Rund 5,6 Millionen Menschen haben Auffrischungsimpfung

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Die Infektionszahlen sind dramatisch gestiegen - und die Politik reagiert spät. Auffrischungsimpfungen sollen helfen, die vierte Welle zu brechen. Doch wie umgehen mit dem Andrang auf sie?

Berlin (dpa) - In Deutschland haben mittlerweile 5,6 Millionen Menschen eine Auffrischungsimpfung gegen das Coronavirus erhalten. Allein in dieser Woche seien bisher 1,7 Millionen Bürger «geboostert» worden, teilte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Samstag auf Twitter mit.

«Das Tempo nimmt weiter zu, danke an alle, die mithelfen, es weiter zu steigern!» Nach Angaben des Robert Koch-Instituts kamen allein am Freitag 357.000 sogenannte Booster-Impfungen hinzu. Insgesamt wurden an dem Tag 475.000 Impfdosen gegen Corona gespritzt (Stand: Samstag, 9.08 Uhr.)

56,5 Millionen Menschen und damit 67,9 Prozent der Gesamtbevölkerung sind mittlerweile vollständig gegen das Coronavirus geimpft. 58,6 Millionen Menschen wurden mindestens einmal geimpft. Das entspricht einer Quote von 70,4 Prozent. Das RKI geht davon aus, dass unter Erwachsenen vermutlich mehr Menschen geimpft sind, als die Daten nahelegen: Eine hundertprozentige Erfassung der Impfungen könne durch das Meldesystem nicht erreicht werden, heißt es auf der Impfübersicht des RKI.

Weiterhin gibt es beim Stand der Impfungen gegen das Coronavirus erhebliche regionale Unterschiede: Unter den Bundesländern verzeichnet Bremen mit 82,0 Prozent den höchsten Anteil Erstgeimpfter. Bis auf Sachsen (59,8 Prozent) haben alle Bundesländer die 60-Prozent-Marke überschritten. Bremen zählt mit 79,6 Prozent ebenfalls den höchsten Anteil an vollständig geimpften Einwohnern. Sachsen ist auch hier mit 57,7 Prozent Schlusslicht.

Ärztepräsident: Tempo machen

In einer Sache sind sich fast alle einig: Es muss geimpft und aufgefrischt werden, was die Spritzen hergeben. Mit Blick auf die kommenden Monate fordern neben Politikern und Wissenschaftlern auch Krankenhausträger und Ärzteschaft, alle Kräfte für eine Intensivierung der Impfkampagne zu mobilisieren.

«Wir müssen, um noch mehr Geschwindigkeit aufzunehmen, glaube ich, die Basis verbreitern, an der geimpft werden kann», sagte der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, am Freitag in Berlin bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der Deutschen Krankenhausgesellschaft, dem Marburger Bund und Spitzenverbänden der Fachärzte, Leitenden Krankenhausärzte und Krankenhausdirektoren.

Das Problem: Nun dringend benötigte Kapazitäten wie etwa große Impfzentren wurden vielerorts zurückgebaut. Neben den niedergelassenen Ärzten setzen die Länder daher nun vor allem auf niedrigschwellige und lokale Angebote, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab.

Impfteams, Arztpraxen und Krankenhäuser 

So sollen künftig in Sachsen, Hessen und Nordrhein-Westfalen verstärkt mobile Impfteams zum Einsatz kommen. Wie das sächsische Sozialministerium mitteilte, sollen diese ab Dezember 9000 Impfungen pro Tag verabreichen. Anfangs lag die Kapazität bei 3000 Impfungen. In dieser Woche stieg die Zahl der täglich von mobilen Teams verimpften Dosen bereits auf 6000. Hauptakteur der Impfkampagne bleibt demnach jedoch das sogenannte Regelsystem mit niedergelassenen Ärzten, Betriebsärzten und Krankenhäusern.

Die niedergelassenen Ärzte werden in Baden-Württemberg von 155 mobilen Impfteams unterstützt. Sie sollen sieben Tage die Woche im Einsatz sein und pro Tag jeweils rund 130 Dosen verabreichen. Darüber hinaus sollen zusätzlich feste Impfstationen errichtet werden. «Wir glauben, dass dieses Konzept im Moment das richtige ist, da wir damit die Menschen direkt vor Ort erreichen, anders als mit den großen, überregionalen Impfzentren», so das Sozialministerium.

Ähnlich ist die Situation in Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Hessen, wo die Impfzentren ebenfalls nicht erneut in Betrieb genommen werden sollen. Stattdessen setzt Hessens Landesregierung auf einen Dreiklang aus lokalen Impfstellen, mehr Impfungen bei niedergelassenen Ärzten und Impfungen in den Zentralen der Ärztlichen Bereitschaftsdienste an Krankenhäusern.

Niedersachsens Gesundheitsministerin Daniela Behrens sprach sich dafür aus, dass künftig auch Apotheker gegen Corona impfen. «Aus meiner Sicht könnte eine zeitlich befristete und auf die Covid-Schutzimpfungen beschränkte Ausnahmegenehmigung für Apotheken mit entsprechend ausgebildetem Personal ein pragmatischer und sinnvoller Weg sein, um die Impfkapazitäten noch einmal aufzustocken». Das sagte die SPD-Politikerin der «Neuen Osnabrücker Zeitung».

Auch das Impfzentrum in den Hamburger Messehallen soll nicht wiedereröffnet werden. Neben den Arztpraxen soll künftig an insgesamt 21 Standorten in allen Bezirken der Hansestadt geimpft werden. Zudem sollen mobile Impfteams in der gesamten Stadt Impfungen anbieten - und zwar ohne Termin.

Booster-Anteil nimmt zu

Andere Länder lassen ihre Impfzentren dagegen nicht völlig außer acht. Um die Kapazität zu erhöhen, sollen in Rheinland-Pfalz ab kommenden Mittwoch acht Impfzentren wieder aufmachen, bereits jetzt werden Termine dafür vergeben. Ähnlich sieht es ein Stück weiter westlich aus: Im Saarland werden insgesamt vier Impfzentren wieder öffnen, die ersten beiden Anfang Dezember.

Wie aus Zahlen des Robert Koch-Instituts hervorging, erreichte etwa Schleswig-Holstein am Freitag bei Auffrischungsimpfungen eine Quote von 7,6 Prozent. Vor einer Woche lag dieser Wert noch bei 5,8 Prozent. Auch in Sachsen-Anhalt sei beim Boostern ein Sprung zu merken, sagte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums. Dem RKI zufolge wurden mit Stand vom Freitag in dem Land 119.660 Menschen und damit 5,5 Prozent ein drittes Mal geimpft. Im Vergleich zum Vortag ist das ein Anstieg um 9985 Booster-Impfungen.

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