NFL: Der totale Star-Quarterback-Overload

Wenn es einer Division nicht an Star-Quarterbacks mangelt, dann der NFC South. Mit Matt Ryan , Cam Newton , Drew Brees und Jameis Winston liegt der Ball bei allen vier Teams in besten Händen. Zwei davon haben ihre Franchise in den letzten beiden Jahren in den Super Bowl geführt. Während Ryan und die Falcons dessen Wehen loswerden wollen, schielen die Panthers auf eine Rückkehr zu alter Stärke. Die Bucs haben ihre Kanonen geladen und New Orleans freut sich auf neue Running Backs. Die SPOX -Preview zur NFC South.

Wenn es einer Division nicht an Star-Quarterbacks mangelt, dann der NFC South. Mit Matt Ryan, Cam Newton, Drew Brees und Jameis Winston liegt der Ball bei allen vier Teams in besten Händen. Zwei davon haben ihre Franchise in den letzten beiden Jahren in den Super Bowl geführt. Während Ryan und die Falcons dessen Wehen loswerden wollen, schielen die Panthers auf eine Rückkehr zu alter Stärke. Die Bucs haben ihre Kanonen geladen und New Orleans freut sich auf neue Running Backs. Die SPOX-Preview zur NFC South.

Seite 1: Atlanta Falcons

Atlanta Falcons

BILANZ 2016: 11-5
WICHTIGSTE ZUGÄNGE: DT Dontari Poe, DE Jack Crawfrod, DE Takkarist McKinley
WICHTIGSTE ABGÄNGE: OC Kyle Shanahan, DE Dwight Freeney, FB Patrick DiMarco

Darum wird die Saison ein Erfolg: Zwar verlor man mit Kyle Shanahan seinen Play-Caller, doch scherzte selbst dieser in der vergangenen Saison, dass es mit Atlantas Fülle an Offensiv-Talent schwierig wäre, nicht viel zu punkten. Fast alle Spieler aus der letztjährigen Offense, die mit 540 Punkten die siebtmeisten Punkte in der Geschichte der NFL verzeichnen konnte, sind wieder zurück. Auch der Wechsel des Offensive Coordinators dürfte an dem so erfolgreichen Scheme in seinen Grundzügen nicht viel ändern, das deutete Ryan bereits an.

Der neue Offensive Coordinator Steve Sarkisian darf sich auf Julio Jones, das gefürchtetste Running-Back-Duo der Liga, eine gute Offensive Line und natürlich MVP Ryan freuen. Dabei wird Sarkisian, ehemaliger Coach in Washington und bei USC, fraglos zumindest an einigen Schrauben drehen: Er hat sich in der College-Welt einen Namen für seine innovativen Plays gemacht.

Defensiv sollte sich das Team von Dan Quinn zumindest verbessern können. Top-Cornerback Desmond Trufant kehrt nach überstandener Verletzung zurück und wurde sogar mit einem Top-Vertrag ausgestattet. Vic Beasley, Grady Jarrett und Takkarist McKinley könnten den Falcons einen sehr ordentlichen Pass Rush bescheren. Atlantas noch junge Defense hat jede Menge Athletik, Geschwindigkeit und Explosivität, das war in der vergangenen Saison bereits mehr als sichtbar und die Defense erhält mit Dontari Poe eine neue Präsenz in der Line.

Darum wird die Saison ein Misserfolg: Die Defensive weist auch trotz der Verbesserungen immer noch Mängel auf. Nur fünf Teams haben in der abgelaufenen Saison mehr Punkte zugelassen als die Falcons. Die Front Seven bereitet Sorgen. Dontari Poe muss erst zeigen, dass er eine Langzeitlösung sein kann und offensiv wird es insbesondere beim Game Planning und den Anpassungen während der Spiele eine Verschlechterung im Vergleich zu Shanahan geben.

Viel wichtiger aber wird der mentale Faktor sein und die Rolle, die er in der Saison der Falcons einnehmen wird. In Atlanta sollte man ob des plötzlichen Post-Super-Bowl-Einbruchs der Panthers aus dem Vorjahr durchaus gewarnt sein, wie schnell sich Stärke-Verhältnisse in der Liga verschieben können. Der Post-Super-Bowl-Hangover könnte auch in Atlanta eintreten, soweit das Drama Anfang Februar noch nicht überwunden wurde. Und dass dieser bereits komplett aus den Köpfen ist, glaubt keiner so wirklich.

Prognose: Division-Sieg. Die Falcons-Offense wird auch in der kommenden Saison brillieren. Das Duo Ryan/Jones ist nur sehr schwer zu verteidigen. Kommt das Team nicht in den Post-Super-Bowl-Slump, geht die NFC nur durch Atlanta.

Seite 2: Carolina Panthers

Carolina Panthers

BILANZ 2016: 6-10
WICHTIGSTE ZUGÄNGE: LB Julius Peppers, RB Christian McCaffrey, LT Matt Kalil, CB Captain Munnerlyn
WICHTIGSTE ABGÄNGE: DC Sean McDermott, S Tre Boston, WR Ted Ginn Jr., RT Mike Remmers

Darum wird die Saison ein Erfolg: Die Panthers haben in der vergangenen Saison eine Menge Pech erwischt - ob bei Verletzungen, fragwürdigen Hits gegen Newton oder engen Spielen, bei denen Carolina das Nachsehen hatte. In der neuen Spielzeit richten sich die Hoffnungen jetzt wieder auf Cam Newton. Der MVP von 2015 ist, wenn gesund, ein elektrisierender, schwer aufzuhaltender Superstar. Und der soll es leichter haben.

Das Front Office wollte seinem Quarterback durch die Verpflichtung von zwei explosiven Waffen im Draft ein wenig Last von den Schultern nehmen. Mit Christian McCaffrey wurde nicht der übliche Running Back gedraftet, sondern eine Alles-in-Einem-Waffe. Der explosive Back wird Snaps aus dem Backfield, im Slot und als Wide Out sehen. Neben ihm wird auch Ohio States Curtis Samuel perspektivisch eine flexible Rolle im Offensive Scheme einnehmen.

Verlassen können sollte sich Carolina einmal mehr auf das Zentrum seiner Defense. Defensive Tackle Kawann Short, All-Pro Linebacker Luke Kuechly und Thomas Davis gehören im Gegensatz zur Secondary zum Besten, was die Liga zu bieten hat. Mit Julius Peppers und Rookie Daeshown Hall soll außerdem mehr Druck auf den gegnerischen Quarterback ausgeübt werden.

Darum wird die Saison ein Misserfolg: Wieder erscheint der Name Newton. Cams Verletzungskartei ist in den letzten drei Jahren bemerkenswert breiter geworden. Der Knöchel, die Schulter, der Rücken, die Rippen oder das leidige Thema Gehirnerschütterung.

In einem neuen Scheme, das nicht ganz auf die Stärken des Quarterbacks ausgelegt ist, wird zudem abzuwarten sein, wie Newton auf die Umstellung reagiert. Es scheint klar, dass er weniger Risiko im Lauf gehen und damit häufiger auf eine seiner größten Stärken verzichten soll - während er im Short-Passing-Game Genauigkeit und Timing beweisen muss.

Auf eine konstante Offensive Line wird er dabei wohl auch in diesem Jahr verzichten müssen. Der 28-Jährige hatte in seiner Karriere noch keine Saison, bei der er weniger als 33 Mal gesacked worden ist. Was können Taylor Moton und Matt Kalil liefern?

Prognose: Platz 3 in der Division. Alles hängt von der Gesundheit Cam Newtons und dessen Zurechtkommen in der neuen Offense ab. Der Quarterback ist nicht nur aufgrund seiner spielerischen Fähigkeiten entscheidend, er ist auch der Leader dieses Teams. Doch die offensiven Umstellungen, Fragezeichen in der O-Line - am Ende wird Carolina die Post-Season erneut vor dem TV verfolgen müssen.

Seite 3: New Orleans Saints

New Orleans Saints

BILANZ 2016: 7-9
WICHTIGSTE ZUGÄNGE: RB Adrian Peterson, WR Ted Ginn Jr., G Larry Warford, CB Marshon Lattimore, OT Ryan Ramczyk
WICHTIGSTE ABGÄNGE: WR Brandin Cooks, S Jairus Byrd, OG Jahri Evans

Darum wird die Saison ein Erfolg: Sie können es einfach nicht lassen. Auch wenn der Ära Brees-Payton schon nach der letztmaligen Playoff-Teilnahme 2013 das Ende vorhergesagt wurde gehen die beiden Hand in Hand in die neue Saison. Zu Recht? Ein Leistungsabfall ist beim 38-Jährigen zumindest nicht zu erkennen. Die Saints-Offense war auch in der letzten Saison eine, die stets Gefahr ausstrahlte und fleißig Punkte auf das Scoreboard brachte.

Dies wird sich auch durch den Verlust von Brandin Cooks nicht ändern. Zum einen hat man mit dem noch immer pfeilschnellen Ted Ginn Jr. für Ersatz gesorgt, zum anderen gab es mit Michael Thomas und Willie Snead ohnehin schon hochtalentierte Receiver in den eigenen Reihen. Außerdem war es Brees schon immer egal, in welche Richtung er die Bälle werfen musste. Mit Jimmy Graham gab es lediglich einen Pro-Bowler, den Brees in seiner ruhmreichen Ära bei den Saints anwerfen konnte.

Desweiteren haben sich die Saints auf der Running-Back-Position prominent verstärkt. Adrian Peterson kam mit einer Menge Wut im Bauch aus Minnesota und pocht bereits auf das Wiedersehen in Week 1. Fraglich ist hingegen seine Gesundheit und die Rolle, die er übernehmen soll. Für den Fall der Fälle hat man in Louisiana allerdings vorgesorgt: Alvin Kamara konnte bereits in der Preseason sein vielversprechendes Talent bestätigen. Außerdem kommt Mark Ingram aus einer 1.000-Yard-Saison.

Darum wird die Saison ein Misserfolg: Defense, Defense, Defense - Die Saints gingen mit drei Aufträgen in die Offseason: Verbesserung der Secondary, Verbesserung des Pass-Rushs und Verbesserung auf Linebacker. Mit Marshon Lattimore konnte man zumindest den vermutlich besten Corner des Drafts wählen. Neben ihm kam Marcus Williams aus Utah.

Auf Linebacker unterzeichnete A.J. Klein, von den Panthers kommend. Neben ihm die verletzungsanfälligen Manti Te'o und Alex Anzalone. Pass-Rushing-Talent konnte sogar überhaupt keines geholt werden. Nachdem im Draft nämlich an 32 die Wunsch-Ziele Taco Charlton, Charles Harris and McKinley bereits vergeben waren, entschied man sich stattdessen O-Line-Spieler Ryan Ramczyk zu verpflichten.

Prognose: Platz 4 in der Division. New Orleans will weiterhin nicht an einen Neuaufbau denken. Zwar darf sich Brees wieder auf der offensiven Seite austoben, in der Defense allerdings wird man gerade innerhalb der Division große Probleme bekommen. Am Ende wird es weder einen sehr hohen Pick, noch ernsthafte Playoff-Chancen geben.

Seite 4: Tampa Bay Buccaneers

Tampa Bay Buccaneers

BILANZ 2016: 9-7
WICHTIGSTE ZUGÄNGE: WR DeSean Jackson, TE O.J. Howard, S J.J. Wilcox, DT Chris Baker
WICHTIGSTE ABGÄNGE: QB Mike Glennon, CB Alterraun Verner, K Roberto Aguayo

Darum wird die Saison ein Erfolg: In Tampa hat man in der Offseason alles daran gelegt, dem aufstrebenden Star-Quarterback Jameis Winston so viele Waffen wie möglich zur Verfügung zu stellen. Angefangen mit Wide Receiver DeSean Jackson, der als Speedster das Feld weiter auseinander ziehen wird und somit mehr Platz für Mike Evans (12 Touchdowns 2016) schafft, hat Winston endlich einen Deep Thread zur Verfügung, und vielleicht sogar eines der besten Receiver-Duos der Liga.

Desweiteren wurde mit Chris Godwin ein weiterer hochtalentierter Wideout in der dritten Runde des Drafts ausgewählt. Stichwort Draft: Hier konnte Red and Pewter etwas unverhofft an 19. Stelle mit O.J. Howard den besten Tight End der Klasse verpflichten. Howard bringt ein breit gefächertes Skill-Set mit, stellt kontinuierlich ein Miss-Match dar und glänzt nebenbei auch noch im Blocking-Department. Howard und Cameron Brate werden ein hochinteressantes Tight-End-Duo abgeben.

Jedoch will man im Westen Floridas nicht nur durch das Abfeuern der Kanonen nach dem Touchdown auf sich aufmerksam machen. Auch defensiv hat das Team von Dirk Koetter einen interessanten Kern beisammen. Unter der Führung von Gerald McCoy konnte sich die Bucs-Defense in der Kategorie Pass-Rush 2016 vom 26. auf den sechsten Platz verbessern.

Die Bucs haben einen Großteil ihrer Defensive-Starters auch in der neuen Saison zur Verfügung und blicken außerdem auf eine mögliche Star-Entwicklung von Linebacker Kwon Alexander und Cornerback Vernon Hargreaves.

Darum wird die Saison ein Misserfolg: Auch hier scheint Jameis Winston die entscheidenden Fäden in der Hand zu halten. Zwar warf der 23-Jährige in seinen ersten beiden Saisons bereits jeweils für über 4.000 Yards, jedoch hat Jaboo auch ein Turnover-Problem. Winston sammelte 2016 18 Picks und zehn Fumbles (sechs davon gingen verloren).

Oftmals will er die Dinge erzwingen, selbst wenn sie aussichtslos erscheinen. Freilich ist sein Reifeprozess noch lange nicht beendet, Winston jedoch muss in der neuen Saison weniger Risiko gehen. Darüber hinaus muss er erst zeigen, dass er mit Jackson auch seine Downfield-Genauigkeit verbessern kann.

Auf großartige Unterstützung seiner Line kann er dabei vermutlich nicht hoffen. Bei sage und schreibe 30 Prozent seiner Dropbacks war Winston in der abgelaufenen Saison under Pressure. Einzig Ali Marpet ist hier nicht als großes Fragezeichen zu betiteln. J.R. Sweezy kommt zwar nach einjähriger Pause zurück, allerdings gilt es als fraglich zu bezeichnen, ob diese Line genügend Zeit und Platz für Pass und Lauf schaffen kann. Und falls das Run Game (ob mit oder ohne den anfangs gesperrten Doug Martin) nicht funktioniert, ruht wieder zu viel Druck auf Winston.

Prognose: Platz 2 in der Division. Den Bucs steht eine sehr aufregende Saison bevor. Angesichts des schwierigen Spielplans sollte gerade der Auftakt genutzt werden, um sich eine gute Ausgangslage zu verschaffen. Ob es am Ende für die Playoffs reicht, wird auf viele enge Spiele ankommen. Dieser Gedanke wird das Buccaneers-Front-Office wohl auch bei der Aguayo-Entlassung unterstützt haben.

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