Nico Müller nach Niederlage im DTM-Titelkampf enttäuscht: "Das tut weh"

Markus Lüttgens
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Die mit Abstand beste DTM-Saison seiner Karriere war für Nico Müller nicht genug. Zumindest nicht, um sich im Kampf um den DTM-Titel 2020 gegen seinen Markenkollegen Rene Rast durchzusetzen. Der machte beim Finalrennen der Saison am Sonntag mit der Pole-Position und dem Sieg den Sack zu und hatte am Ende in der Meisterschaft 23 Punkte Vorsprung auf Müller.

Der Schweizer präsentierte sich nach Rennende zwar als guter Verlierer und gratulierte Rast als Erster zum dritten Titelgewinn. Allerdings war die Enttäuschung über die Niederlage im Titelkampf Müller deutlich anzumerken. "Wir haben nicht aufgehört zu träumen. Wir haben bis zum Ende nicht aufgehört, zu kämpfen. Wir haben weiter dran geglaubt", sagt Müller. "Wenn die Zielflagge dann geschwenkt wird und du realisierst, dass es jetzt definitiv vorbei ist, schlägt die Enttäuschung zu."

"Es wird ein, zwei Nächte brauchen, um das zu verdauen. Wir haben so hart gekämpft und nicht nur diese Saison lang so hart gearbeitet. So nah dran zu kommen und wirklich in der Position zu sein, die Meisterschaft zu gewinnen ... wenn dir das innerhalb von vier, fünf Wochen aus den Händen gleitet, tut das weh", so der Schweizer weiter.

Bis zum Nürburgring lief alles nach Plan

Fest steht für Müller mit Blick auf das Saisonfinale: "Wir haben es nicht hier verloren. Wir haben gestern gewonnen und sind heute Zweiter geworden. Ich denke, da müssen wir uns nicht schämen." Für Müllers Teamchef Thomas Biermaier steht fest: "Wir haben ganz klar alles in Zolder verloren"

Über weite Strecke der DTM-Saison 2020 hatte es so ausgesehen, als sei Müller auf dem Weg zum Titel unaufhaltsam. Mit drei Siegen in Folge war er im August in die Saison gestartet, insgesamt stand er in der ersten Saisonhälfte nur bei einem Rennen nicht auf dem Podium.

Diese Erfolgsserie riss erst beim zweiten Rennen der Doppelveranstaltung auf dem Nürburgring, ohne dass Müller etwas dafür konnte. "Am Nürburgring war unsere Performance großartig, wir haben das Rennen angeführt, aber durch diesen Sensorendefekt haben wir 15 Punkte verloren", erinnert sich Biermaier. "Am Tag davor hat uns jemand umgedreht", blickt er auf die Kollision Müllers mit Rosberg-Audi-Pilot Jamie Green zurück.

Zolder als Knackpunkt

Auch Müller selbst meint: "Am Nürburgring hatten wir die Pace und das Auto, um in allen vier Rennen um den Sieg zu kämpfen. Zweimal hatten wir Pech oder ein Problem." Dennoch sah es nach den Nürburgring-Rennen immer noch gut für Müller aus. Satte 47 Punkte Vorsprung betrug sein Vorsprung auf Rast vor den letzten sechs Saisonrennen.

Dann kam die Doppelveranstaltung in Zolder, und das Blatt wendete sich. Während Rast mit vier Siegen in vier Rennen einen Durchmarsch hinlegte, kam Müller in Belgien vor allem im Qualifying nicht in Fahrt und kämpfte daher im Rennen auf verlorenem Posten.

Rast holte in Zolder 109 von 112 möglichen Punkten, Müller hingegen rieb sich in Zweikämpfen mit seinen Markenkollegen Harrison Newey und erneut Green auf, hatte Pech mit einer Safety-Car-Phase (ausgerechnet ausgelöst durch seinen Teamkollegen Robin Frijns) und verlor mit einem sechsten und einem neunten Platz die entscheidenden Punkte auf Rast.

Müller: "Wir hätten es auch verdient"

So wurden vor dem Finale in Hockenheim aus 47 Punkten Vorsprung 19 Zähler Rückstand. Zu viel, auch wenn Müller im Motordrom zu alter Form zurückfand. Allerdings gab sich Rast auch keine Blöße. Und so kommt Müller nicht umhin, die Leistung seines Rivalen anzuerkennen. "Ich gratuliere ihm zu dieser großartigen Leistung. Drei Titel in einer so starken Meisterschaft zu holen ist schon sehr beeindruckend", sagt der Schweizer, hält aber fest. "Wir hätten es auch verdient."

Eine Einschätzung, die auch Meister Rast bestätigt: "Der Kampf gegen Nico das ganze Jahre lang war auch eine Ehre. Er ist ein großartiger Fahrer. Er hätte den Titel auch verdienet. Er ist super-schnell und auch ein sehr netter Typ", sagt Rast über seinen Rivalen. "Am Ende haben wir nur ein bisschen weniger Fehler gemacht und hatten in den letzten sechs Rennen ein sehr gutes Auto. Aber Hut ab vor Nico und Team Abt, sie hätten es auch verdient."

"Wenn jemand nach 18 Rennen in der Meisterschaft vorne ist, dann verdient er es auf gewisse Weise", zollt auch Teamchef Biermaier Rast Respekt. "Dieses Jahr ist es aber besonders hart, weil alle bei uns so tolle Arbeit geleistet haben. Wir haben die Teamwertung so früh wie nie gewonnen", sagt er.

"Und beide unserer Fahrer hätten den Titel verdient, weil wir so eine tolle Saison gezeigt haben", so der Teamchef mit Blick auf seine Piloten Müller und Frijns, der vor dem Wochenende rechnerisch ebenfalls noch Titelchancen hatte. "Neben mir sitzen also zwei große Champion, auch wenn wir den großen Pokal nicht geholt haben. Sie haben tolle Arbeit geleistet. Jetzt müssen wir das analysieren - aber wir haben es in Zolder verloren, an beiden Wochenenden."

Mit Bildmaterial von Audi.