Nina, Katwarn & Co.: Diese Apps sollen euch vor Katastrophen warnen — das solltet ihr darüber wissen

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Die Hochwasser-Katastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz forderte bisher mindestens 165 Todesopfer. Viele Menschen werden weiterhin vermisst. Armin Schuster, der Präsident des Bundesamts für Bevölkerungs- und Katastrophenschutz (BBK), kommt trotzdem zu dem Fazit: „Unsere Warninfrastruktur hat geklappt“. Es seien zwischen Mittwoch und Samstag vergangener Woche 150 Warnmeldungen über die Apps des Amtes — Katwarn und Nina — verschickt worden, sagte Schuster am Montag.

Das Problem: Viele Bürger nutzen die Warn-Apps weiterhin nicht. Warnmeldungen, die ausgesendet werden, kommen dadurch oft nicht bei den gefährdeten Personen an. Wir stellen euch hier die wichtigsten Warn-Apps aus Deutschland vor. Seit Februar 2019 werden die offiziellen Warnmeldungen dabei untereinander von den Apps geteilt und parallel verbreitet, damit kein Nutzer ausgeschlossen wird. Alle Apps sind zudem kostenlos erhältlich.

Die Nina-Warnapp: Der Allrounder

Die Notfall-Informations- und Nachrichten-App ist ein Angebot des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Die App bezieht ihre Informationen aus dem modularen Warnsystem des Bundes, dem Deutschen Wetterdienst sowie von der regionalen Feuerwehr und den teilnehmenden Rettungsleitstellen. Nina ist seit 2015 in Betrieb und sendet Warnmeldungen zu verschiedenen Gefahren wie Großbränden, Hochwasser, Chemieunfällen und vielen mehr aus.

Per GPS-Dienst können die Nutzer immer für den aktuellen Standort die Warnmeldungen erhalten oder in der App Orte abspeichern, für die Informationen erhalten werden sollen. Die App informiert außerdem über die Corona-Pandemie und gibt Notfalltipps zu besonderen Gefahrenlagen. Die Warnungen können außerdem auch per SMS oder E-Mail weitergeleitet werden.

In der App finden sich darüber hinaus auch Notfalltipps des BBK, wie ihr euch in bestimmten Gefahrenlagen verhalten solltet.

Die Katwarn-App: Die abgespeckte Variante von Nina

Katwarn wurde von Fraunhofer FOKUS im Auftrag der öffentlichen Versicherer Deutschlands und der Combirisk GmbH entwickelt und verarbeitet ebenfalls die Informationen des bundesweiten Warnsystems und vom Deutschen Wetterdienst. Die App ist seit 2011 in Entwicklung und warnt ähnlich wie Nina vor Großbränden, Bombenwarnungen, Umweltkatastrophen und vielem mehr.

Allerdings ist die App nicht so weit verbreitet wie Nina. Gerade regionale Warnungen von Kommunen und Gemeinden werden dadurch nicht flächendeckend versendet. Außerdem können neben der aktuellen Position nur acht weitere Postleitzahlen hinzugefügt werden, zu denen Warnmeldungen erhalten werden können. Das führt vor allem in Großstädten zu Problemen.

Mit Biwapp auch über Schulausfälle informiert bleiben

Die "Bürger-Info und Warn-App" (Biwapp) hat sich weiter spezialisiert und bietet im Gegensatz zu Katwarn und Nina nicht nur Meldungen über Katastrophen, sondern auch zu Fahndungen und Schulausfällen an (insofern die Schulen den Dienst nutzen). Über Biwapp können Nutzer ebenfalls die Informationen des BBK oder der regionalen Warnstellen erhalten. Wer sich in Gefahr befindet, kann über Biwapp einen Hilferuf inklusive Ortungsfunktion aussenden. Im Gegensatz zur Nina-App und Katwarn ist Biwapp jedoch aktuell nicht im Google Play Store und damit nur für iOS-Geräte erhältlich.

Wetter-Warnungen dank der App des Deutschen Wetterdienstes

Über die WarnWetter-App des Deutschen Wetterdienstes können Nutzer auch Informationen zur aktuellen Wetter- und Gefahrenlage in Deutschland erhalten. Gegen einen Aufpreis werden außerdem Funktionen wie eine Sieben-Tage-Wettervorhersage freigeschaltet.

Viele Warn-Apps — aber kein Alarm per SMS in Deutschland

Trotz dieser App-Angebote konnten sich viele Bürger in den Hochwasser-Gebieten nicht rechtzeitig retten. BBK-Chef Schuster verteidigt jedoch das System: „Die Warninfrastruktur ist nicht unser Problem gewesen, sondern die Frage, wie sensibel reagieren Behörden und die Bevölkerung auf diese Warnungen?“ Der Deutsche Wetterdienst habe Warnungen verschickt, diese seien an die Hochwasserzentralen der Länder gegangen und von da an die Kreisbehörden. Letztlich kamen diese Warnungen jedoch nicht bei der Bevölkerung an. Auch, weil es in Deutschland nicht nur kaum noch Warnsirenen für den Katastrophenfall gibt, sondern zudem kein Warnsystem per Alarm-SMS, wie etwa in den USA oder Russland.

Warum? Der Aufbau eines SMS-Warnsystems sei sehr teuer, sagte Schuster im "Deutschlandfunk". Außerdem müsse erst ein Mobilfunkbetreiber gefunden werden, der ein solches System zur Verfügung stelle. Die politische Forderung nach einem SMS-Warnsystem wird jedoch lauter. Unter anderem Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) sprach sich dafür aus.

Warn-Apps versagten am bundesweiten Warntag 2020

Die aktuellen Warnprobleme erinnern an den bundesweiten Warntag im vergangenen Jahr. Dort sollten um Punkt 11 Uhr in ganz Deutschland die Sirenen ertönen und Warnmeldungen verschickt werden. Der Test war ein großer Fehlschlag. Aufgrund technischer Probleme wurden vielerorts die Warnmeldungen viel zu spät verschickt. Das System war durch Absprachefehler überlastet. Der damalige BBK-Chef Christoph Unger musste seinen Posten räumen. Sein Nachfolger: Armin Schuster.

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