NHL-Star Draisaitl verrät seine größten Träume

Sebastian Mittag
Leon Draisaitl steht seit 2014 bei den Edmonton Oilers in der NHL unter Vertrag

Der Spitzname ist bereits der Ritterschlag schlechthin.

In Nordamerika wird Deutschlands große Eishockey-Hoffnung Leon Draisaitl in Anlehnung an den größten Spieler aller Zeiten nur "German Gretzky" genannt. Der 22-Jährige spielt seit 2015 bei jenen Edmonton Oilers, wo Wayne Gretzky zur Legende wurde.

In der vergangenen Saison schaffte Draisaitl den Durchbruch und brach mit 77 Scorerpunkten den deutschen NHL-Rekord des heutigen Bundestrainers Marco Sturm.

Am Samstag gibt es den Shooting Star dann auch auf dem Bildschirm zu sehen. SPORT1 zeigt erstmals eine NHL-Partie LIVE im Free-TV. Draisaitl ist mit den Edmonton Oilers zu Gast bei den New York Rangers (ab 19 Uhr LIVE im TV). Mit Hoffnungen auf den Stanley Cup gestartet, stecken die Oilers jedoch aktuell im Tabellenkeller der Pacific Division.

Vor dem Duell mit New York spricht Draisaitl bei SPORT1 über die Nationalmannschaft, die Verfassung der Oilers, seine Verletzung und seine beiden großen sportlichen Träume.

SPORT1: Die vergangene Saison mit den Oilers war sehr erfolgreich. Erstmals nach zehn Jahren hat es wieder für die Playoffs gereicht. Ist Edmonton wieder eine Eishockey-Hochburg?

Leon Draisaitl: Alles in allem war es eine sehr erfolgreiche Saison. Es gab hier eine sehr große Euphorie, weil wir so lange nicht mehr in den Playoffs waren. Die ganze Stadt stand hinter uns. Es macht sehr viel Spaß, ein Teil davon zu sein. Hoffentlich können wir das diese Saison wiederholen.

SPORT1: Der Saisonstart mit den Oilers ist missglückt. Woran liegt das und wie wollen Sie wieder raus aus der Krise?

Draisaitl: Natürlich ist das nicht der Start, den wir wollten oder uns gewünscht haben. Aber es ist noch sehr früh, wir fangen langsam an, besser zu spielen. Von daher mache ich mir nicht allzu große Gedanken.

SPORT1: Vor einigen Spieltagen haben Sie sich eine Verletzung zugezogen, die Sie länger außer Gefecht gesetzt hat. Wie kam es dazu?

Draisaitl: Ich habe mir bei einem Check eine Gehirnerschütterung zugezogen. Das ist blöd, da man zwei Wochen pausieren muss. Aber mit dem Kopf sollte man nicht spaßen. Ich lag in den ersten Tagen flach. Ich wollte mich nicht wirklich bewegen und nichts machen. Dann wurde es von Tag zu Tag ein bisschen besser und ich habe angefangen, wieder leicht zu trainieren. Ich bin mit unseren medizinischen Betreuern noch einmal alles durchgegangen, bevor ich wieder spielen konnte.

SPORT1: Gehen die Teams mittlerweile sensibler mit dem Thema Gehirnerschütterung um? Lässt sich da eine Entwicklung feststellen?

Draisaitl: Das ist bei jedem anders. Die Symptome bei einer Gehirnerschütterung können je nach Person komplett unterschiedlich sein. Man kann das nicht wirklich vergleichen. Wie gesagt, damit sollte man nicht spaßen.

SPORT1: Muss man nach einer solchen Verletzung bei der Rückkehr ins Spielgeschehen erst einmal eine gewisse Angst überwinden?

Draisaitl: Nicht wirklich. Wenn man das macht, ist man nicht bereit zu spielen. Das macht keinen Sinn. Ich habe lange genug gewartet, sodass ich sicher war, dass nichts passieren kann.


SPORT1: Sie haben eine erstaunliche Entwicklung hinter sich, 77 Scorerpunkte sind Ihnen in der vergangenen Saison gelungen. Was können Sie dennoch an ihrem Spiel noch verbessern?

Draisaitl: Man kann immer an allen Sachen arbeiten. Ich will meine Leistung bestätigen, mein Spiel spielen und von Jahr zu Jahr besser werden. Ich lege nicht wirklich Extraschichten bei einer bestimmten Sache ein.

SPORT1: Edmonton ist eine totale Eishockey-Stadt. Wie macht sich das im Alltag bemerkbar?

Draisaitl: Ja, auf jeden Fall ist in Edmonton Eishockey die absolute Nummer eins. Man wird sehr oft erkannt auf den Straßen und es macht sehr viel Spaß, vor einer vollen Halle zu spielen. Seitdem ich in Kanada bin, fühle ich mich sehr wohl. Mir gefällt das Leben hier.

SPORT1: Dennoch haben Sie mehrfach betont, dass sie mehr wollen - den Stanley Cup?

Draisaitl: Jedes Team denkt daran, den Stanley Cup zu gewinnen. Natürlich gibt es sehr viele gute Mannschaften in der Liga und deshalb ist es einfacher gesagt als getan. Aber ich denke, dass man Eishockey spielt, um am Ende ganz oben zu stehen.

SPORT1: Bei der spannenden Olympia-Quali gegen Lettland haben Sie für die Nationalmannschaft ein Tor erzielt. Wie sehr schmerzt es Sie, dass Sie bei Olympia nun nicht dabei sein können?

Draisaitl: Es ist natürlich sehr schade, aber leider Gottes ist es nicht meine Entscheidung. Es ist etwas sehr Besonderes, bei Olympia dabei zu sein. Vor allem als Deutscher, wo man nie weiß, ob es nochmal passiert. Und hoffentlich wird es in vier Jahren wieder passieren.

SPORT1: Jetzt steht zunächst der Deutschland Cup an, auch hier können Sie nicht dabei sein. Was trauen Sie der deutschen Mannschaft zu?

Draisaitl: Gute Frage. Ich denke, dass wir in den letzten Jahren mit Marco Sturm etwas sehr Gutes aufgebaut haben und dass die Mannschaft größtenteils wieder zusammensteht. Das hilft natürlich, mit der Chemie, dem Selbstvertrauen und der Kommunikation. Von daher traue ich der Mannschaft sehr viel zu.

SPORT1:SPORT1 zeigt jetzt auch die NHL im Free-TV. Glauben Sie, dass das der Liga in Deutschland nochmal einen extra Popularitätsschub gibt?

Draisaitl: Ja, das wäre natürlich super. Eishockey kann in Deutschland noch einiges besser machen oder größer werden. Wenn es hilft, Eishockey-Spiele im Free-TV zu zeigen, dann ist das super.