NFL: Vorweggenommenes Finale am Turkey Day

Das letzte Wochenende im November steht bevor, was gleichzeitig bedeutet: Thanksgiving-Game in der NFL. Wie jedes Jahr sind die Lions aus Detroit Gastgeber eines Thursday Games in der höchsten Amerikanischen Football Liga. Diesmal kommt mit den Minnesota Vikings aber gleich das momentan heißeste Team der Liga auf die Gastgeber zu - und das mit ihrem eigentlichen Backup-Quarterback. Das Spiel seht Ihr ab 18:30 Uhr live auf DAZN

Thanksgiving steht vor der Tür und der NFL-Spielplan liefert uns einen Division-Kracher vom Feinsten in der europäischen Primetime. Die Detroit Lions (6-4) treffen auf die Minnesota Vikings (8-2) im Kampf um die Vorentscheidung in der NFC North. Die Lions haben sich durch eine historische Leistung in Position gebracht, während die Vikings als eines der heißesten Teams der Liga anreisen und das mit ihrem eigentlichen Backup-Quarterback. Das Spiel seht Ihr ab 18.30 Uhr .

Vor nicht allzu langer Zeit war Thanksgiving gewissermaßen ein Trauerspiel in Detroit. Die Lions krebsten vor sich hin und verloren zwischenzeitlich mal gar neun Spiele am Turkey Day in Serie.

Dann aber kam das Jahr 2013, die Green Bay Packers waren zu Gast und die Lions servierten ihrem NFC-North-Rivalen einen 40-Burger. Das war die Wende, denn seither wurden fünf Thanksgiving Games in Serie gewonnen.

Diese Serie hoffen sie in Michigan natürlich nun fortzusetzen, denn mit den Minnesota Vikings kommt nicht nur ein weiterer Divisions-Kontrahent, den man im Vorjahr bereits an diesem Feiertag besiegt hatte - es steht auch noch Richtungsweisendes an.

Die Konstellation in der NFC North macht die Begegnung im Ford Field schon zu einem vorweggenommenen Finale der Division. Aktuell haben die Vikings zwei Spiele Vorsprung auf die Lions, doch mit einem Sieg könnten Matthew Stafford und Co. nicht nur auf ein Spiel verkürzen, sie hätten auch den Head-to-Head-Tiebreaker für sich entschieden und wären bei gleicher Bilanz am Jahresende im Vorteil.

Grund dafür ist die aus Detroits Sicht schier unglaubliche Auswärtsbilanz von 3-0 in der North: Nie zuvor gewannen die Lions alle Auswärtsspiele innerhalb der eigenen Division - 1961 blieb man mal ungeschlagen, spielte jedoch bei fünf Siegen einmal Remis.

Detroit Lions: Stafford mahnt zu guter Leistung daheim

"Immer, wenn man auswärts in dieser Liga gewinnt, ist das ein großer Bonus", erklärte Stafford nach dem knappen Erfolg in Chicago am Sonntag: "Im Gegensatz dazu haben wir aber auch zu Hause nicht gerade großartig gespielt. Wir haben aber eine große Chance Donnerstag gegen einen Divisions-Gegner daheim, gegen ein richtig gutes Team, und wir müssen da rausgehen und gut spielen."

Leicht wird es aber eher nicht, wenn man bedenkt, wie die Vikings derzeit auftreten. Sie gewannen ihre letzten sechs Spiele in Folge und ihre einzigen Niederlagen kamen in Pittsburgh und gegen die Lions. Dabei zeigten sie gerade zuletzt eine erstaunliche Anpassungsfähigkeit: Gegen die Rams brillierte die Defense und hielt eine der explosivsten Offenses bei sieben Punkten - und Running Back Todd Gurley bei weniger als 40 Yards. Gegen die Redskins dagegen war die Offense in einem Shootout gefragt und legte 38 Punkte auf.

Der bemerkenswerteste Aspekt scheint jedoch die Tatsache zu sein, dass Quarterback Case Keenum eine für ihn überragende Saison hinlegt. Seit zwei Spielen ist Teddy Bridgewater wieder einsatzbereit und scharrt mit den Hufen, doch Keenum liefert keinen Grund, dem eigentlichen Franchise-QB das Ruder zu überlassen.

"Es wäre hart, Keenum da jetzt rauszureißen. Er spielt gut. Ich habe immer noch große Hoffnungen für Teddy und Sie wissen ja, dass viele Dinge im Lauf einer Saison passieren. Wir werden also sehen, wie sich das entwickelt", sagte Head Coach Mike Zimmer zur aktuellen Lage auf der Quarterback-Position.

Minnesota Vikings: Case Keenum liefert gute Argumente

Und warum auch? Keenum spielt eine sehr gute Saison! Teilweise erinnert er an die Vorstellungen von Sam Bradford aus der Vorsaison. In den letzten zwei Spielen war seine Passquote jeweils über 70 Prozent, was er damit in seinen neun Spielen in dieser Saison viermal geschafft hat. Das natürlich, ohne ob der nicht vorhandenen O-Line regelmäßig harte Hits einzustecken wie Bradford letzte Saison.

Mehr noch: Teilweise spielte Keenum gar spektakulär, wenn man den Kollegen von ESPN Stats & Info glauben schenken darf, denn die haben für ihn zweimal in diesem Jahr Total QBRs von über 90 errechnet - gegen die Redskins in Week 10 sogar 98,9 - 100 wäre der Bestwert!

Ein beachtlicher Trend aufseiten der Lions, die immerhin auch ihre letzten drei Spiele gewonnen haben, könnte jedoch die Rolle von Keenum weniger kritisch machen. Die Lions nämlich haben in ihren letzten zwei Spielen gegen die Browns und Bears jeweils mehr als 200 Yards auf dem Boden abgegeben. Passiert das einmal, spricht man von einer Anomalie, doch zweimal in Serie? Da scheint ein Problem zu bestehen, das die Vikings mit ihrer Offense durchaus verschlimmern könnten.

Bemerkenswert am Laufspiel der Vikings ist in erster Linie die Vielschichtigkeit. Latavius Murray und Jerick McKinnon teilen sich fast brüderlich die Snaps seit dem Ausfall von Rookie Dalvin Cook und zeigten sich zuletzt auch meist effektiv. Hinzu kommt, dass auch Keenum gut zu Fuß ist und zur Not selbst zu First Downs laufen kann.

Minnesota Vikings: Adam Thielen tut es Randy Moss gleich

Dennoch wird der Fokus auf dem Passspiel liegen und hier muss Detroit besonders auf Adam Thielen aufpassen. Der Wide Receiver hat nach zehn Spielen schon 900 Yards auf dem Konto. Für die Vikings schaffte das zuletzt ein gewisser Randy Moss in den Jahren 2000 und 2003! Und das, obwohl Thielen eher gemächlich in die Saison startete, wenn man die 157 Yards gegen die Saints in Week 1 ausklammert. Er blieb sieben Spiele ohne Touchdown, erzielte dann jedoch gleich drei in den letzten drei Partien und ist einer der heißesten Receiver in der NFL.

Ihm gegenüberstehen wird Darius Slay, der sich zu einem der besten Cornerbacks der Liga entwickelt hat. Indizien dafür? Er führt alle Cornerbacks mit vier Interceptions an und hielt Odell Beckham Jr., Julio Jones und Antonio Brown in diesem Jahr ohne Touchdown. Darüber hinaus ist er ein Meister des Pass-Breakups: In den letzten vier Jahren - seit er zum Starter wurde - brachte er es auf 38 davon, was die viertmeisten in der NFL sind. In diesem Jahr allein sind es schon wieder sieben.

"Ich gehe da nicht ran und denke, dass ich PBUs sammle. Ich denke immer gleich an den Pick und versuche einfach in der richtigen Position zu sein", erklärte Slay seine Herangehensweise. "Ich nutze eine gute Technik, um mich in Position zu bringen, um solche Plays liefern zu können. Das ist es eigentlich schon."

Auf der anderen Seite dürfte der Fokus wie immer bei Lions-Spielen auf Stafford liegen. Es hat seinen Ruf als Escape-Künstler auch in diesem Jahr wieder untermauert. Nicht zuletzt gegen die Bears buddelten sich die Lions schon früh ein tiefes Loch, doch Stafford findet sehr häufig einen Weg, sein Team da wieder rauszuholen. In Spielen, in denen die Lions schon im ersten Viertel zweistellig zurücklagen, sind sie 3-1!

Detroit Lions: Matthew Stafford überholt Kindheitsidol Troy Aikman

Thanksgiving ist indes für Stafford immer noch etwas ganz Besonderes. Ein Grund dafür ist seine lange Connection zu Cowboys-Legende Troy Aikman. Stafford wuchs in Dallas auf, in jungen Jahren saß er mit Aikman-Trikot vor dem TV und sah seinem Idol im traditionellen Thanksgiving Game der Cowboys zu.

Passend dazu überholte Stafford am Sonntag Aikman auf der All-Time Passing List. Aikman warf für 32.942 Yards und Stafford steht nun bei 33.063. "Aikman war der Mann in Dallas, als ich aufgewachsen bin, und ich habe ihn angefeuert", erinnert sich Stafford.

Die Connection wurde intensiver, als Stafford vorm Draft 2009, als er als erster Pick gezogen wurde, in einer Story für ESPN mit seinem Idol zusammengebracht wurde. Auch Aikman zeigte sich danach beeindruckt und sagte jüngst: "Es ist selten, dass ich jemanden wie ihn kennenlernen durfte. Und dass ich seither so interessiert daran bin, dass es ihm gut geht."

Wie es der Zufall so will, wird FOX mit seinem A-Team um Kommentator Joe Buck und Experte Troy Aikman das frühe Spiel übertragen. Stafford darf also mal wieder vor seinem Idol an Thanksgiving antreten. Auch wenn er das selbst nicht zu hoch hängen will. Zu wichtig ist die anstehende Aufgabe und die Perspektive, einen wichtigen Schritt Richtung Division-Krone im Norden der NFC zu machen.

Das SPOX-NFL-Tippspiel, Week 12:

Florian Regelmann Adrian Franke Marcus Blumberg

Pascal

De Marco

Vikings @Lions Lions Vikings Vikings Vikings
Chargers @Cowboys Cowboys Chargers Chargers Chargers
Giants @Redskins Redskins Redskins Redskins Redskins
Titans @Colts Titans Titans Titans Titans
Bears @Eagles Eagles Eagles Eagles Eagles
Panthes @Jets Panthers Panthers Panthers Panthers
Dolphins @Patriots Patriots Patriots Patriots Patriots
Buccaneers @Falcons Falcons Falcons Falcons Falcons
Browns @Bengals Bengals Bengals Bengals Bengals
Bills @Chiefs Chiefs Chiefs Chiefs Chiefs
Seahawks @49ers Seahawks Seahawks Seahawks Seahawks
Saints @Rams Rams Saints Rams Saints
Jaguars @Cardinals Jaguars Cardinals Jaguars Jaguars
Broncos @Raiders Raiders Broncos Raiders Raiders
Packers @Steelers Steelers Steelers Steelers Steelers
Texans @Ravens Ravens Ravens Ravens Ravens
Week 11 9-5 11-3 12-2 8-6
Insgesamt
105-55

101-59

102-58 99-61

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