Nordkorea übergibt sterbliche Überreste getöteter US-Soldaten an die USA

65 Jahre nach dem Waffenstillstand im Koreakrieg kehren die Überreste gefallener US-Soldaten in ihr Heimatland zurück

Genau 65 Jahre nach dem Waffenstillstand im Koreakrieg hat Nordkorea die sterblichen Überreste gefallener US-Soldaten an die USA übergeben. Ein Flugzeug der US-Luftwaffe nahm am Freitag 55 in UN-Flaggen gehüllte Kästen in Nordkorea entgegen und brachte sie auf den Stützpunkt Osan in Südkorea. Die Übergabe geht auf eine Absprache von US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un zurück.

Sie ist eines der wenigen greifbaren Ergebnisse des Gipfeltreffens von Trump und Kim in Singapur im vergangenen Monat. "Ich danke dem Vorsitzenden Kim dafür, dass er sein Wort gehalten hat", sagte Trump in Washington. "Ich bin mir sicher, dass er sich weiter an sein Versprechen halten wird." In Nordkorea werden seit dem Koreakrieg (1950 bis 1953) noch rund 5300 US-Soldaten vermisst.

Die Rückführung werde "ein großer Moment für viele Familien", erklärte Trump. Das Weiße Haus sprach in einer Erklärung von einem "bedeutsamen ersten Schritt" im Bemühen der USA, die Überreste der US-Soldaten zu finden und nach Hause zu bringen.

Ein Ehrenspalier der US-Armee nahm die Überreste der Gefallenen auf dem südkoreanischen Stützpunkt Osan in Empfang. Soldaten trugen die Kästen eine nach der anderen aus dem Flugzeug und luden sie auf dem Rollfeld in Transportfahrzeuge. In der kommenden Woche sollen sie in den US-Bundesstaat Hawaii gebracht werden, wo eine offizielle Heimkehr-Zeremonie geplant ist. Danach sollen die Überreste forensisch untersucht werden, um womöglich die Identität getöteter Soldaten feststellen zu können.

Die Übergabe erfolgte genau 65 Jahre nach Unterzeichnung des Waffenstillstands, der die Kriegshandlungen im Koreakrieg beendete. Wie jedes Jahr gedachte Nordkorea dieses Ereignisses mit einer Zeremonie auf dem Heldenfriedhof der Hauptstadt Pjöngjang. Nach nordkoreanischer Lesart besiegelte der Waffenstillstand den Sieg über die USA im "Großen Vaterländischen Befreiungskrieg".

Anders als in den Vorjahren verzichtete die nordkoreanische Führung weitgehend auf scharfe Attacken gegen die USA. Propagandaplakate in der Hauptstadt hoben vor allem den Heldenmut der nordkoreanischen Truppen hervor. Noch im Vorjahr hatten Nordkoreas Medien anlässlich des Jahrestags gegen die "imperialistischen US-Aggressoren" Stimmung gemacht.

Im Koreakrieg kämpften UN-Truppen unter Führung der USA gegen nordkoreanische Soldaten, die von China unterstützt wurden. Nach dem Krieg blieb es beim Status quo - der Teilung Koreas in einen kommunistischen Norden und einen westlich orientierten Süden.

Rund 35.000 US-Soldaten wurden in dem Krieg getötet. Bereits zwischen 1990 und 2005 hatte Nordkorea die Überreste von 229 gefallenen US-Bürgern übergeben. Diese Übergaben endeten, als sich der Streit um Nordkoreas Atomprogramm verschärfte.

Das Singapurer Gipfeltreffen zwischen Trump und Kim war mit einem vagen Bekenntnis Nordkoreas zur "Denuklearisierung" zu Ende gegangen. Konkrete Schritte oder ein Zeitplan zu der von den USA gewünschten Aufgabe des nordkoreanischen Atomwaffenprogramms wurden aber nicht vereinbart.