Aus bei ATP Finals: Das hat Zverev nach dem Turbulenzenjahr vor

SPORT1
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Dabei hatte Alexander Zverev im zweiten Durchgang wirklich alles versucht, vor allem mit gutem Service und starken Volleybällen immer wieder dran geschnuppert, Novak Djokovic in einen dritten Satz zu zwingen.

Doch am Ende blieb aller Kampf vergebens, nach einem Tiebreak ohne Fortune war die turbulente Tennis-Saison 2020 der deutschen Nummer eins mit sportlichen Highlights, aber auch viel Unruhe abseits des Platzes beendet.

Zverev umarmte seinen Widersacher nur noch kurz, schnappte sich seine beiden Taschen und stapfte dann enttäuscht aus der Londoner o2-Arena. Trotz seines couragierten Auftritts unterlag der Hamburger dem Weltranglisten-Ersten Djokovic mit 3:6, 6:7 (4:7) und verpasste bei den ATP Finals somit seinen dritten Halbfinaleinzug in Serie. (der LIVETICKER zum Nachlesen)

In dem Moment der Niederlage kam der innige Wunsch nach Zerstreuung hoch. "Ich fahre auf die Malediven. Mit meinem Bruder, mit seiner Frau und meinem Kumpel", sagte der beste deutsche Topspieler.

"Aus meinem Jahr kann man eigentlich einen Film machen", ergänzte der Hamburger und schmunzelte etwas hinter seiner Maske: "Was das Tennis betrifft, was das Leben betrifft."

Zverev mit Licht und Schatten bei ATP-Finals

Bei einer ersten Rückbetrachtung schossen ihm nicht allein sportliche Highlights wie das US-Open-Finale durch den Kopf, auch an die Unruhe abseits des Platzes dachte er, die ihn nicht nur in London begleitete.

Beim prestigeträchtigen Jahresabschluss reichte es für Zverev in der Endabrechnung der Vorrundengruppe "Tokio 1970" diesmal nur zu Rang drei. Djokovic indes, der das Turnier bereits fünfmal gewinnen konnte, sicherte sich den zweiten Platz und trifft nun am Samstag auf den österreichischen US-Open-Champion Dominic Thiem.

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Das zweite Halbfinale bestreiten zuvor (Sa., 15 Uhr) der Russe Daniil Medwedew und der 20-malige Grand-Slam-Sieger Rafael Nadal. Das Finale steigt am Sonntag.

Für Zverev dagegen ist für dieses Jahr rein sportlich Feierabend. Zur Erinnerung: 2018 noch hatte der 23-Jährige seinen Triumph bei den ATP Finals, die im kommenden Jahr in Turin stattfinden, mit einem Sieg ausgerechnet gegen Djokovic perfekt gemacht - 2019 war er im Halbfinale ausgeschieden.

In diesem Jahr hatte Zverev sein Auftaktmatch gegen Medwedew verloren und sich danach mit einem mühevollen Sieg gegen den Argentinier Diego Schwartzman das Gruppen-"Endspiel" gegen Djokovic verdient.

Zverev wusste aber, dass er draufsatteln muss, um den 17-maligen Grand-Slam-Sieger Djokovic so richtig zu kitzeln - und tat das zumindest auch im zweiten Durchgang, wenngleich er da ebenso wenig ein Break schaffte.

"Ich spiele immer noch nicht mein bestes Tennis", hatte der deutsche Spitzenspieler gesagt: "Aber das muss ich bis Freitag schaffen, weil ich sonst gegen Novak keine Chance habe."

Der deutsche Topspieler verspürte demnach große Lust, 2020 noch um eine sportliche Pointe zu bereichern.

Halbfinale bei den Australian Open, Finale bei den US Open, zwei Turniersiege in Köln und ein Finale beim Masters in Paris sind durchaus eine beeindruckende sportliche Bilanz. Doch Zverev sorgte immer wieder auch unfreiwillig für Negativ-Schlagzeilen.

Zverev-Saison mit viel Wirbel abseits des Courts

In der Coronapause musste er für seinen laxen Umgang mit der Pandemie auf der umstrittenen Adria-Tour und bei einer Party viel Kritik einstecken.

Dann wurde bekannt, dass eine Ex-Freundin von ihm schwanger ist und eine weitere frühere Partnerin ihm häusliche Gewalt vorwirft. Vor Turnierbeginn in London erneuerte er seine Aussage, dass die Vorwürfe "unbegründet und unwahr" seien, er sei seine Ex-Freundin Olga Scharipowa körperlich angegangen.

Auf den Courts der Tour hatte Zverev zuletzt bewiesen, dass er trotz der lauten Nebengeräusche starke Ergebnisse produzieren kann - das war auch gegen Djokovic das Ziel.

Der Weltranglisten-Siebte erwischte gegen den Favoriten aber einen ungünstigen Start und kassierte sofort ein Break, Djokovic kam viel zu leicht zu Punkten.

Der zunächst unzufriedene Zverev biss sich danach indes mehr und mehr in die Ballwechsel, kam zu Breakpunkten, nutzte diese aber nicht und Djokovic gewann den ersten Satz nach knapp 35 Minuten.

Zverev mit Wunsch für das nächste Jahr

Vor allem im zweiten Satz überzeugte der Weltranglistensiebte mit aggressivem Spiel. Doch Djokovic hatte immer die bessere Antwort.

Im zweiten Durchgang bereitete Zverev seinem Kontrahenten deutlich größere Probleme, er spielte aggressiver und mit steigendem Selbstvertrauen. Im Tiebreak packte Djokovic dann jedoch sein bestes Tennis aus und beendete Zverevs letztes Turnier des Jahres.

Der wollte aber keineswegs nur Trübsal bleiben: Insgesamt habe er 2020 viel gezeigt, worauf er aufbauen könne, sagte die deutsche Nummer eins.

Zverev wird im kommenden Jahr einen neuen Anlauf bei den großen Turnieren wagen. "Drei Grand-Slam-Siege", lautete seine prompte Antwort auf die Frage, was er sich fürs kommende Jahr wünscht: "Und, dass mein Kind gesund auf die Welt kommt."

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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)