Abdulrazak Gurnah aus Sansibar erhält Literaturnobelpreis 2021

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Der Nobelpreis in Literatur wurde von Alfred Nobel zu Beginn des 20. Jahrhunderts für ein "in idealer Weise herausragendes Werk" gestiftet. In diesem Sinne hat sich die Jury in diesem Jahr für Abdulrazak Gurnah "für seine kompromisslose und mitfühlende Durchdringung der Auswirkungen des Kolonialismus und der Flüchtlingsschicksale in der Kluft zwischen den Kulturen und Kontinenten" entschieden.

Gurnah wurde 1948 auf Sansibar geboren und war 1986 als Student nach Großbritannien gegangen. Er hat zehn Romane und eine Reihe von Kurzgeschichten veröffentlicht. Das Gefühl der Zerrüttung bei Flüchtlingen zieht sich als Thema durch sein gesamtes Werk. Auf Deutsch ist von ihm unter anderem Die Abtrünnigen (2006), Schwarz auf Weiß (2004) , Ferne Gestade (2002), Donnernde Stille (2000) und Das verlorene Paradies (1998) erschienen.

Gurnah lebt in Brighton (East Sussex) und unterrichtet Literatur an der Universität in Kent.

In 100 Jahren ist der Preis erst 16 Mal an eine Frau verliehen worden, noch seltener ging er an eine/n Schriftsteller:in mit Herkunft außerhalb des Westens. Der Literaturnobelpreis wird seit 1901 vergeben.

Im vergangenen Jahr war die als weltweit renommierteste Auszeichnung für Literatur an die US-Dichertin Louise Glück gegangen. Die Jury zeichnet die gebürtige New Yorker Dichterin aus "für ihre unverwechselbare poetische Stimme, die mit strenger Schönheit die individuelle Existenz universell macht".

Glück unterrichtet an der US-Elite Universität Yale Kreatives Schreiben. Ihre jüdische Familie war aus Ungarn in die USA eingewandert. Schon als Kind schrieb Louise Glück Gedichte.

Louise Glücks erster Gedichtband war "Firstborn" im Jahr 1968. Seidem hat die 77-Jähirge elf weitere Gedichtbände sowie mehrere Bücher mit Essays über Poesie veröffentlicht.

In den USA erreichte sich den Durchbruch 1985 mit "The Triumph of Achilles".

Nach Deutschland ging der Preis zuletzt 2019 (Peter Handke), unter den deutschsprachigen Autoren, die ausgezeichnet wurden, sind zudem Theodor Mommsen (1902), Thomas Mann (1929), Heinrich Böll (1972), Günter Grass (1999) und Herta Müller (2009).

Stürmische Zeiten

Seit 2018 steht die Schwedische Akademie in der Kritik. Damals hatte der Ehemann einer Jurorin Namen von Preisträgern an die Presse weitergegeben - vor der Verleihung. Fotograf und Theaterreagisseur Jean-Claude Arnault, hatte zudem Gelder der Akademie veruntreut und wurde sexueller Belästigung beschuldigt. Zehn der 18 Mitglieder der Jury traten im Zuge des Skandals zurück.

Kritik hatte auch die Auszeichnung im Jahr 2016 ausgelöst, damals ging der Preis an Musiker und Songwriter Bob Dylan.

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