Niko Kovac beim FC Bayern München: Warum die 1B-Lösung genau richtig ist

Niko Kovac wird neuer Trainer des FC Bayern München. Die Personalie wirft einige Fragen auf. Die Wichtigste: Ist Kovac der richtige Mann für den Rekordmeister?

Niko Kovac wechselt wohl von Eintracht Frankfurt zum FC Bayern München. (Bild: Getty Images)

Am Donnerstagabend vermeldeten die Bild, die SportBild und der kicker zugleich, dass sich der FC Bayern für Niko Kovac als Nachfolger von Jupp Heynckes entschieden hat. Die Entscheidung verwundert nicht, war er Kroate doch im Vorfeld schon mehrfach ins Gespräch gebracht worden.

Der Steckbrief lässt sich schnell abreißen: Kovac spielte einst selbst beim FC Bayern, er spricht Deutsch, hat Erfahrung in der Bundesliga und als ehemaliger Trainer der kroatischen Nationalmannschaft auch bedingt auf internationaler Ebene. Beim engstirnigen Anforderungsprofil der Bayern-Bosse reicht das eben auch schon.

Aus Eintracht Frankfurt machte er in Zusammenarbeit mit Fredi Bobic einen soliden Bundesligisten fernab vom Abstiegskampf und hält das Team derzeit sogar in der Spitzengruppe hinter dem FC Bayern. Doch ist er auch gut genug für den deutschen Branchenprimus?


Kovac ist die 1B-Lösung

Diese Frage wurde nach der Absage Thomas Tuchels schnell bei allen anderen Kandidaten aufgeworfen: Kovac ist ohne Frage die 1B-Lösung. Aber muss 1B unbedingt schlecht sein? Nicht unbedingt, denn auch der Kroate hat herausragende Qualitäten.

Kovac muss man vor allem hoch anrechnen, dass er es geschafft hat, aus dem bunten Haufen an verschiedenen Nationalitäten, Sprachen und Vorgeschichten bei Eintracht Frankfurt ein eingeschworenes Team zu formen.

Er konnte schwierige Stars wie Kevin-Prince Boateng kombinieren mit Exoten wie Marco Fabian, Talenten wie Marius Wolf oder Altstars wie Alex Meier. Kein schlechtes Wort fiel über Kovac, obwohl der Kader mit 33 Mann alles andere als einfach zu managen ist.

Ähnlichkeiten zwischen Kovac und Heynckes

Kovac ist ein Menschenführer mit herzlicher und doch strenger Art. Er strahlt eine ganz besondere Art aus; trotz klarer Differenzen durchaus eine Ähnlichkeit zum von Uli Hoeneß so geschätzten Jupp Heynckes. Beide verkörpern eine nahezu ideale Mischung aus Vater und Chef für ihre Spieler.

Obendrein kennt er als ehemaliger Bayer das Leistungsprinzip der Münchner. Stars managen ist ein wichtiger Bestandteil des Jobs in der Landeshauptstadt: Franck Ribery, Arjen Robben und eventuell auch ein wechselwilliger Robert Lewandowski.

Hieran scheiterte nicht nur Carlo Ancelotti. Letzte Arbeitsnachweise von Kovac lassen darüber noch wenig Erkenntnisse gewinnen. Die Zeit bei der Eintracht lässt diesbezüglich aber gute Ansätze erkennen, wenngleich Bayern auf einem anderen Niveau rangiert.


Mentalität kommt vor Taktik

Auch wenn der Trainerjob zu einem großen Teil aus Menschenführung besteht, ist das doch noch nicht lange alles. Hier beginnt die Kritik an Kovac, der als Nationaltrainer Kroatiens eine Wutrede gegen die – aus seiner Sicht – überschätzte Taktik hielt.

Für Kovac kommt Mentalität vor Taktik, das verdeutlichte er damals. Das heißt aber nicht, dass er seine Mannschaft ohne Plan auf den Platz schickt. Kovac ist nur ein Freund von harter Arbeit und vollem Einsatz. In Frankfurt etablierte er parallel doch einige taktische Züge.

Dazu gehörte bei weitem nicht nur die Defensivarbeit. Besonders in der laufenden Rückrunde konnte der 46-Jährige das Ballbesitzspiel seiner Mannschaft deutlich verbessern und in einigen Spielen damit die aktive Rolle einnehmen. Das wird wichtig sein beim Dominanz-Anspruch des FC Bayern.

Großes Fragezeichen ist die Champions League

Es ist schon von Nutzen, wenn er im nächsten Jahr erst mal international mit seiner Eintracht spielt und diese Erfahrung sammelt”, stellte Heynckes selbst in der SportBild kürzlich das größte Fragezeichen in Bezug auf Kovac.

Bisher kennt er den internationalen Betrieb nicht. Alle drei Tage ein Spiel, das bewältigte er in Frankfurt maximal dank des DFB-Pokals. Dabei sind die Spiele unter der Woche einschneidend für die Arbeit als Trainer: Die Einheiten bestehen mehr aus Regenerationsmaßnahmen als aus Vorbereitung.

Entscheidend dafür könnte ein erfahrener Co-Trainer sein. Die Bild brachte Peter Herrmann ins Gespräch. Vielleicht hatte es doch einen guten Grund, warum die Bayern kürzlich rund zwei Millionen Euro für den Assistenten nach Düsseldorf überwiesen.


Kovac: Nur verfügbar oder gute Lösung?

Das wäre eine ähnliche Summe wie für Kovac selbst, der in seinem Vertrag bis 2019 eine Ausstiegsklausel für den FC Bayern festschreiben ließ. Das machte ihn im Gegensatz zu Julian Nagelsmann oder Ralph Hasenhüttl überhaupt erst verfügbar.

Hat der FC Bayern also schlicht die einzig verfügbare Lösung gewählt? Mitnichten. Kovac ist ein guter Trainer, der in Frankfurt nicht minder gute Ansätze präsentiert hat. Nun wird es aber für den Übungsleiter gelten, den nächsten Schritt zu machen und sich weiterzuentwickeln.

Die Münchner wollen ein stabiles Gerüst über mehrere Jahre hinweg aufbauen. Das hat Kovac in Frankfurt geschafft. Beim FC Bayern hat er eine ähnliche Aufgabe, wenn auch auf einem deutlich höheren Niveau als bisher.