Nordkorea: Geflohener Soldat ist immun gegen Anthrax

Die Grenze zwischen Nord- und Südkorea auf dem 38. Breitengrad gehört zu den gefährlichsten Orten der Welt. (Bild: AP Photo)

Im Jahr 2017 schafften es insgesamt vier nordkoreanische Soldaten, auf ihrer Flucht das Grenzgebiet zu Südkorea zu durchqueren. Nun stellten Ärzte fest, dass einer der Männer Antikörper gegen Milzbrand in seinem Blut hat. Beobachter spekulieren nun, ob Pjöngjang den Erreger als biologische Kriegswaffe einsetzen will.

Das Regime von Kim Jong-un verfügt nicht nur über Atombomben, sondern über das komplette Arsenal von ABC-Waffen. Neben atomaren Kampfmitteln zählen dazu auch biologische und chemische. Nach der Flucht eines nordkoreanischen Soldaten in den Süden geht nun die Angst um, dass der nordkoreanische Diktator aktuell nicht nur an seinem Atomwaffenprogramm arbeiten lässt, sondern auch an biologischen Kampfstoffen.

Ein Soldat, der dieses Jahr die vier Kilometer breite Grenze zwischen Nord- und Südkorea lebend durchquerte, soll laut der Nachrichtenagentur United Press International (UPI) Anthrax-Antikörper in seinem Blut haben. Ärzte gehen davon aus, dass der Mann entweder mit einem Milzbranderreger in Berührung kam oder dagegen geimpft wurde.

Ob es sich dabei um jenen Soldaten handelt, der erst vor wenigen Tagen am 21. Dezember aus dem Norden geflohen war, ist bislang noch nicht bekannt.

Am 21. Dezember 2017 flüchtete ein Soldat bei dichtem Nebel über die Grenze nach Südkorea. (Bild: AP Photo)

In Südkorea geht nun die Angst um. Denn Anthrax gilt als ausgesprochen gefährlich. Laut „New York Post“ kommen 80 Prozent aller Infizierten in den ersten 24 Stunden ums Leben. Milzbrand befällt in der Regel Haut, Lunge und Darm. Davor schützen kann nur eine Impfung mit Antikörpern. Doch das südkoreanische Militär rechnet damit, dass erst Ende des Jahres 2019 eine flächendeckende Möglichkeit zu einer Schutzimpfung besteht.

Nordkorea gab erstmals im Jahr 2015 zu, an biologischen Waffen zu arbeiten. Das Regime veröffentlichte damals Arbeiten des Biologisch-Technischen Forschungsinstituts in Pjöngjang. Die japanische Zeitung „Asahi Shimbun“ berichtete zudem vor Kurzem unter Berufung auf den südkoreanischen Geheimdienst, dass Kim Jong-un den Einsatz von Anthrax auf Langstreckenraketen testen lässt. Konkret geht es darum, dass die Milzbrand-Erreger den Wiedereintritt in die Erdatmosphäre überleben.

Würde dies dem Regime in Pjöngjang gelingen, könnte Kim Jong-un laut einem aktuellen US-Regierungsbericht zur nationalen Sicherheitsstrategie Interkontinentalraketen mit Anthrax-Erregern bestücken und als biologische Superwaffe einsetzen. Diese Raketen sind theoretisch in der Lage, das amerikanische Festland zu treffen.

Die USA gehen deshalb schon länger auf Nummer sicher: Seit 2004 lässt das Land seine in Südkorea stationierten Soldaten gegen Milzbrand impfen. 2011 probten die USA und Südkorea bei einer gemeinsamen Militärübung, wie im Falle eines biologischen Angriffs vorzugehen ist.