Ninja statt Soap-Liebling: Favorit der ersten Stunde fliegt im "Let's Dance"-Halbfinale raus

Christina Raftery
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Ninja statt Soap-Liebling: Favorit der ersten Stunde fliegt im "Let's Dance"-Halbfinale raus

Lili Paul-Roncalli und Luca Hänni standen bereits als Finalisten fest, da entschied es sich zwischen dem Posterboy aus "Alles, was zählt" und dem Strubbel-Ninja: Vom Zittern erlöst wurde schließlich "Last Man Standing" Moritz Hans, der sicher die spannendste Entwicklung der Staffel durchlebt hat.

Die Schlagzeilen-Garantinnen Laura Müller und Ilka Bessin tanzen wieder im heimischen Wohnzimmer, zurück auf dem "Let's Dance"-Parkett bleiben nur noch hochtalentierte Pokalanwärter. Um das Halbfinale jedoch nicht gar so solide ausfallen zu lassen - selbst Juror Jorge Gonzáles kam mit bravem Seitenscheitel - zogen die Macher kurz vor dem Finale einer ganz besonderen Staffel nochmal alle Register: mit "künstlicher Eskalation vom Band" (Moderator Daniel Hartwich), noch strengeren Juryaugen, zumindest bei Joachim Llambi, und dem berüchtigten "Improdance" - diesmal "even more extreme". Die Auflagen für die verbliebenen Tanzpaare waren hart: Das Auslosen eines Zufalls-Tanzes, gefolgt von 1,5 Minuten Umziehzeit, 30 Sekunden für Absprache, danach die einminütige Präsentation.

Sixpack-Tijan und Muskel-Moritz

Dass Schauspieler Tijan Njie, der bereits seit der ersten Show eine Favoritenrolle innehatte, laut Jurorin Motsi Mabuse mit Partnerin Kathrin Menzinger inzwischen "gutes Storytelling und einen eigenen Weg der Präsentation" gefunden hat, zeigte er im Cowboy-Quickstep zu "Ring of Fire" und als Glitzer-Torero in einem kraftvollen Paso Doble. Zu kraftvoll für Joachim Llambi, dem die "klaren Linien" fehlten sowie im Standardtanz die korrekte Fußhaltung: "Fersenschritt statt Ballenansatz ist fatal für die Höhen." Details wie diese entschieden nun über das Wohl und Wehe der vier letzten Besten: "Wenn wir so etwas nicht bewerten, führen wir uns als Jury ad absurdum", rechtfertigte Llambi seinen Röntgenblick bis auf den letzten kleinen Zeh.

Ebenso durchtrainiert wie Njie, stellte sich auch Moritz Hans der Herausforderung von Paso Doble und Slowfox. Der "Underdog" der Staffel (Tanzpartnerin Renata Lusin) hat sich zum selbstbewussten Entertainer entwickelt, der Kampfeslust mit Nonchalance verbindet. "Ich habe den Jungen noch nie in meinem Leben getroffen, aber bin so unfassbar stolz auf ihn", schwärmt eine Facebook-Userin von dem Finalisten mit der geringsten tänzerischen Vorbildung: "Was für ein Paso, was für ein Paar!" Auch von "Let's Dance"-Royalty erhält der Kletterer Unterstützung: Vorjahressieger Pascal Hens schaute im Studio vorbei, äußerte Solidarität unter sportlichen Tanzneulingen: "Ich drücke ihm die Daumen."

Chili Lili und Drama-Luca

Alles, was Motsi Mabuse von Lili Paul-Roncalli, der einzigen Promi-Frau in der Schlussauswahl, forderte, war: "Attacke!" Und das in Form einer Salsa, die "Chili Lili con Carne" (Jorge) ebenso wie den Contemporary trotz steigender Nervosität gewohnt souverän absolvierte. Wenn überhaupt noch etwas fehlt, dann überbordendes Gefühl, im Training messerscharf erkannt von Partner Massimo Sinató: "Immer wenn es emotional wird, gehst du." Nicht immer allerdings: Als es beim "Improdance" an ihren "Traumatanz" Charleston ging, bei dem sie letzte Woche frontal mit Sinató zusammen stieß, ging sie eher aufs Ganze.

Luca Hänni macht die Fronten klar

Ähnlich routiniertes Handwerk und dazu noch den letzten Schliff als Showman legte Luca Hänni an den Tag, der sich an der Seite von Christina Luft endgültig zum Improvisationsmeister entwickelte: Eine lässige 50er-Jahre-Hüfte zum Elvis-Presley-Jive, Dramatik beim Phantom der Oper-Tango und ein fulminanter Turbo-Cha Cha Cha nötigten Motsi Mabuse "Respect!" ab: "Das war eine Ansage für den Pokal." Kommentar Llambi: "15 Punkte von mir." Der gleiche "Respect" gebührt Christina Luft, die den "Improdance even more extreme" mit Beinverletzung durch eine Bühnenlampe und nach Verlust eines Schuhs ungebrochen grazil fortsetzte.

Plötzlich war der Schuh weg!

Gepostet von Let's Dance am  Freitag, 15. Mai 2020

Stärkstes Halbfinale aller Zeiten?

Lili Paul-Roncalli, Luca Hänni und Moritz Hans: In einem der qualitativ stärksten "Let's Dance"-Halbfinale "ever" (Motsi Mabuse) waren es am Ende die Zuschauer, die die Entscheidung übernahmen. Artistik, Show-Gen und Sportsgeist werden das diesjährige Finale prägen und die Entscheidung noch schwerer oder fast unmöglich machen, wie eine Facebook-Userin prophezeit: "Luca ist für mich der Sieger der Show, Moritz der Sieger der Herzen und Lili durch ihre Beweglichkeit einfach der Wahnsinn."