Nicaraguas Präsident bittet um "Bedenkzeit" zu Dialogvorschlag der Bischöfe

Demonstranten in Masaya in Nicaragua

In der politischen Krise in Nicaragua hat ein Gespräch von Präsident Daniel Ortega mit den katholischen Bischöfen des Landes noch nicht den durchschlagenden Erfolg für eine Verhandlungslösung gebracht. Ortega habe um "Bedenkzeit" zu einem Vorschlag der Nicaraguanischen Bischofskonferenz gebeten, wie die Bischöfe am Donnerstagabend mitteilten. Einzelheiten zu dem Plan der katholischen Kirche, die als Vermittler zwischen der Regierung und der Opposition fungieren will, wurden nicht mitgeteilt.

Die Bischöfe hätten Ortega "den Schmerz und die Angst der Menschen, die in den vergangenen Wochen gelitten haben", deutlich gemacht, hieß es weiter. Bei Zusammenstößen bei den Massenprotesten gegen Ortega wurden in den vergangenen Wochen nach Angaben von Menschenrechtsgruppen 134 Menschen getötet.

Das Gespräch mit dem Präsidenten sei "offen und ehrlich" verlaufen, teilte die Nicaraguanische Bischofskonferenz weiter mit. Zuvor hatten die Bischöfe ein Treffen mit Ortega verweigert und von der Regierung verlangt, erst die Repression einzustellen, bevor Verhandlungen stattfinden könnten. Die Opposition hatte gehofft, Ortega würde ein Ende der Gewalt gegen Demonstranten zusagen sowie einen Dialog über einen Demokratisierungsprozess in dem mittelamerikanischen Land.

Die Wut der Demonstranten hatte sich zunächst gegen Pläne für Rentenkürzungen gerichtet. Staatschef Ortega zog diese angesichts des Widerstands schon bald wieder zurück. Mittlerweile fordern die Demonstranten seinen Rücktritt. Der ehemalige Guerillakämpfer regiert Nicaragua seit elf Jahren, sein jetziges Mandat endet im Januar 2022.