Nobelpreisträger Gore: 'Wir alle haben ein Glaubwürdigkeitsproblem'

SCHARM EL SCHEICH (dpa-AFX) -Der frühere US-Vizepräsident Al Gore hat die Staaten weltweit ermahnt, trotz Ukraine-Kriegs und Energiekrise im Kampf gegen eine Klimakatastrophe nicht nachzulassen. Der Krieg dürfe keine Ausrede sein für ein Festhalten an klimaschädlichen fossilen Energieträgern wie Öl, Gas und Kohle, sagte der Friedensnobelpreisträger am Montag auf der Weltklimakonferenz in Ägypten. Gore sprach von einer "Kultur des Todes". Die Anstrengungen zur Reduzierung der Treibhausgase seien unzureichend. "Wir haben ein Glaubwürdigkeitsproblem - wir alle hier."

Gore sagte, schon jetzt stürben jährlich Millionen Menschen an den Folgen der Luftverschmutzung - verursacht vor allem von Abgasen aus Autos und Kohlekraftwerken. Weil künftig immer mehr Regionen wegen Dürren oder Hitzewellen unbewohnbar würden, seien Schätzungen zufolge bis zum Ende des Jahrhunderts eine Milliarde Klimaflüchtlinge zu erwarten. Die Dutzenden Staats- und Regierungschefs in Scharm el Scheich forderte er auf, eine simple Regel zu beherzigen: "Wenn du in einem Loch sitzt, hör' auf zu graben."

Zuvor hatte schon UN-Generalsekretär António Guterres in düsteren Worten vor den Folgen der Erderhitzung gewarnt. "Wir sind auf dem Highway zur Klimahölle - mit dem Fuß auf dem Gaspedal." Das 2015 auf der Weltklimakonferenz in Paris vereinbarte Ziel, die Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen im Vergleich zur vorindustriellen Zeit, sei akut gefährdet.