Nichts wie weg: Junge Akademiker verlassen den Balkan

Marina Stevanov packt ihre Koffer. Die 25-jährige Serbin hat gerade ihr Medizinstudium beendet. Jetzt zieht sie nach Österreich, wo man ihr eine Stelle als Chirurgin angeboten hat.

Dass sie Serbien verlassen wird, war für Stevanov schon vor dem Studium klar: „Ich wollte schon immer Gefäßchirurgin werden. Das Problem ist, dass das in meinem Land schwer ist – besonders für Frauen.“

Die junge Serbin ist eine von Tausenden. Für Studienabgänger sind die Zukunftsaussichten düster auf dem Balkan. Korruption, Billiglöhne und Arbeitslosigkeit treiben viele nach Westeuropa oder in die USA. Allein 2015 kehrten 58.000 Akademiker Serbien den Rücken.

Stjepan Sterc, Professor für Demografie an der Uni Zagreb erklärt: „Es ist fast unmöglich, diesen Trend auf dem Balkan zu stoppen. Vor allem wenn man die wirtschaftliche Stärke Westeuropas mit der von Süd- und Südosteuropa vergleicht. Für die Balkanländer hat die Abwanderung verheerende Folgen.“

Die Regierungen tun sich schwer, diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Ein erster Schritt wäre der Kampf gegen die Vetternwirtschaft, meint Nadina Redniz. Sie hat in Bosnien-Herzegowina Jura studiert.

Nach dem Abschluss merkte sie schnell, dass in ihrer Heimat gute Connections wichtiger sind als ein guter Lebenslauf. Jetzt lernt sie zur Krankenschwester um und geht nach Deutschland. Und sie hat nicht vor, zurückzukommen.