Niedersachsens Ministerpräsident Weil und der VW-Betriebsrat verhinderten Katrin Suder als neue IT-Vorständin

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Katrin Suder, ehemalige Staatssekretärin im Verteidigungsministerium, kommt als Zeugin in den Untersuchungsausschuss zur Berateraffäre im Elisabeth-Lüders-Haus. Der Ausschuss befasst sich mit Vorwürfen wie unkorrekter Auftragsvergabe und Vetternwirtschaft im Verteidigungsministerium.
Katrin Suder, ehemalige Staatssekretärin im Verteidigungsministerium, kommt als Zeugin in den Untersuchungsausschuss zur Berateraffäre im Elisabeth-Lüders-Haus. Der Ausschuss befasst sich mit Vorwürfen wie unkorrekter Auftragsvergabe und Vetternwirtschaft im Verteidigungsministerium.

Audi ist innerhalb des Volkswagen-Konzerns zu einem Leuchtturm geworden. Nicht wegen des Vorsprungs durch Technik, sondern vielmehr wegen der Besetzung des Vorstands. Mit gleich zwei Frauen im Führungsgremium hängen die Ingolstädter die Schwesternmarken VW (0), Porsche (0), Seat (0) und Skoda (1) spielend ab. Anerkennung gab es dafür bereits von oberster Stelle: „Ich glaube, dass der Audi-Vorstand auch deshalb so erfolgreich ist, weil er viele Frauen hat“, sagte Herbert Diess. Solche Teams würden bessere Entscheidungen treffen.

Diese Kultur wünscht sich Diess auch für sein Team in Wolfsburg. Mit Hiltrud Werner sitzt dort bislang nur eine Frau im Konzernvorstand. Daher möchte der VW-Chef für das künftige IT-Ressort auch unbedingt eine weitere Frau verpflichten. Mit Katrin Suder hatte Diess auch schon seine Top-Favoritin gefunden. Sogar die Eigentümerfamilien hatten sich schon ein Bild von der früheren McKinsey-Beraterin und Bundesstaatssekretärin gemacht und grünes Licht gegeben. Doch dann kam der Knall.

Kurz vor der Vertragsunterzeichnung ließ der VW-Aufsichtsrat Suder plötzlich wissen, dass man sich nun doch gegen sie entschieden habe. Was dahinter steckte, wer gegen Suder geschossen hatte, ließ der Konzern offen. Nach Informationen von Business Insider war es aber eine Allianz aus Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil und dem Betriebsrat, die Suders Ernennung verhindert hat. Dies bestätigten mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen.

Auslöser war dem Vernehmen nach Suders Vergangenheit. Während die Arbeitnehmervertretung von Hause aus an einer Berater-Allergie leidet und mit Arno Antlitz erst vor Kurzem ein Ex-McKinseyaner in den Konzernvorstand aufgerückt ist, habe sich Weil vielmehr an Suders Rolle in der Berateraffäre des Bundesverteidigungsministeriums gerieben, heißt es aus Aufsichtsratskreisen. Zwar habe der Untersuchungsausschuss des Bundestages keine Verfehlungen der damaligen Rüstungsstaatssekretärin nachgewiesen, laut Weil könne sich VW aber allein schon Suders Verstrickung in diesen Skandal derzeit nicht leisten.

Tatsächlich schafften es Weil und der Betriebsrat Suders Berufung noch auf den allerletzten Metern zu stoppen. Die anschließenden Erklärungsversuche für dieses Bremsmanöver sorgten aber für reichlich Kritik. "Ich bin sprachlos", schrieb Bestseller-Autorin Verena Pausder ("Das Neue Land") bei LinkedIn. Sie habe darüber gelesen, dass Suder abgelehnt wurde, weil es Zweifel an ihrer Anziehungskraft auf Topleute aus der Softwareszene gebe. "Geht´s noch?" Für Pausder sei Suder das Role Model schlechthin, warum sich die besten IT-Fachkräfte bei VW beworben hätten. "Was für eine große verpasste Chance, VW!"

Volkswagen will den Unfall nun schnell abhacken. Bis Herbst soll der Posten der IT-Vorständin besetzt werden. Wie Business Insider erfuhr, hatte es neben Suder noch eine weitere Kandidatin ins Finale für die Top-Position geschafft. Ihr Name: Nadia Shouraboura. In den USA gilt die Russin als Superhirn. Shouraboura studierte Mathematik in Moskau, Tel-Aviv und an der Elite-Universität Princeton. Unter anderem war Shouraboura acht Jahre für Amazon tätig, Jeff Bezos holte sie damals zu sich ins Management Board, in sein sogenanntes "s-team". Dort war sie für den Bereich Technik und Lieferketten verantwortlich. "Ihre Qualifikationen sind beeindruckend", heißt es in Unternehmenskreisen. Bloß an einer Sache stören sich die Wolfsburger: Shouraboura kann kein Deutsch.

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