Nordkorea provoziert Weltgemeinschaft mit bislang stärkstem Atomtest

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China meldet verdächtiges Beben in Nordkorea

Nordkorea hat mit seinem bislang stärksten Atombombentest den Konflikt um sein Nuklearprogramm gefährlich eskaliert. Das nordkoreanische Staatsfernsehen meldete am Sonntag die "erfolgreiche" Zündung einer Wasserstoffbombe, die eine "beispiellose Kraft" entfaltet habe. International löste der Test große Besorgnis aus. US-Präsident Donald Trump erklärte die "Besänftigungspolitik" gegenüber Pjöngjang für gescheitert und kündigte neue Sanktionen an.

Die Zündung sei ein "sehr bedeutsamer Schritt beim Erreichen des Ziels, die staatliche Nuklearmacht zu vervollständigen", sagte eine Nachrichtensprecherin des nordkoreanischen Staatsfernsehens. Bereits wenige Stunden vor der Explosion verkündete Nordkorea, eine Wasserstoffbombe entwickelt zu haben, mit der Interkontinentalraketen bestückt werden könnten. Machthaber Kim Jong Un Kim habe im Institut für Atomwaffen eine solche Bombe inspiziert, meldete die staatliche Nachrichtenagentur KCNA. Das Fernsehen zeigte später einen handgeschriebenen Befehl Uns zur Zündung der Bombe.

Es handele sich um eine "thermonukleare Waffe mit einer außerordentlichen Explosionskraft, geschaffen durch unsere eigenen Anstrengungen und eigene Technologie", zitierte KCNA den Machthaber. Nordkorea gab an, mit dieser Bombe auch Langstreckenraketen bestücken zu können. Damit könnten sie auch die USA erreichen

Auf den Test aufmerksam wurde das Ausland zunächst durch ein starkes Beben, das durch die Zündung verursacht wurde: Erdbebenwarten in Südkorea, Japan, China und den USA meldeten ungewöhnliche Stoßwellen, die vom Bereich des nordkoreanischen Atomwaffentestgeländes Punggye-ri ausgingen. Das Beben hatte demnach die Stärke 6,3.

Nach südkoreanischen Angaben war die Erschütterung fünf bis sechs Mal stärker als beim letzten Atomwaffentest vor einem Jahr, der bis dahin als der stärkste gegolten hatte.

Auch in einer Messstation im Bayerischen Wald wurden elf Minuten und 36 Sekunden nach der Explosion seismische Signale von dem 8200 Kilometer entfernten nordkoreanischen Testgelände registriert, wie die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover mitteilte. Im Vergleich zu den vorherigen Atomwaffentests Nordkoreas sei bei der aktuellen Explosion eine erhebliche Steigerung festzustellen gewesen.

Trump nannte das Vorgehen Nordkoreas "sehr feindlich und gefährlich" für die USA. Im Kurzbotschaftendienst Twitter schrieb er, Pjöngjang sei eine "große Bedrohung und Blamage" auch für China, "das versucht zu helfen, aber mit wenig Erfolg". Die Besänftigungspolitik mit Nordkorea "funktioniert nicht".

In einer weiteren Twitter-Botschaft erklärte Trump, die USA "erwägen, zusätzlich zu anderen Optionen, sämtliche Handelsbeziehungen mit allen Ländern zu stoppen, die Geschäfte mit Nordkorea machen". Trump wollte noch am Sonntag mit dem Nationalen Sicherheitsrat zusammenkommen.

Südkoreas Staatschef Moon Jae In forderte die "schärfste Bestrafung" Pjöngjangs. Der UN-Sicherheitsrat müsse weitere Sanktionen verhängen, um Nordkorea "vollständig zu isolieren". Moon kündigte bei einer Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats an, mit dem Verbündeten USA über die Entsendung der "stärksten strategischen Potenziale des US-Militärs" zu sprechen.

Das chinesische Außenministerium erklärte seine "entschiedene Ablehnung und scharfe Verurteilung" des nordkoreanischen Vorgehens. Peking hatte bereits im vergangenen Monat den neuen scharfen Strafmaßnahmen des UN-Sicherheitsrats zugestimmt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der französische Präsident Emmanuel Macron forderten eine Verschärfung der EU-Sanktionen. Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) erklärte, Nordkorea heize mit seinem sechsten Atomtest die "ohnehin hochangespannte Lage auf der koreanischen Halbinsel" bewusst weiter an.

Die japanische Regierung legte scharfen Protest bei der nordkoreanischen Botschaft in Peking ein. Das russische Außenministerium warf Nordkorea eine "demonstrative Missachtung" der Vorgaben des UN-Sicherheitsrats vor. Präsident Wladimir Putin mahnte zugleich, "besonnen und ausgewogen" zu reagieren.

Bereits im Januar 2016 hatte Pjöngjang erklärt, erstmals eine Wasserstoffbombe erfolgreich getestet zu haben. Damals bezweifelten Experten allerdings, dass es sich bei dem Atomtest tatsächlich um eine Wasserstoffbombe handelte. Solche Bomben sind technisch außerordentlich kompliziert herzustellen. Sie haben eine weit stärkere Explosionskraft als herkömmliche Atombomben.