Noch immer melden sich Loveparade-Traumatisierte

Am 8. Dezember beginnt ein Strafprozess gegen zehn Beteiligte von Stadt Duisburg und Veranstalter Lopavent. Foto: Daniel Naupold

Gut sieben Jahre nach dem Loveparade-Unglück kämpfen Überlebende weiterhin mit den Folgen der traumatischen Erlebnisse. Auch schwere Fälle sind darunter.

Duisburg (dpa) - Der Loveparade-Stiftung in Duisburg sind in diesem Jahre weitere Fälle von schwer traumatisierten Menschen durch das Gedränge mit 21 Toten bekannt geworden.

«Einige können weiterhin nicht arbeiten und brauchen immer noch Therapien», sagte der Vorstand der «Stiftung Duisburg 24.7.2010», Jürgen Widera, der Deutschen Presse-Agentur.

«Einige sind ganz aus der Bahn geworfen und haben ihren Job verloren.» In einem Fall habe jemand Probleme, seine Berufsunfähigkeit anerkannt zu bekommen. In einem anderen Fall habe jemand erst 2017 wieder anfangen können zu arbeiten - zunächst mit zwei Stunden täglich im Rahmen einer Wiedereingliederung.

In einem Gedränge waren damals 21 Menschen gestorben, mehr als 650 wurden verletzt. Am 8. Dezember beginnt ein Strafprozess gegen zehn Beteiligte von Stadt Duisburg und Veranstalter Lopavent.

Bekannt wurde der Stiftung auch der Fall eines Studenten, der bis heute Schwierigkeiten hat, das Haus zu verlassen und sich unter Menschen zu begeben. «Es hat mich schon ein bisschen erschreckt, dass es Menschen gibt, die so schwer belastet sind, von denen wir überhaupt nichts gewusst haben.» Die Betroffenen seien über das Bundesgebiet verteilt. Widera ist bis Ende 2018 auch Ombudsmann der Stadt Duisburg für die Opfer der Loveparade.

Für Hinterbliebene und Verletzte stehen beim Prozess an jedem Verhandlungstag zwei Experten der Notfallseelsorge zur Verfügung. Derzeit werde ein Team von erfahrenen Notfallseelsorgern und Psychologen aufgebaut, sagte Widera. Die Notfallseelsorger aus Duisburg und dem Kreis Wesel würden Hinterbliebene und Verletzte bereits seit 2010 betreuen.

An den für Verletzte und Hinterbliebene besonders aufwühlenden Tagen sollen auch mehr als zwei Fachleute vor Ort sein. «Beispielsweise, wenn die Bilder von der Katastrophe gezeigt werden. Wenn Eltern mit den Bildern ihrer toten Kinder konfrontiert werden, kann alles Mögliche passieren, bis hin zur Retraumatisierung», sagte Widera. Der Pfarrer rechnet damit, dass die Eltern von etwa zehn Getöteten den Prozessauftakt am 8. Dezember persönlich verfolgen werden.

Die Hoffnung von Nebenklägern auf Aufklärung wird nach Ansicht des Opferbeauftragten des Landes Berlin, Roland Weber, in Strafprozessen oft nicht erfüllt. «Ein Strafprozess soll klären, ob die Angeklagten eine persönliche Schuld tragen im Sinne des Strafrechts», sagte Weber im Vorfeld des Loveparade-Strafprozesses. «Die sitzen nicht da, weil sie den Opfern eine Sachverhaltsaufklärung bieten wollen.» So hätten die Angeklagten etwa das Recht zu schweigen. Dieser Widerspruch lasse sich ganz oft nicht auflösen, sagte der Rechtsanwalt.