Nordirland-Expertin befürchtet weitere Spaltung nach Brexit

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BELFAST (dpa-AFX) - In der britischen Provinz Nordirland droht nach Einschätzungen einer Expertin nach vollzogenem Brexit eine weitere Spaltung der Gesellschaft. "In einer schwierigen Situation ist die Frage immer: Wer ist Schuld daran?", sagte die Konfliktforscherin und Nordirland-Expertin des Thinktanks UK in a Changing Europe, Katy Hayward, der Deutschen Presse-Agentur. "Die Brexiteers werden den Brexit-Gegnern die Schuld an der Situation geben. Die Brexit-Gegner werden den Brexiteers die Schuld geben. Jeder wird ein einfaches Ziel haben."

Nordirland befindet sich - wie auch der Rest des Vereinigten Königreichs - wegen der Corona-Pandemie in einer schweren Rezession. Die Brexit-Effekte könnten dies noch verschärfen.

In den Brexit-Verhandlungen zwischen Großbritannien und der EU war Nordirland schon von Beginn an ein besonders strittiger Punkt. Die Grenze zwischen dem EU-Land Irland und der britischen Provinz ist die einzige Landesgrenze des Vereinigten Königreichs mit der EU. Doch ausgerechnet dort darf auf keinen Fall eine harte Grenze mit Kontrollen und Grenzposten entstehen, ansonsten wird ein Aufflammen alter Konflikte zwischen Katholiken in Irland und Protestanten in Nordirland befürchtet. Diese Vereinbarung ist im Austrittsabkommen im sogenannten Nordirland-Protokoll festgehalten.

Obwohl diese Vereinbarung größeren Schaden abwenden soll, sagte Hayward: "Der Brexit und das Protokoll bedeuten, dass Nordirland um sich herum Grenzen haben wird. Insbesondere im Fall eines No Deals werden diese Grenzen härter werden", sagte die Expertin. "Es gibt hier ein Gefühl der Verletzlichkeit."

Mittlerweile haben sich Großbritannien und die EU auf die Details geeinigt, wie das Nordirland-Protokoll umgesetzt werden soll. Klar ist: Wenn Ein- und Ausfuhren an der irisch-nordirischen Grenze nicht kontrolliert werden sollen, muss dies an anderer Stelle geschehen. Dafür vorgesehen ist die Meeresgrenze, die Nordirland von Großbritannien trennt. Eine Übergangsphase soll diese Neuerungen möglichst glimpflich gestalten.

"Es ist eine Einigung, die ein großes Spektakel in Nordirland Anfang Januar vermeidet", sagte Hayward. "Und das ist wichtig, denn dieses Protokoll braucht Zeit, um sich zu etablieren und zu funktionieren. Niemand will ein Szenario, in dem man Anfang Januar leere Regale und fehlende Medikamente hat."