Niedersachsen will in Ausnahmefällen Wolfsrudel abschießen lassen

Der Bund und die niedersächsische Landesregierung haben sich auf einen härten Kurs gegen "Problemwölfe" verständigt: Die Tötung ganzer Rudel soll in Ausnahmefällen möglich sein

Der Wolf polarisiert im niedersächsischen Landtagswahlkampf: Landwirte in dem norddeutschen Flächenland beklagen zunehmende Angriffe auf Nutztiere, Bürger befürchten Attacken auch auf Menschen, Artenschützer lehnen einen Abschuss der bedrohten Raubtiere strikt ab. Gut zwei Wochen vor der Wahl einigten sich der Bund und die Landesregierung in Hannover auf eine härtere Linie gegenüber "Problemwölfen". Auch die Tötung ganzer Rudel soll in Ausnahmefällen möglich sein.

"Wölfe, die sich Menschen gegenüber auffällig verhalten, sind zu beobachten und gegebenenfalls zu töten", heißt es in Eckpunktepapier, auf das sich Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD), Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) in einem Spitzengespräch am Donnerstag in Hannover verständigten. Die CDU hatte der rot-grünen Landesregierung vorgeworfen, nichts zum Schutz der Menschen zu unternehmen und die Tierhalter alleine zu lassen.

In dem Eckpunktepapier betonen Bund und Land nach Angaben der niedersächsischen Staatskanzlei, dass die Sicherheit der Menschen oberste Priorität habe. Zudem stimmten beide Seiten darin überein, dass die Weidetierhaltung wirtschaftlich und auch dort zukünftig sichergestellt bleiben müsse, wo durch Zuwanderung des Wolfes vermehrt Konflikte auftreten würden. In letzter Konsequenz könnte auch der Abschuss eines Rudels erfolgen, wenn die Wölfe "sämtliche der empfohlenen und zumutbaren Schutzmaßnahmen" wie etwa Zäune regelmäßig überwinden.

Der Abschuss von Wölfen bleibt aber eine Einzelfallentscheidung. Die Forderung, Wölfe in das Jagdrecht aufzunehmen und regelmäßig eine bestimmte Anzahl von Tieren zu schießen, bewerteten Hendricks und die niedersächsische Landesregierung demnach "als nicht zielführende Option".

Der Wolf ist durch das Bundesnaturschutzgesetz und EU-Richtlinien streng geschützt. Die Gesamtzahl der wildlebenden Wölfe verändert sich ständig, nach Angaben der Naturschutzorganisation Nabu befanden sich im Frühjahr 2017 in Deutschland vermutlich 61 Wolfsrudel und neun Paare. Ein Rudel besteht im Durchschnitt aus etwa acht Tieren. Hinzu kämen mehrere Einzelwölfe.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) hatte sich wiederholt für einen regional begrenzten Abschuss von Wölfen ausgesprochen. "Der Wolf darf nicht pauschal als unantastbar betrachtet werden", sagte Schmidt etwa im Sommer der "Passauer Neuen Presse".