Nord Stream geht wohl Samstag wieder in Betrieb - Angst bleibt

(Bloomberg) -- Russland wird voraussichtlich am frühen Samstagmorgen die Gaslieferungen durch die Nord-Stream-Pipeline nach Deutschland wieder aufnehmen. Für die Gasmärkte ist das eine zunächst Erleichterung, doch für Herbst und Winter wird mit weiteren Lieferstopps gerechnet.

Orderdaten des Betreibers deuten darauf hin, dass die Pipeline am Samstag wieder hochgefahren wird und wie zuletzt mit 20% ihrer Kapazität Gas liefert. Die Wiederaufnahme der Lieferungen nach Wartungsarbeiten - normalerweise eine Routineangelegenheit - ist zu einem mit Spannung erwarteten Drama geworden.

Die europäischen Benchmark-Gasfutures stürzten um bis zu 10% ab und haben damit in dieser Woche um fast 36% abgegeben. Die Strom-Futures gaben um bis zu 3,5% nach und liegen bei weniger als der Hälfte des Höchstwertes vom Montag, als sie kurzzeitig über 1.000 Euro gestiegen waren.

In Europa wächst die Überzeugung, dass man sich in diesem Winter nicht auf Gaslieferungen aus Russland verlassen kann. Moskau wird sie in den kälteren Monaten wahrscheinlich kontinuierlich nutzen, um die Märkte zu stören und Europa wegen seiner Sanktionen gegen das Land unter Druck zu setzen.

Gazprom hat die Lieferungen durch Nord Stream im Juli, ebenfalls kurz nach Wartungsarbeiten, unter Berufung auf technische Probleme gedrosselt. Der aktuelle Lieferstopp begann am Mittwoch, weil die einzige verbliebene funktionierende Turbine überprüft werden sollte. Normalerweise wird mit sechs großen und zwei kleineren Turbinen Gas in die Pipeline gepumpt, aber in diesem Sommer wurde ein Großteil der Anlagen außer Betrieb genommen. Russland macht dafür die westlichen Sanktionen verantwortlich.

Der geringere Verbrauch in Verbindung mit Speicherständen und neuen Gasquellen könnte dazu beitragen, die russischen Risiken vorerst einzugrenzen. Häufige Nord Stream-Stopps wären jedoch ein Indikator dafür, dass Russland mit seinen Lieferungen weiterhin auch politische Zwecke verfolgt. Das würde höhere Risiken für den Winter erwarten lassen - vor allem, wenn der Winter kalt wird.

“Während eine ausgedehnte Rationierung in der EU selbst in einem Abschaltszenario nicht unvermeidlich ist, wäre dies in einigen Ländern, etwa in Deutschland, ein hohes Risiko”, so Fitch Ratings in einer Studie am Donnerstag. “Eine Rezession in der Eurozone scheint als Folge der sich verschärfenden Gaskrise wahrscheinlich.”

Es ist noch nicht klar, wann die Nord Stream-Turbinen gewartet werden können, die derzeit außer Betrieb sind. Für die letzte funktionierende Gasturbine der Portowaja-Kompressorstation ist die regelmäßige Wartung laut Gazprom auf technische Anforderungen des Herstellers Siemens zurückzuführen.

Gazprom zufolge muss diese Turbine alle 1.000 Betriebsstunden - also alle 42 Tage - gewartet werden. Die Bundesregierung fürchtet daher, dass Mitte Oktober die nächste Unterbrechung folgen wird, berichten wie mit den Überlegungen Berlins vertraute Personen.

Überschrift des Artikels im Original:

Russian Gas Link Set to Restart as Traders Weighs Further Halts

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