NFL: Wildcard-Preview: Mit dem Weniger-ist-Mehr-Prinzip

Auch am zweiten Tag der Wild Card Weekend ist für ausreichend Spannung gesorgt. Im frühen Duell trifft mit den Jacksonville Jaguars eine der Elite-Defenses auf eines der Überraschungs-Teams der Saison, die Buffalo Bills. Dann kommt es zu einem Showdown zweier NFC-South-Schwergewichte. Die Saints und ihre neue und effektive Offense bekommt es mit den Carolina Panthers zu tun, die gegen New Orleans in diesem Jahr schon zweimal das Nachsehen hatten. Auch diese beiden Spiele gibt es ab 19 Uhr live auf DAZN zu sehen!

Auch am zweiten Tag der Wild Card Weekend ist für ausreichend Spannung gesorgt. Im frühen Duell trifft mit den Jacksonville Jaguars eine der Elite-Defenses auf eines der Überraschungs-Teams der Saison, die Buffalo Bills. Dann kommt es zu einem Showdown zweier NFC-South-Schwergewichte. Die Saints und ihre neue und effektive Offense bekommt es mit den Carolina Panthers zu tun, die gegen New Orleans in diesem Jahr schon zweimal das Nachsehen hatten. Auch diese beiden Spiele gibt es ab 19 Uhr zu sehen!

Seite 1: Jacksonville Jaguars - Buffalo Bills

No. 3 Jacksonville Jaguars (10-6) - No. 6 Buffalo Bills (9-7) (So., ab 19 Uhr )

Der Weg in die Playoffs:

Jaguars: Mit der Ankunft von Tom Coughlin als Vizepräsident und Verantwortlichem für Football-Angelegenheiten scheint sich der Wind in Jacksonville endlich gedreht zu haben. Nachdem man in den vorigen vier Jahren insgesamt 15 Siege einfahren konnte, waren es in dieser Saison derer zehn, was den ersten Division-Titel seit 1999 bedeutete. Coughlin legte den Grundstein schon in der Free Agency und dem Draft: Calais Campbell, A.J. Bouye und Leonard Fournette waren hier die Highlight-Neuzugänge.

Man legte einen ordentlichen Start hin, an Konstanz mangelte es in der frühen Phase der Saison allerdings aufgrund der wackligen Offense, vor allem wenn es darum ging, Rückstände aufzuholen und das Spiel über das Passing Game zu gestalten. Ab Mitte der Saison wandelte sich das Bild. Von den Leistungen der bärenstarken Defense, die in den Kategorien Pass-Rush und Coverage schlicht überragend agierte, profitierte auch die Offense.

Blake Bortles wirkte plötzlich sicher und konnte überzeugende Partien abliefern, wenn er denn gebraucht wurde. Hauptaugenmerk der Offense war nämlich das potente Running Game um Leonard Fournette. Der Rookie konnte sofort überzeugen. All das wackelte in den abschließenden Partien der Regular Season aber wieder.

Bills: Noch vor dem ersten regulären Spiel vermuteten viele die Bills bei einer sogenannten "Tanking"-Saison ertappt zu haben. Spieler die in den abgelaufenen Spielzeiten noch absolute Leistungsträger waren, wurden mit Sammy Watkins, Ronald Darby und Reggie Ragland allesamt in Deals involviert, die nicht gerade Indikatoren dafür waren, dass das Team die erstmalige Playoff-Teilnahme seit 1999 schaffen könnte. Und doch gelang dies am Ende, auch wenn es ein klein wenig Schützenhilfe der Bengals bedurfte.

Nur vier Teams haben es in der Super-Bowl-Ära mit einer schlechteren Point-Differential in die Playoffs geschafft als die Bills (-57) in dieser Saison. Buffalo konnte in erster Linie in der Passing-Defense überzeugen, guten Druck auf den gegnerischen Quarterback aufbauen und Turnover erzwingen. Offensiv gab es allerdings wenig Vorzeigbares zu berichten, am ehesten wäre hier noch das Run Game zu nennen.

Die aktuelle Situation:

Jaguars: Nachdem man den Playoff-Zuschlag trotz einer Niederlage schon in Week 16 erhalten hatte, agierte man im letzten Saisonspiel gegen die Titans pomadig. Freilich spielte man ob des Verletzungsrisikos mit angezogener Handbremse, doch sind gerade derartige Rhythmus-Schwankungen die Ursache für die unrunde Anfangsphase der Saison. Mit zwei Niederlagen in die Playoffs zu gehen ist keine ideale Ausgangslage und dies gepaart mit der mangelnden Playoff-Erfahrung des Teams könnte zu Fehlern führen.

Getragen wird diese Mannschaft aber ohnehin von ihrer bärenstarken Defense. Jacksonville sieht sich mit einer schwachen Passing-Offense konfrontiert und das Run Game muss wenn überhaupt über einen angeschlagenen McCoy funktionieren. Auf der offensiven Seite wird man sich einmal mehr auf die Produktion von Leonard Fournette verlassen. Der wird zwar wieder einmal in eine vollgestopfte Box laufen, wird aber dennoch die Grundlage für offensive Bewegungen der Jaguars darstellen.

Bills: Die größte Waffe der Bills, Shady McCoy, geht angeschlagen in die Partie und könnte damit das Defensiv-Konzept der Jaguars verändern. Tyrod Taylor agiert gerne über Play Action, Bootlegs und Roll Outs. Fällt die Rushing-Komponente weg, so kann sich Jacksonville auf die Verteidigung der Flanken konzentrieren.

Auch auf der defensiven Seite scheint man ein Missmatch erwischt zu haben. Die Run-Defense der Bills ist eine der schwächsten der Liga und wird mit Fournette ihre Probleme bekommen. Hoffnungen wird den Bills die schwache Form von Bortles machen und die Chance, von der jüngsten Fehleranfälligkeit zu profitieren, die Jacksonvilles Quarterback zuletzt an den Tag gelegt hat.

Players to Watch:

Jaguars: Blake Bortles. Die vierte Saison ist Bortles' stärkste gewesen und dennoch sind die Zweifel ob seines Spiels groß. Wie weit kann ein Team mit einem Quarterback wie Bortles in den Playoffs kommen? Inwiefern kann er sich noch verbessern und wie kommt er grundsätzlich mit dem Druck in den Playoffs zurecht? Bortles ist das große Fragezeichen eines ansonsten toll besetzten Teams, welches dank seiner Defense in die Ausgangslage gesetzt werden kann, jedes Spiel zu gewinnen.

Bills: LeSean McCoy. Wie bereits erwähnt ist der Einsatz von Shady noch unsicher. Doch mit ihm steht und fällt die Offense der Bills. Er kann wie kein anderer Spieler Extra-Yards erlaufen und den Bills Chancen auf vitale First Downs im Running Game geben. Wenn die Defense der Jaguars hingegen eine Schwachstelle hat, dann die der Run-Defense. Ein Ausfall McCoys wäre wohl nicht zu kompensieren.

Darauf kommt es an:

Die Jaguars werden es gegen die Bills wie gewohnt mit 8-Mann-Boxen zu tun bekommen und können sich deshalb nicht gänzlich auf einen großen Abend von Fournette verlassen. Dennoch sind die Bills in der Run-Defense anfällig. Im Passing Game wird Bortles nach den jüngsten Leistungen und der mangelnden Playoff-Erfahrung kein zu großes Risiko gehen und nur selten lange Pässe versuchen. Auf der defensiven Seite wird es interessant zu sehen sein, wie man auf die Fakes und Misdirection-Plays der Bills reagiert.

Auf der Gegenseite wird man seine Chance in eben jenen Plays suchen. Von Buffalo wird meist Run First erwartet und dementsprechend verteidigt. Immer wieder gelingt es den Bills aber bei First Down mit Play Action großen Raumgewinn zu erlangen. Defensiv wird Buffalo alles versuchen, Fournette zu stoppen und Bortles zum Pass zu zwingen. Die Bills haben mit 18 Interceptions einen der Top-Werte der Saison aufgelegt und können Fehler bestrafen.

Prognose:

Aufgrund der vielen schlechten Matchups fällt es zugegebenermaßen schwer, Punkte zu finden, die für einen Auswärtssieg sprechen. Die Jaguars-Defense hat sich auch in der Anfangs schwachen Run-Defense stark verbessert und seit der Ankunft von Marcell Dareus große Fortschritte gemacht. Bortles wird nach den letzten Leistungen wenig Risiko gehen und eine auf kurze Pässe bedachte Pass-Offense managen. Voraussichtlich wird den Jaguars ein Großteil der Spielzeit gehören und dementsprechend bekommt Pittsburghs Ben Roethlisberger eine Chance zur Wiedergutmachung des Interception-Debakels gegen Jacksonville in Week 5. Tipp: 27:13 Jaguars

Seite 2: New Orleans Saints - Carolina Panthers

No. 4 New Orleans Saints (11-5) - No. 5 Carolina Panthers (10-6) (So., ab 22.40 Uhr )

Der Weg in die Playoffs:

Saints: Dass der Trade von Brandin Cooks zu den Patriots eine derart große Aussagekraft ob der neuen offensiven Mentalität der Saints haben würde, konnten wohl nicht allzu viele vorhersehen. Doch in der Tat änderte sich die Offense von einer Philosophie, in der das Laufspiel keine große Wertstellung hatte in eine, die davon lebt. Mit 39 Jahren warf Drew Brees in dieser Saison die wenigsten Touchdown-Pässe in einer Saison seit 2003, die wenigsten Passing-Yards in seiner 12-jährigen Amtszeit in New Orleans und hatte die wenigsten Pass-Versuche seit 2005, bei der höchsten Completion-Percentage in der Geschichte der Liga.

Stattdessen traten im Big Easy die Running Backs in das Scheinwerferlicht. Mark Ingram und der aus dem wohl besten Draft eines Teams in dieser Saison stammende Alvin Kamara liefen gegnerische Defenses in Grund und Boden. Gerade der Rookie fungierte in einer vom Screen-Pass lebenden Offense als essenzieller Bestandteil und spielte eine großartige Saison. Doch auch die in den vergangenen Jahren so anfällige Defense machte einen großen Sprung nach vorne. Hier hatten gerade Cam Jordan und Rookie Marshon Lattimore einen großen Anteil am Division-Sieg.

Panthers: Die Panthers setzten ihr erstes Ausrufezeichen der Saison mit einem Sieg in Week 4 bei den Patriots. Erst hier erschien Carolina bei vielen auf dem Radar, nachdem die ersten Wochen eher unspektakulär abgearbeitet wurden. Doch die Panthers manifestierten gerade vor heimischem Publikum ihre Playoff-Ambitionen. Dabei implementierte man in der Offense den vielseitig einsetzbaren Rookie Christian McCaffrey nach und nach immer besser und konnte vor allen Dingen sehr interessante RPO-Schemes beobachten. Im Passing Game fehlten aber nicht zuletzt nach dem Trade von Kelvin Benjamin zu den Bills Optionen.

Defensiv war gerade die Run-Defense ausschlaggebend dafür, dass die Panthers-Offense viel Zeit auf dem Feld sah und Spiele somit mit Ball in der Hand kontrollieren konnte. Am letzten Spieltag hatte man dann sogar die Chance auf den Division-Sieg, verlor aber aufgrund einer harmlosen Performance der Offense gegen Atlanta und vergab die Chance auf ein Heimspiel in der ersten Playoff-Runde.

Die aktuelle Situation:

Saints: Vom zweiköpfigen Monster Ingram und Kamara werden die Saints auch in den Playoffs nicht abweichen und darauf hoffen, dass die beiden den Panthers wie schon bei den ersten zwei Aufeinandertreffen der Saison über das Laufspiel weh tun können, wie es sonst niemand geschafft hat. Brees wird auch Receiver wie Michael Thomas und Ted Ginn in Szene setzen, gerade Thomas sollte wie schon im Laufe der Saison viel eingebunden werden.

Die Saints haben in dieser Saison zwar eine der besten und aufregendsten Offenses der Liga gestellt, Probleme waren aber immer wieder bei Third Down zu erkennen. Nur 37,6 Prozent der dritten Versuche konnte man nutzen und sich somit nur in der unteren Tabellenhälfte dieser Kategorie positionieren. New Orleans spielt in den Playoffs nicht nur für sich selbst, sondern auch für Brees. Der künftige Hall of Famer wird nach der Saison Free Agent und könnte auch über ein Karriereende nachdenken.

Panthers: Glaubt man an erfolgreiche Playoffs der Panthers, so muss man auf einen großen Januar von Cam Newton setzen. Der Quarterback der Panthers fällt nicht nur durch seine polarisierende Art und Weise auf, sondern auch weil er ähnlich wie Russell Wilson bei den Seahawks für einen überdurchschnittlich großen Teil der Offense der Panthers verantwortlich ist.

Newton hat die meisten Rushing-Yards des Teams abgespult und zwingt gegnerische Defenses dazu, einen Quarterback-Spy zu installieren. Mit Cam steht und fällt der Erfolg dieser Offense. Außerdem ein möglicher Faktor: Greg Olsen kam nach Verletzungspause zum Saisonendspurt zurück und könnte für dringend benötigte Entlastung des Passing-Games sorgen.

Auf der defensiven Seite könnte man meinen, dass die Panthers mit New Orleans ein passendes Matchup erwischt haben, ist das Run-Game der Saints doch die große Stärke in dieser Saison und die eigene Run-Defense hervorragend in Form. Blickt man allerdings auf die Saison zurück fallen gerade die zwei Spiele gegen die Saints negativ auf. Hier ließ man in Week 3 149 und in Week 13 148 Yards zu.

Players to Watch:

Saints: Alvin Kamara. Über 1.500 Scrimmage-Yards hat die Rookie-Sensation in ihrer ersten Saison hinter sich lassen können. Kamara verkörpert den modernen Running Back mit Fähigkeiten als klassischer Back und als Pass-Empfänger. Seine Vielseitigkeit und die Fähigkeit Tackles zu brechen war in dieser Saison für kaum eine Defense unter Kontrolle zu bringen und somit gilt es zu sehen, wie sich die Panthers im dritten Aufeinandertreffen auf ihn einstellen.

Panthers: Luke Kuechly. "Er ist einer der intelligentesten Spieler die ich je spielen habe sehen und gegen die ich jemals angetreten bin", sagte Brees vor dem bevorstehenden Duell mit Kuechly. Der Linebacker hat wieder einmal eine tolle Saison gespielt und sowohl im Run-Stop als auch in der Passverteidigung gegnerische Quarterbacks vor große Probleme gestellt. Auf Kuechlys Intelligenz wird es im Spiel gegen die Saints ankommen, wenn es in erster Linie heißt, das gefährliche Back-Duo zu stoppen.

Darauf kommt es an:

New Orleans wird vor heimischem Publikum wieder alles daran setzen das Laufspiel zu etablieren und viele Pässe nahe der Line of Scrimmage zu spielen, um ab hier mit Downfield-Blocking-Konzepten auf Yards nach dem Catch zu kommen. Verteidigen die Panthers zu eng, so hat man mit Thomas und Ginn jederzeit die Möglichkeit Carolina auch lange zu bestrafen. Die Saints sind ein komplettes Team und dominierten das Passing Game der Panthers in beiden Saisonspielen. Klappen die Blitzing-Pakete auch dieses Mal effizient, so sollte man Carolina gut in den Griff bekommen können.

Die Panthers müssen auf der anderen Seite Olsen und McCaffrey ins Spiel bekommen und ein Linebacker- und Safety-Corps angreifen, das auf Kenny Vaccaro und A.J. Klein verzichten muss. Funktioniert das Passspiel zumindest einigermaßen, so werden Lücken entstehen, die Newton via Lauf nutzen kann wie kein Zweiter. Defensiv bedarf es gegen die Saints im dritten Versuch endlich die eigentlich so verlässliche Run-Defense, um New Orleans Paroli bieten zu können.

Prognose:

In den direkten Duellen der NFC South hat in dieser Saison meist der Heimvorteil eine große Rolle gespielt. Diesen Vorteil werden die Saints in einer der lautesten Arenen zu nutzen wissen. Die Offense der Saints ist außerdem zu vielseitig, als dass Carolina diese gänzlich kontrollieren könnte. Die Last die zudem auf Newtons Schultern drückt scheint etwas zu groß. Es mangelt an offensiver Unterstützung. Die O-Line braucht gegen ein aggressives Blitz-Konzept einen hervorragenden Tag, doch die Fragezeichen sind zu viele. Tipp: 24:16 Saints

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