Nordkorea meldet ersten Corona-Toten nach "explosionsartigem" Ausbruch

Einen Tag nach der Bestätigung des offiziell ersten Corona-Ausbruchs seit Pandemiebeginn hat Nordkorea den ersten Toten durch Covid-19 gemeldet. Seit Ende April breite sich eine "nicht identifizierte" Fiebererkrankung "explosionsartig" aus, berichtetete die staatliche Nachrichtenagentur KCNA am Freitag. Sechs Patienten seien gestorben, einer davon sei positiv auf die hochansteckende Omikron-Variante BA.2 getestet worden. Bisher wurden demnach 187.000 Menschen mit Fieber unter Isolation gestellt.

Allein am Donnerstag wurden laut KCNA 18.000 Fälle von Fiebererkrankungen gemeldet. Bei einer Krisensitzung des Politbüros ordnete Machthaber Kim Jong Un landesweite Lockdowns an. Das Staatsfernsehen zeigte ihn erstmals mit einer Atemschutzmaske. Am Freitag besuchte Kim laut KCNA das staatliche Epidemie-Vorsorgezentrum, um sich "über die landesweite Ausbreitung von Covid-19" zu informieren.

Das international isolierte Land hatte am Donnerstag den ersten Corona-Ausbruch seit Beginn der Pandemie vor mehr als zwei Jahren bestätigt. Der Ausbruch mache deutlich, "dass es eine Schwachstelle im System der Epidemie-Prävention" gebe, zitierte die Nachrichtenagentur den Machthaber.

Laut dem Nordkorea-Experten Cheong Seong-chang vom Sejong-Institut könnte der massive Ausbruch mit einer großen Militärparade zusammenhängen, die am 25. April in Pjöngjang stattfand. Dass die Parade trotz der im benachbarten China grassierenden Omikron-Variante abgehalten wurde, zeige, "dass Pjöngjang zu viel Vertrauen in seine Fähigkeiten zur Bekämpfung des Virus hatte", erklärte er. Angesichts der raschen Ausbreitung des Virus rechnet der Experte mit "großem Chaos".

China hatte bereits am Donnerstag seine Bereitschaft erklärt, Nordkorea zu unterstützen. Das Land kämpft derzeit allerdings selbst gegen Corona-Ausbrüche in mehreren Provinzen, die Wirtschaftsmetropole Shanghai etwa ist seit Wochen abgeriegelt.

Das ohnehin weitgehend abgeschottete kommunistische Nordkorea hatte Anfang 2020 seine Grenzen abgeriegelt, um sich vor der Pandemie zu schützen. Nach Einschätzung von Experten würde Nordkoreas Gesundheitssystem mit einem größeren Virusausbruch nur schwer zurechtkommen.

Nordkorea ist von Ländern umgeben, die allesamt schwere Omikron-Ausbrüche hatten oder haben. Anders als in den Nachbarländern ist von den 25 Millionen Einwohnern Nordkoreas jedoch niemand gegen das Coronavirus geimpft. Die südkoreanische Regierung erklärte sich am Freitag bereit, Corona-Impfstoff in den Norden zu liefern. Nordkorea hatte Impfstoff-Angebote der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowie aus China und Russland bislang abgelehnt.

gt/ck

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