Niederlande verpassen WM: Alarmstufe Dunkeloranje war einmal

Die Niederlande werden die Weltmeisterschaft 2018 vor dem heimischen Fernseher verfolgen müssen. Gegen Schweden gelang, wie zu erwarten war, nicht das erwünschte Wunder. In der Zukunft fehlt auch noch Arjen Robben.

Den Niederlanden reichte ihr Sieg über Schweden nicht

Der Jubel von Arjen Robben passte am Dienstagabend so gar nicht ins Bild. Seinen Treffer zum 2:0 feierte der Niederländer hochemotional mit geballter Faust und dicken Adern auf der langen Stirn – in der 40. Minute.

Mit sieben Treffern Unterschied hätte die Oranje gegen Schweden gewinnen müssen, um noch eine Chance auf die WM zu haben. Das Spiel der Niederländer war bis dahin allerdings nicht annähernd auf dem dafür erforderlichen Niveau gewesen.

Robben wie ein Fremdkörper

Robben, der Star vom FC Bayern, wirkte in der Nationalelf wie ein Fremdkörper. Das allerdings im positiven Sinne. Er war der mit Abstand aktivste, kreativste und mutigste Fußballer auf dem Platz. Wenn etwas ging, dann über Robben.

Bezeichnenderweise brauchte es einen Elfmeter des 33-Jährigen, um das Team aufzuwecken. 25 Minuten später traf er erneut, dieses Mal mit einer spektakulären Direktabnahme ins lange Eck der Schweden.


Gullit bennent das Problem

Die restlichen Chancen – kläglich vergeben von seinen Mitspielern. Robben alleine konnte in seinem letzten Länderspiel das Wunder nicht alleine stemmen und so fahren die Schweden nach Russland, während die Niederlande in eine ungewisse Zukunft gehen.

Verloren haben sie die WM allerdings nicht im Spiel gegen Schweden, sondern schon lange zuvor. Und verloren haben sie die WM auch nicht unbedingt aufgrund schlechter Arbeit der Spieler. Das Problem liegt deutlich tiefer im Verband.

Bisher stets als Nation mit herausragender Jugendarbeit bekannt, hadern die Niederländer in den letzten Jahren immer mehr mit eben jenem entscheidenden Punkt. “Unser größtes Problem ist, dass uns die jungen Spieler viel zu früh verlassen”, stellte Co-Trainer Ruud Gullit in der SportBild fest.

Arjen Robben hat die Nationalmannschaft verlassen

Eredivisie ein Schatten ihrer selbst

Mit “16 oder 17 Jahren” würden sich die meisten Talente in das Ausland verabschieden, der Ruf des Geldes wirkt. Doch im Ausland kommen die jungen Kicker nicht auf ihre Einsatzzeiten und verschenken so das durchaus vorhandene Potenzial.

Manche kehren zurück in die Eredivisie, andere tingeln von Klub zu Klub und bringen nie die volle Qualität auf den Platz. So bleibt dem Nationaltrainer letztlich nur die Wahl zwischen Legionären mit Ergänzungsspielercharakter oder der Blick in die heimische Liga.

Eben jene Liga ist schon lange Opfer der großen Vier geworden: Spanien, England, Deutschland und Italien bedienen sich regelmäßig in den Niederlanden und lassen ein Produkt zurück, das von alten Zeiten weit entfernt ist.

Kontinuität fehlt dem Verband

“Heutzutage sind in Holland 22-Jährige Kapitän”, erklärt Gullit. Er sieht “keine Vorbilder mehr” in den Vereinen wie Ajax Amsterdam, PSV Eindhoven oder Feyenoord Rotterdam. Darunter leidet auch die Qualität der Nationalmannschaft.

Um diesen Missstand zu beheben, bräuchte es einen guten strategischen Plan und eine gewisse Langatmigkeit. Auch diese vermisst man im deutschen Nachbarland. Trainer Dick Advocaat war erst Co-Trainer, ging dann zu Fenerbahce und kehrte wenig später als Cheftrainer zurück.


Advocaat nicht die erste Wahl

“Ich bin nur 15. Wahl”, stellte dieser bei seinem Comeback fest, versuchte der Verband doch vorerst zahlreiche andere Trainer vom Job als Bondscoach zu überzeugen. Keiner sagte zu – auch weil der Verband momentan einfach zu wenige Argumente liefert.

Die Erwartungshaltung im eigenen Land ist enorm, die Mittel allerdings beschränkt. Gute Pläne, wie etwa der Masterplan “De Winnaars van Morgen” (Deutsch: Die Gewinner von Morgen) scheiterten bisher an der Umsetzung, trat doch der zuständige Funktionär zurück.

Ohne Robben in die ungewisse Zukunft

So verkam die Nationalmannschaft in den letzten Jahren immer mehr zur One-Man-Show. Robben schoss die Ecken, die Freistöße, die Tore. Ausgerechnet dieser Mann warf nun hin, kein Wunder, wäre er beim nächsten großen Turnier doch schon 36 Jahre alt.

Es wird also Zeit für die Niederlande, neue Wege zu gehen. Kontinuität ist gefragt, vorerst werden aber wohl aus der gescheiterten WM-Quali Konsequenzen gezogen. Der große Trumpf der Niederlande klingt beinahe höhnisch: Not macht erfinderisch.