Nordkorea provoziert erneut mit Raketentest

Allen internationalen Warnungen zum Trotz hat Nordkorea erneut eine Rakete abgefeuert. Nach US-Angaben handelte es sich um eine Interkontinentalrakete, die aber nach nur etwa eintausend Kilometern vor der Ostküste Nordkoreas ins Meer gestürzt sei

Allen internationalen Warnungen zum Trotz hat Nordkorea erneut eine Rakete getestet. Wie die südkoreanische Militärführung am Mittwochmorgen (Ortszeit) bekanntgab, wurde die Rakete von der südlichen Provinz Pyongan in Richtung Osten abgefeuert. Laut Pentagon handelte es sich um eine Interkontinentalrakete, die aber nach nur etwa eintausend Kilometern vor der Ostküste Nordkoreas ins Meer gestürzt sei. Der Test wird am Mittwoch den UN-Sicherheitsrat beschäftigen.

Dem japanischen Verteidigungsministerium zufolge stürzte das Geschoss in Japans rund 200 Seemeilen breite Ausschließliche Wirtschaftszone (AWZ). US-Präsident Donald Trump wurde nach den Worten einer Sprecherin noch während des Raketentests darüber informiert. In einer ersten kurzen Reaktion erklärte Trump kurz darauf: "Wir werden uns darum kümmern." Weiter führte er die Drohung nicht aus. Japans Regierungschef Shinzo Abe sprach von einem "Gewaltakt", der "niemals hingenommen" werde.

Nach Angaben von US-Verteidigungsminister Jim Mattis erreichte das Geschoss eine neue Rekordhöhe. Das südkoreanische Militär habe daraufhin zur Abschreckung "Präzisionsraketen" ins Meer abgefeuert. Mattis' Ministerium zufolge stellte die Rakete aber keine Gefahr für die USA oder seine Verbündeten dar. Normalerweise haben Interkontinentalraketen eine Reichweite von über 5500 Kilometern.

Japan, die USA und Südkorea beantragten eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats. Das Treffen solle noch am Mittwoch stattfinden, teilte die US-Regierung mit. Im Sicherheitsrat sitzt mit China der einzige noch verbliebene Verbündete Pjöngjangs. Vor allem die USA wollen, dass Peking mehr wirtschaftlichen Druck auf Pjöngjang ausübt, um es im Streit um sein Atom- und Raketenprogramm zum Einlenken zu bringen.

Nordkorea unterhält trotz umfassender Sanktionen seit Jahren ein Atomwaffenprogramm. Seit 2006 hat das Land insgesamt sechs Atomwaffentests vorgenommen, davon den bisher stärksten im September. Am 15. September erfolgte auch der bislang letzte Raketentest. Damals hatte Pjöngjang eine Rakete über Japan hinweg geschossen, die anschließend in den Pazifik gestürzt war.

Zuvor hatte Nordkorea Ende August eine Mittelstreckenrakete abgefeuert und im Juli zwei Interkontinentalraketen getestet. Eine von ihnen könnte nach Einschätzung von Experten auch den US-Bundesstaat Alaska erreichen.

Die US-Regierung drohte wegen der Tests wiederholt mit einem militärischen Vorgehen gegen Pjöngjang. Bei seinem ersten Auftritt vor der UNO im September drohte US-Präsident Trump sogar mit der "völligen Zerstörung" Nordkoreas. Wie schon zuvor bekräftigte US-Außenminister Rex Tillerson am Dienstag aber, dass alle "diplomatischen Optionen offen" blieben.

Erst vergangene Woche hatten die USA Nordkorea wieder auf ihre Liste der Terrorunterstützerstaaten gesetzt, von der das Land 2008 gestrichen worden war. Zudem verhängte Washington weitere Sanktionen. Diese richten sich insbesondere gegen chinesische Unternehmen, die mit Nordkorea Geschäfte machen. Die Entscheidung sorgte in Pjöngjang für Empörung. Die Aufnahme auf die Liste sei eine "ernsthafte Provokation".