Nikola zeigt deutsches Werk kurz vor erster E-Lkw-Auslieferung

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(Bloomberg) -- Nikola Corp. hat der Öffentlichkeit einen Blick auf die Produktionslinie gewährt, von der aus das Unternehmen mit ersten Auslieferungen seiner elektrischen Lkw an Kunden beginnen will. Der Gründer des Unternehmens war kürzlich wegen Wertpapierbetrugs angeklagt worden.

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Der US-Hersteller lud am Mittwoch zu einer Veranstaltung nach Ulm, wo sein Partner Iveco – die Nutzfahrzeugsparte von CNH Industrial NV - derzeit den Start der Serienproduktion von Nikola Tre-Schwerlastern bis Jahresende vorbereitet. Die ersten batterieelektrischen Modelle sollen Anfang nächsten Jahres an Kunden in den USA ausgeliefert werden. Bis Ende 2023 soll eine mit Brennstoffzellen angetriebene Version folgen.

Nikola hofft auf weniger turbulente Zeiten. Nachdem das Unternehmen im Juni letzten Jahres auf dem Wege einer Fusion mit einem Blankoscheck-Unternehmen an die Börse gegangen war, schossen die Anteile des Herstellers, der praktisch noch ohne Umsatz dasteht, in die Höhe. Kurzzeitig war das Unternehmen wertvoller als Ford Motor Co. Die Aktie brach dann ein, nachdem ein Leerverkäufer den Gründer Trevor Milton beschuldigte, Anleger getäuscht zu haben. Der trat im September als Vorstandsvorsitzender zurück und bekannte sich im Juli der Betrugsvorwürfe für nicht schuldig.

Das Unternehmen ist nun bestrebt, seine Strategie fokussiert umzusetzen, so Vorstandschef Mark Russell in einem Interview in Ulm. “Trotz aller Herausforderungen wie Covid und der Störungen der Lieferketten sind wir hier.”

Nikola-Aktien schlossen am Dienstag knapp unter 10 Dollar (8,46 Euro), im Juni lagen sie kurzzeitig bei über 90 Dollar.

Ulmer Pläne

Letzten Monat hatte der CEO die Prognose für die ersten Auslieferungen in diesem Jahr auf 25 bis 50 LKW gesenkt. Als Grund wurde der Mangel an Halbleitern und anderen Teilen genannt. Obwohl die Fahrzeuge wegen der fehlenden Chips nicht als verkaufsfähig gelten, will Nikola sie dennoch zum Testen an Kunden ausliefern und die Fahrzeuge dann nachträglich in Rechnung stellen, wenn sie mit den fehlenden Teilen nachgerüstet wurden.

Nächstes Jahr sollen in Ulm bis zu 100 Lkw gebaut werden, wobei die Nachfrage die Kapazität “bei weitem übersteigt”, so Iveco-Chef Gerrit Marx. Das Werk wird später in der Lage sein, in drei Schichten jährlich 3.000 Lkw herzustellen. Nächstes Jahr soll ein zweiter Standort in Coolidge, Arizona, starten, wo Nikola Lkw mit Brennstoffzellenantrieb bauen will.

Nikola und Iveco haben 40 Millionen Euro investiert, um das Werk fit zu machen für die Endmontage des Tre. Der Schwerlaster mit einer Reichweite von 560 Kilometern ist für kürzere Fahrten wie den Güterumschlag in Häfen oder die Müllabfuhr konzipiert. Er entsteht auf einer Iveco-Plattform mit Modulen aus Werken des Herstellers in Spanien.

Nikola kümmert sich um die Fahrzeugsteuerung, die fahrerseitige Software und die 4,5 Tonnen schweren Akkus des Tre.

Hamburger Abkommen

Iveco und Nikola stellten am Mittwoch nicht nur ihre gemeinsame Fertigungslinie vor, sondern verkündeten auch eine Vereinbarung mit dem Hamburger Hafen, ab nächstem Jahr bis zu 25 Tre-Lkw zu testen.

Iveco stand zu Nikola, als andere namhafte Partner sich zurückzogen. General Motors Co. verwarf einen vorläufigen Plan, sich an dem Unternehmen zu beteiligen und einen elektrischen Pickup namens Badger zu produzieren. Eine verbleibende Vereinbarung, nach der Nikola Wasserstoff-Brennstoffzellentechnologie von GM in seinen Lastwagen verbauen sollte, scheint nun zweifelhaft - Nikola kündigte Anfang dieses Monats an, die entsprechenden Systeme von Robert Bosch GmbH beziehen zu wollen.

„Es gab genug Gründe, all das hier zu stoppen – die letzten 24 Monate hätten uns genug Gründe geliefert, jeder hätte es verstanden“, sagte Marx. “Aber wir haben das nie auch nur in Betracht gezogen.”

Überschrift des Artikels im Original:Nikola Showcases German Plant Nearing First Truck Production (1)

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