, meldete die nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA am Samstag. US-Präsident Donald Trump dankte Nordkorea für die Ankündigung und sprach von einer "sehr klugen und großzügigen Geste".

Auf dem Testgelände hatte Nordkorea sämtliche seiner sechs Atombombenzündungen vorgenommen, auf die die internationale Gemeinschaft mit mehreren Sanktionsrunden reagierte. Laut KCNA sollen die Tunnel der in den Bergen gelegenen Anlage Ende des Monats nach einer offiziellen Zeremonie gesprengt und die Eingänge verschlossen werden. Forscher und Wachen würden abgezogen.

Die Schließung solle für ausländische Beobachter "transparent" ablaufen, hieß es bei KCNA. Dafür will der abgeschottete Staat Reporter aus China, Russland, den USA, Großbritannien und Südkorea einladen. Dass die Zahl der Journalisten begrenzt werde, liege allein am Platzmangel auf dem abgelegenen Testgelände, schrieb KCNA.

Die internationale Gemeinschaft hatte - angeführt von den USA - immer wieder ein Ende des atomaren Aufrüstung Nordkoreas gefordert. Mit der Schließung des Testgeländes setzt das Land ein weiteres Signal vor dem für den 12. Juni geplanten Gipfel zwischen US-Präsident Trump und Machthaber Kim Jong Un. Trump dankte Nordkorea in einer Twitter-Botschaft ausdrücklich für die Ankündigung.

Die USA verlangen von Nordkorea eine "vollständige, überprüfbare und unumkehrbare Denuklearisierung". Machthaber Kim Jong Un hatte die Schließung von Punggye Ri bereits bei seinem historischen Gipfel mit dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In am 27. April angekündigt. Die Entwicklung des nordkoreanischen Atomwaffenprogramms hatte Kim wiederholt für abgeschlossen erklärt.

Die Tragweite einer Schließung des Testgeländes ist schwer abzuschätzen. Berichten zufolge ist es inzwischen ohnehin unbrauchbar: Chinesische Seismologen hatten kürzlich in einer Studie geschrieben, der Berg über dem unterirdischen Testgelände sei eingestürzt, womöglich in Folge des letzten Atomversuchs im September. Dies habe die "unterirdische Infrastruktur" für "künftige Atomtests" wohl zerstört.

Nordkorea wies aber nach südkoreanischen Angaben Spekulationen zurück, dass das Atomtestgelände Punggye Ri bereits nicht mehr nutzbar sei. Dies sei falsch, es gebe in der nahe der Grenze zu China gelegenen Testanlage noch zwei Tunnel in einem guten Zustand, behaupte Nordkorea.

Die USA haben Nordkorea im Falle eines Abbaus seines Atomwaffenarsenals wirtschaftliche Hilfen beim Wiederaufbau des Landes versprochen. Nordkorea ist international weitgehend isoliert und ächzt unter einer veralteten Wirtschaft, die durch jahrelange UN-Sanktionen zusätzlich angeschlagen ist.

Der Chef des UN-Welternährungsprogramms, David Beasley, sprach nach einem Nordkorea-Besuch von Reformsignalen. Das Land schlage "ein neues Kapitel in seiner Geschichte auf", sagte Beasley am Samstag in der BBC. Bei seiner viertägigen Reise sei ihm so offen Zugang gewährt worden wie noch nie. Unter Nordkoreas politische Führern habe er eine "Stimmung des Optimismus" ausgemacht, sagte Beasley.