Kann die Nikola-Aktie 2021 dein Geld verdoppeln?

Christoph Gössel, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
·Lesedauer: 4 Min.
Wasserstoff-Truck Nikola Motors Aktie Nikola-Aktie
Wasserstoff-Truck Nikola Motors Aktie Nikola-Aktie

Im Frühsommer war die Begeisterung um die Nikola-Aktie (WKN: A2P4A9) noch groß. Die „nächste Tesla“ sollte sie sein.

Mittlerweile ist die Begeisterung deutlich gesunken – und so auch der Aktienkurs. Das Papier hat sich unterhalb der 20-US-Dollar-Marke eingependelt. Um ganze 82 % steht der Kurs nun niedriger als noch vor einem halben Jahr (Stand aller Angaben: 22. Dezember 2020). Damit hat die Nikola-Aktie so ziemlich die gegensätzliche Performance zur Tesla-Aktie gebracht.

Wenn du gern in Turnarounds investierst, dann fragst du dich nun vielleicht, ob die Nikola-Aktie 2021 auch wie Phönix aus der Asche aufsteigen könnte. Wir haben die Antworten!

Was hat die Nikola-Aktie zu bieten?

Nikola möchte mit elektrischen Trucks die Welt des Güterverkehrs revolutionieren. Dazu möchte das Unternehmen zunächst mit batteriebetriebenen Trucks starten. Ab 2023 soll auch eine Wasserstoffversion mit deutlich höherer Reichweite hinzukommen. Wichtig ist das Wort „möchte“. Bisher existiert erst eine Handvoll Prototypen, Umsätze erzielt Nikola noch nicht. Ende 2021 soll die Produktion des batteriebetriebenen Nikola Tre in Ulm starten.

Das Geschäftsmodell sieht dabei wirklich attraktiv aus. Nikola wird seine Wasserstoff-Trucks in einem Leasing-Modell anbieten. Die Verträge decken alle Kostenpunkte ab – den Lkw selbst, Wasserstoff und Instandhaltung. Trucking-Firmen können dadurch ihre Kosten besser planen. Das soll die Adoption der Technologie beschleunigen. Den Wasserstoff erhalten die Trucking-Firmen von eigenen Nikola-Tankstationen, die gemeinsam mit dem norwegischen Partner Nel entwickelt werden. Die Pläne wirken extrem interessant, was den Hype um die Nikola-Aktie nach dem Börsengang erklärt.

Der Finanzplan von Nikola sieht im Jahr 2024 Umsätze von 3,2 Mrd. US-Dollar vor. Zu diesem Zeitpunkt möchte das Start-up auch erstmals einen operativen Gewinn schreiben. Das Unternehmen wird dennoch weiterhin von den Kapitalgebern abhängig sein, um seine Wachstumspläne zu finanzieren. Sollten die Zeiten des billigen und in Masse vorhandenen Geldes bis dahin anhalten, wäre das aber wahrscheinlich kein Problem.

Trotz der scheinbar aussichtsreichen Pläne liegt die Nikola-Aktie aber am Boden. Was ist da los?!

Kann Nikola seine Ziele erreichen?

In den letzten Monaten sind die Zweifel daran gewachsen, ob Nikola tatsächlich das halten kann, was es verspricht. Die US-Wertpapieraufsicht SEC und das Justizministerium untersuchen derzeit Vorwürfe, die das Shortselling-Unternehmen Hindenburg Research im September gegen Nikola erhob. Die Leerverkäufer brachten die Nikola-Aktie damit zum Einsturz.

Die Leerverkäufer haben zwar ein Interesse daran, mit harten Vorwürfen die Nikola-Aktie zum Fallen zu bringen – denn dadurch machen sie Gewinn. Allerdings hat Nikola einige der Anschuldigungen bereits zugegeben. Das Start-up rollte zum Beispiel in einem Werbevideo einen Prototypen einen Hang hinunter. Für den Zuseher entstand der Eindruck, der Lkw werde elektrisch und emissionslos angetrieben. Letzteres stimmt, doch der „Antrieb“ entstand allein durch die Erdanziehungskraft. Die Vorwürfe sorgten dafür, dass Gründer Trevor Milton das Unternehmen verließ und eine angestrebte umfassende Partnerschaft mit GM nur zu einem „Kooperatiönchen“ wurde.

Es gibt also definitiv gute Gründe, bei der Nikola-Aktie skeptisch zu sein. Seit der Wirecard-Aktie bin ich bei derartigen Vorwürfen eher vorsichtig. Allerdings hat Nikola auch starke Partner wie Bosch an Bord, die sich – anders als der Aktienmarkt – nicht so einfach durch ein paar PowerPoint-Präsentationen hinters Licht führen lassen dürften.

Wird sich die Nikola-Aktie 2021 verdoppeln?

Wie das Jahr 2021 für die Nikola-Aktie ausgeht, wird davon abhängen, was die Untersuchungen durch die US-Behörden ergeben, und wie gut Nikola bei seinen Plänen und Zielen vorankommt. Die wichtigsten Meilensteine sind der Bau der US-Fabrik in Arizona, der Produktionsstart in Ulm und im Zuge dessen das Erzielen erster Umsätze.

Auch die Bewertung sollten wir im Auge behalten. Aktuell bewertet der Markt die Nikola-Aktie mit 6,5 Mrd. Dollar und damit dem Doppelten der für 2024 geplanten Umsätze. Das ist optimistisch, allerdings erhalten derzeit viele Tech-Unternehmen derartige oder sogar noch größere Vorschusslorbeeren – siehe die Quantumscape-Aktie.

Sollte es Nikola also schaffen, das Vertrauen seiner Investoren zurückzugewinnen, stünde einer Verdopplung der Nikola-Aktie 2021 nicht viel im Weg. Ich persönlich bleibe dennoch vorsichtig und möchte erst einmal sehen, wie viel Wahrheit wirklich hinter der Nikola-Story steckt und ob die Lkw des Unternehmens gut bei den Kunden ankommen.

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Christoph Gössel besitzt Aktien von Tesla. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Tesla.

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