NGO: Kinder aus Raka könnten noch Jahrzehnte an Traumatisierungen leiden

Die Hilfsorganisation Save the Children befürchtet, dass aus der syrischen Stadt Raka geflüchtete Kinder noch Jahrzehnte an den psychologischen Folgen von Gräueltaten durch die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat und Bombenabwürfen leiden könnten

Die Hilfsorganisation Save the Children befürchtet, dass aus der syrischen Stadt Raka geflüchtete Kinder noch Jahrzehnte an den psychologischen Folgen von Gräueltaten durch die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) und Bombenabwürfen leiden könnten. Die Kinder von Raka hätten "nicht um die Alpträume gebeten", ansehen zu müssen, wie Angehörige vor ihren Augen sterben, beklagte die Syrien-Direktorin der Hilfsorganisation, Sonia Khush, am Montag.

Äußerlich wirkten viele der Kinder normal, sagte Khush. "Doch innerlich werden viele von dem gequält, was sie gesehen haben." Entscheidend sei nun, denjenigen Kindern, denen die Flucht aus der Stadt gelungen sei, psychologische Hilfe zukommen zu lassen, damit sie mit dem Trauma "sinnloser Gewalt und Brutalität" umgehen könnten. Andernfalls drohe eine Generation von Kindern dazu verdammt zu werden, ihr Leben lang zu leiden.

Die Hilfsorganisation führte Interviews mit Kindern und ihren Familien, die aus der syrischen Dschihadistenhochburg flüchteten. "Der IS hat Menschen geköpft und ihre Leichen am Boden liegen lassen", berichtete die 13-jährige Raaschida, die vor drei Monaten mit ihrer Familie in ein Flüchtlingslager nördlich von Raka floh. Sie habe angesichts dieser Bilder nicht mehr schlafen können. "Ich blieb wach, weil ich solche Angst hatte", sagte sie.

Der 12-jährige Jaakub beschrieb, wie die Dschihadisten Menschen die Köpfe abschlugen, und diese in einem Kreisverkehr ablegten. Bei der Flucht aus der Stadt geriet er mit seiner Familie unter Beschuss durch Scharfschützen der IS-Miliz. Einer seiner Brüder wurde bei einem Luftangriff verletzt.

Save the Children beklagte, Familien aus Raka müssten eine "unmögliche Entscheidung treffen: in der Stadt zu bleiben und sich dem Risiko von Bombardierungen auszusetzen - oder die Stadt zu verlassen und dabei von IS-Scharfschützen beschossen zu werden oder auf eine Mine zu treten.

Die Dschihadistenmiliz IS hatten Raka 2014 unter ihre Kontrolle gebracht. Die Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) kämpfen sich seit Wochen bei der Rückeroberung der Stadt voran. Das kurdisch-arabische Bündnis wird dabei von der US-geführten Anti-IS-Koalition unterstützt. Nach UN-Schätzungen sind noch bis zu 25.000 Zivilisten in der Stadt eingeschlossen, davon etwa die Hälfte Kinder.