NFL: Third and Long: Rams-Defense und Packers-Offense entschlüsselt

Week 12 ist Geschichte, in seiner wöchentlichen NFL-Kolumne sorgt SPOX -Redakteur Adrian Franke für Klarheit: Warum sah die Defense der Los Angeles Rams gegen die Saints so gut aus? Warum können Fans der Green Bay Packers trotz der Niederlage optimistisch in die Zukunft blicken? Welche Gefahr droht den Dallas Cowboys, was wird aus Kirk Cousins und was ist mit der Offense der Kansas City Chiefs los? All das und mehr in der dieswöchigen Ausgabe von "Third and Long".

Week 12 ist Geschichte, in seiner wöchentlichen NFL-Kolumne sorgt SPOX-Redakteur Adrian Franke für Klarheit: Warum sah die Defense der Los Angeles Rams gegen die Saints so gut aus? Warum können Fans der Green Bay Packers trotz der Niederlage optimistisch in die Zukunft blicken? Welche Gefahr droht den Dallas Cowboys, was wird aus Kirk Cousins und was ist mit der Offense der Kansas City Chiefs los? All das und mehr in der dieswöchigen Ausgabe von "Third and Long".

Seite 1: Rams-Defense und Packers-Offense entschlüsselt, dazu Cowboys und Chiefs

Wie haben die Rams die Saints-Offense verteidigt?

Der Erfolg der Rams über New Orleans war nicht nur ein Statement, es gibt L.A. auch einen extrem wichtigen Sieg innerhalb der Conference, wenn man die Augen schon einmal auf die Playoffs richtet. Dass die Rams dabei nach dem schweren Spiel in Minnesota wieder punkten würden, war absehbar - die Saints mussten ohne ihre beiden Starting-Cornerbacks ran und vor allem Rookie-Corner Marshon Lattimore ist ein X-Faktor, der dieser Defense ein komplett anderes Gesicht und ganz andere Scheme-Freiheiten gibt.

Dass die Defense auf der anderen Seite New Orleans' zuletzt so großartige Offense derart dominieren würde, damit war nicht zu rechnen. Wie also gingen die Rams vor? Auf den Punkt gebracht lässt sich sagen: L.A. vertraute darauf, dass seine Defensive Line das Duell mit der starken starken Offensive Line der Saints gewinnen würde - und wurde dafür belohnt.

Mehrere Auffälligkeiten im Tape spiegeln das wieder:

  • Die Rams schafften es, Aaron Donald Eins-gegen-Eins-Situationen zu verschaffen - auch weil New Orleans das zuließ. Die Saints gaben ihren Linemen anfangs kaum Hilfe, dadurch wurde Donald im Eins-gegen-Eins schnell zu einem riesigen Problem für die Gäste. So konnten sich die Rams auf ihren 4-Men-Rush verlassen und es ist wenig überraschend, dass der lange Touchdown-Run von Alvin Kamara gezielt weg von Donald ging und das Blocking den D-Liner weg vom Play isolierte.
  • Hier waren erst im Laufe des Spiels, vor allem in der zweiten Hälfte, Veränderungen feststellbar. Die Saints reagierten darauf, indem sie dem Guard meist durch den Center zumindest ein wenig Hilfe gaben. Das verschaffte Drew Brees merklich mehr Zeit in der Pocket.
  • Außerdem Erfolg hatten die Rams mit Stunt-Konzepten im Pass-Rush, also Pass-Rushern, die auf dem Weg zum Quarterback ihren Laufweg kreuzen, um das Blocking-Scheme zu verwirren.
  • Die dominante Vorstellung der Defensive Line erlaubte es den Rams, in der Man Coverage entweder Spieler zu doppeln, oder aber zusätzliche Zone-Elemente mit einzubauen. Dazu kam, dass L.A. hier individuell extrem gut und diszipliniert verteidigte: Die Receiver der Saints schafften oft keinerlei Raum zwischen sich und ihrem Gegenspieler.
  • In der Summe ergab sich so ein Game Plan, der einerseits um die Defensive Line und den 4-Men-Rush herum aufgebaut war, was mehr Flexibilität in Coverage ermöglichte. Andererseits spielten die Defensive Backs individuell gut, die Kombination aus diesen Faktoren führte zu einer dominanten Defense.

Dass New Orleans am Ende trotzdem auf 20 Punkte kam, war in allererster Linie Kamara zu verdanken. Der Rookie trug die Offense mehrfach im wahrsten Sinne des Wortes im Alleingang, war ein Drive-Retter mit spektakulären individuellen Plays und schlug richtige Defensiv-Calls schlicht durch seine Klasse. Brees dagegen hatte mindestens zwei Mal riesiges Interception-Glück. Anders gesagt: Das Tape war entschieden einseitiger zugunsten der Rams-Defense, als der Boxscore vermuten lässt.

Die Offense der Packers: Hoffnung für Green Bay

Der Playoff-Zug ist mit der Pleite gegen Pittsburgh wohl endgültig abgefahren, in der hochkarätig besetzten NFC wird eine Wildcard mutmaßlich elf Siege brauchen und die Division ist durch die bärenstarken Vikings auch weg. Und trotzdem sollten Packers-Fans aus den vergangenen beiden Spielen Hoffnung schöpfen - jede Menge sogar. Nicht etwa, weil Brett Hundley signifikante Fortschritte gemacht hat und der nächste große Quarterback ist. Nein, die Hoffnung sollte sich auf den eigenen Head Coach richten.

Mike McCarthy wurde in den vergangenen Jahren häufig kritisiert, und das völlig zu Recht. Anstatt ein kreatives Offensiv-Scheme um Aaron Rodgers herum aufzubauen und die unglaubliche Qualität des besten Quarterbacks der Liga zu nutzen, ließ McCarthy ein statisches, von Isolation-Routes und teilweise scheinbar fast konzeptlosen Plays geprägtes System spielen. Genau das war auch anfangs mit Hundley zu sehen, umso höher muss man McCarthy seine Anpassungen in den vergangenen Wochen anrechnen.

Ein kurzer Rückblick (zur ausführlichen Analyse der Fortschritte innerhalb der Packers-Offense geht es hier entlang): Green Bays Tape verriet schon in der Vorwoche gegen Baltimore klare Fortschritte.

Dazu gehörten aufeinander aufbauende Routes, Switch-Routes, um den Release zu erleichtern, tiefe Laufwege, die Räume für Underneath-Receiver öffneten und so weiter. Die Play-Designs waren da, Hundley konnte sie nur nicht nutzen. Das Spiel gegen die Steelers am Sonntag bestätigte den positiven Eindruck von McCarthys Änderungen nicht nur. Es erweiterte ihn sogar.

Nachdem nämlich vergangene Woche Anpassungen in den Play-Designs feststellbar waren, konnte man am Sonntagabend auch Anpassungen im Game Plan erkennen. Im Klartext: Deutlich besserer Einsatz des Screen-Passes, mehr Play Action mit Rollouts, Misdirection, Pre-Snap-Motion und Run Pass Options, um den Verteidigern das Leben schwer zu machen. Gleichzeitig bestrafte Green Bay so die Aggressivität der Steelers-Defense.

Auch die Route-Kombinationen waren wieder zu sehen, etwa bei Randall Cobbs langem Touchdown. Dazu kamen neue Formationen mit mehreren Spielern im Backfield, Screen-Pässe aus Play Action heraus und dergleichen. Wenn Hundley "konservativ", also gewissermaßen ohne Hilfe, passen muss, hält er den Ball noch immer zu lange, seine Genauigkeit ist nach wie vor äußerst wacklig. Aber die Fortschritte, die McCarthy an den Tag legt, müssen Packers-Fans für die Zukunft einfach Mut machen.

Dallas' Problem? Prescott und Elliott sind zu einfach

Die Statistik haben über die vergangenen Tage wohl viele gelesen: Die Cowboys haben, seitdem Ezekiel Elliott gesperrt fehlt, erstmals in ihrer Geschichte in drei aufeinanderfolgenden Spielen jeweils weniger als zehn Punkte erzielt; sieben gegen Atlanta, neun gegen Philly und sechs an Thanksgiving gegen die Chargers. Das hatte in der breiten Öffentlichkeit schnell zu zwei Schlussfolgerungen geführt - Prescott wurde in Frage gestellt und die Bedeutung von Elliott für die Offense in ungeahnten Höhen eingeordnet.

Die Probleme aber gehen deutlich tiefer und Dallas täte, was die Selbst-Evaluierung angeht, gut daran, die wirklichen Problemzonen nicht zu vernachlässigen oder gar zu unterschätzen:

  • Die Offensive Line hatte gemeinhin den Status als unantastbar inne - die laufende Saison zeichnet ein anderes Bild. Im Run-Blocking sind die Cowboys noch immer spektakulär gut, die Pass-Protection dagegen wackelt selbst mit Tyron Smith auf dem Platz. Football Outsiders listet die Line in Pass-Protection in der Adjusted Sack Rate (Sacks und Intentional-Grounding-Strafen angepasst an Down, Distanz zum neuen First Down und Gegner) auf dem 14. Platz, das Tape bestätigt das. Prescott steht häufiger unter Druck als im Vorjahr, die beiden Abgänge in der Offensive Line in der Offseason machen sich bemerkbar.
  • Nicht nur die Pass-Protection ist ein Problem - die Receiver sind ein viel größeres Handicap. Dallas' Receiver spielen insgesamt eine ganz schwache Saison, das gilt auch und ganz besonders für Dez Bryant, der inzwischen 17 Regular-Season-Spiele auf eine 100-Yard-Partie wartet. Kaum Separation, kaum Explosivität, keine Geschwindigkeit, keine Downfield-Bedrohung. Das beschreibt das Receiving-Corps der Cowboys aktuell.
  • Der dritte Punkt, der das Passspiel lahmen lässt: Die Play-Designs sind extrem konservativ, risikoarm und unkreativ. Hier gibt es viel zu wenige Downfield-Konzepte, Dinge wie Run Pass Options, Pre-Snap-Motions oder dergleichen werden viel zu selten und mit viel zu wenig Kreativität eingesetzt. Das sorgt dafür, dass das Passspiel äußerst berechenbar und statisch auftritt.
  • Trotzdem muss man Prescott ebenfalls kritisieren. Er spielt auch selbst wahnsinnig konservativ und leistet sich mehr Fehler als in der vergangenen Saison, der deutlich gestiegene Pressure macht sich ganz offensichtlich in seinem Spiel bemerkbar.
  • In der Summe ergibt sich so ein äußerst, äußerst schwaches Passing Game, die Gründe dafür aber nur bei Elliott zu suchen, wäre viel zu einfach. Das Run Game für sich betrachtet nämlich ist sicher nicht das Problem, hier überzeugt die Line und Alfred Morris hatte gegen Atlanta (4,8 Yards pro Run), Philly (5,4) und die Chargers (4) gute Spiele. Morris verzeichnet im Schnitt sogar mehr Yards nach Kontakt (4,7 vs. 2,7) und braucht weniger Runs pro Forced Missed Tackle (5,7 vs. 8,3) als Elliott. Natürlich kann Morris nicht das Komplett-Paket ersetzen, das Elliott mitbringt. Das alleine aber ist definitiv nicht der Grund für die Offensiv-Probleme in Dallas.

Die Cowboys täten, wie gesagt, gut daran, die Augen vor den tatsächlichen Problemen nicht zu verschließen.

Die Offense der Kansas City Chiefs ist kaputt

17 Punkte gegen Dallas, neun gegen die Giants, jetzt zehn gegen Buffalo - um die Chiefs muss man sich inzwischen ernsthafte Sorgen machen. Die Defense war schon in den Wochen davor wacklig, die Offense aber konnte vieles davon überspielen. Eine auf extrem viele Misdirection-Elemente und Täuschungsmanöver aufgebaute Offensive kitzelte aus Alex Smith eine ungewohnte Aggressivität heraus; über die ersten Wochen der Saison war KC das Big-Play-Team der NFL, Alex Smith ein MVP- und Kareem Hunt ein Rookie-des-Jahres-Kandidat.

Statistisch gesprochen: In den Wochen eins bis fünf gelang Kansas City bei 32,7 Prozent der eigenen Drives ein Touchdown. Seither? Bei 11,8 Prozent. Ein schier unglaublicher Abfall, der spätestens nach der Heimpleite gegen die Bills am Sonntag Erklärungsbedarf mit sich bringt. Der Blick auf das Tape verrät einige Dinge.

Zunächst einmal: Man kann einiges, aber nicht alles an Quarterback Alex Smith festmachen. Die Pass-Protection ist noch immer schlecht, inzwischen aber wurde das Run-Blocking davon angesteckt und hat ebenfalls abgebaut. Dazu kommen Drops von Receivern.

Und sonst? Kansas City versucht nach wie vor seine Pre-Snap-Movements, Fakes und das Bewegen der Pocket. Das Problem dabei ist die Tatsache, dass Teams sich darauf eingestellt haben. Es begann mit den Steelers und setzte sich seither fort, vor allem Teams, die wie auch Buffalo primär Zone Coverage spielen, fallen viel seltener auf Fakes und dergleichen herein. Bei Zone Coverage sind die Augen der Verteidiger viel stärker auf den Ball gerichtet als bei Man Coverage, was die Anfälligkeit für Misdirection sowie angetäuschte Pässe und Ballübergaben deutlich verringert.

Mehr als ein Mal schien Buffalo trotz versuchter Ablenkungen genau zu wissen, wo der Ball hingeht. Smith indes wirkt deutlich zögerlicher in der Pocket. Seine Genauigkeit ist wacklig geworden, gegen die Bills hatte er genau eine Deep-Ball-Completion (25 Yards). Er wirft bei Third Down zu kurz und scheint auch seinem Arm nicht mehr zu vertrauen. Das Downfield-Element geht dieser Offense so derzeit komplett ab.

Die Offense der Chiefs ist nicht grundsätzlich kaputt, gerade Play Action funktioniert noch. Was wir aktuell aber sehen, ist, dass die Misdirection, Ablenkungen und diversen Fakes nicht mehr so funktionieren, wie noch zum Start der Saison. Und jetzt merken wir, dass Smith die Offense nicht so einfach tragen kann, wenn das der Fall ist. Das ist ein ernsthaftes Problem. Andy Reid muss also neue Play-Designs auspacken, um Defenses wieder auf dem falschen Fuß zu erwischen.

Gelingt das nicht, werden die Rufe nach Patrick Mahomes lauter werden. Ich glaube nicht, dass Mahomes schon für NFL-Defenses bereit ist, wenn wir von komplexen Reads sprechen. Teams haben aktuell aber viel zu leichtes Spiel, wenn sie KC mit Cover-2 verteidigen und so all die Underneath- und Misdirection-Elemente zerstören. Und das zumindest muss man festhalten: Mahomes könnte Cover-2 tief attackieren, Smith kann das aktuell nicht. Das ist ein elementarer Bestandteil der Offense-Problematik.

Seite 2: Turnarounds, Cousins, Bridgewater, was hätte sein können - eure Fragen

Turnarounds, Cousins, Bridgewater, was hätte sein können - eure Fragen

Johannes Pressler: Was ist das größte "Was wäre wenn...?" dieser Saison?

Hier kommt man nicht um die Houston Texans herum. Was wäre gewesen, wenn Houston nicht drei seiner vier wichtigsten Spieler für die restliche Saison verloren hätte? Die Front hatte mit J.J. Watt, Whitney Mercilus und Jadeveon Clowney die Chance, Gegner komplett zu dominieren. Clowney spielt noch immer auf einem sehr hohen Level, ohne Mercilus und Watt aber fehlt der Front nicht nur individuelle Klasse, sondern vor allem auch die Flexibilität, die den Pass-Rush so gefährlich gemacht hätte.

Das brachte Houston schon in eine schwierige Lage und sorgte dafür, dass die Texans Shootouts gewinnen mussten - Deshaun Watson gab ihnen die Möglichkeit dazu. Die Offense, die Bill O'Brien um ihn herum aufgebaut hatte, war aufregend und spektakulär und es wäre spannend gewesen, zu sehen, wie sich das weiter entwickelt. Die Zukunft für die Texans sieht vielversprechend aus, in einer weitestgehend schwachen AFC aber müssen sich die Fans in Houston schon fragen, was in dieser Saison möglich gewesen wäre.

Mabe: Welches Team schafft 2018 einen ähnlichen Turnaround wie die Saints, Eagles, Rams oder Jaguars in diesem Jahr?

Den 49ers traue ich einen schnellen Turnaround zu, wenn sich Jimmy Garoppolo tatsächlich zügig in der Offense zurechtfindet. Die Niners haben in der Front jede Menge Qualität, um den Run schnell schon deutlich effizienter verteidigen zu können. Offensive Line und Secondary sollten über Draft und Free Agency adressiert werden - und dank des Trades für Garoppolo hat San Francisco vor allem im Draft plötzlich ganz andere Möglichkeiten.

Das darf man nicht unterschätzen, genau wie die Handschrift von Kyle Shanahan, die mit einem fähigen Quarterback immer deutlicher sein wird. Ich denke nicht, dass San Francisco nächstes Jahr schon ein Contender ist. Aber ich glaube, dass die 49ers zum gleichen Zeitpunkt in der kommenden Saison noch mitten im Playoff-Rennen stecken.

Selbstverständlich kann man die Free Agency und den Draft generell nicht vorhersehen, aber ein weiterer Kandidat: Die Indianapolis Colts - natürlich unter der Prämisse, dass Andrew Luck dann endlich wieder zu 100 Prozent fit ist und so in die Saison geht. Die aktuell von Ausfällen geplagte Defense wird sich weiter verbessern, wenn Indy offensiv an der Line arbeitet, kann das mit Luck schnell ein ganz anderes Team sein.

Kai B: Wie geht es für die Browns nach der Saison weiter? Reicht ein Trainerwechsel allein?

In aller Kürze meine Meinung zu den Browns: Ich bin inzwischen davon überzeugt, dass Cleveland den Trainerstab austauschen muss. Das hat nichts mit einer Kurzschluss-Reaktion oder Aktionismus zu tun, sondern ist vielmehr eine über nunmehr längere Zeit gereifte Erkenntnis.

Warum? Weil Hue Jackson in keinster Weise gezeigt hat, dass er mit jungen Quarterbacks umgehen kann. Weil sich das Run Game unter Jackson trotz signifikanter Verbesserungen in die Offensive Line verschlechtert hat. Weil die Defense unter Gregg Williams in puncto Play Calling Woche für Woche schwere Fehler hat. Und weil - zumindest hat sich dieser Eindruck von außen betrachtet manifestiert - zwischen Jackson und der Team-Führung ganz offensichtliche Gräben entstanden sind.

Dieser letzte Punkt ist für sich betrachtet schon ein Rezept für Chaos und Misserfolg. Ich würde die Situation anders betrachten, hätten die Browns spielerisch in den letzten zwei Jahren irgendwelche Fortschritte gezeigt. Gerade offensiv ist das aber überhaupt nicht der Fall. Und so bleibe ich dabei: Die Maßnahmen zur Kernsanierung des Kaders sind richtig und in dieser Hinsicht erkennt man zum ersten Mal seit einer gefühlten Ewigkeit einen mittel- und langfristigen Plan in Cleveland. Dass Jackson und sein Trainerstab dafür die richtigen Coaches sind, dafür gibt es aber keinerlei Argumente.

Ste Sta: Wie hoch schätzt du die Chance auf einen Verbleib von Kirk Cousins in Washington ein?

Gut, dass die Frage kam, darüber hatte ich auch schon nachgedacht. Hat noch jemand den Eindruck, dass ein Verbleib irgendwie wahrscheinlicher wirkt? Letztlich hängt es mutmaßlich an Cousins selbst, der der dickste Fisch auf dem Quarterback-Markt sein wird. Ich erwarte, dass die Jaguars, die sich im Win-Now-Modus befinden, einen intensiven Versuch starten werden: Cousins sollte ein Quarterback-Typ nach Tom Coughlins Geschmack sein und könnte den Jags ein extrem gefährliches Play-Action-Spiel geben.

Aber sonst? Sicher, ein Team wie Cleveland oder auch Denver (das finanziell aber kaum mithalten kann) wird möglicherweise um ihn werben, Buffalo ist ebenfalls ein denkbarer Kandidat. Doch wenn Cousins die Situation sportlich betrachtet: Wo hätte er es besser? In Washington kennt er die Offense und die Coaches, hat eine Top-Line und junge, talentierte Spieler um sich herum wie Doctson oder Thompson. Sollte er sich abseits des Platzes bei den Redskins noch wohlfühlen, glaube ich, dass Cousins nach all den Spekulationen tatsächlich doch in der Hauptstadt bleibt.

Wall_of_Pain: Die Steelers-Defense sieht sogar gegen Green Bay sehr wacklig aus. In Week 15 kommen die Patriots. In der Vergangenheit hat es da immer reichlich Punkte gegeben, schon wenn die Defense in "Normalform" richtig gut war. Droht da aktuell ein Desaster?

Auch wenn das Spiel gegen die Packers erst einmal ernüchternd war - die Ursachen aus Steelers-Sicht sind denke ich eher individuell zu betrachten, als dass man daraus irgendwelche Trends ablesen sollte. Was ich damit meine: Ein sehr aggressiver Ansatz von Pittsburgh auf der einen, unerwartet kreative und vielseitige Play-Designs der Packers (siehe Seite 1) auf der anderen Seite. Schlechte Mischung für die Steelers-Defense.

Viel wichtiger wird sein: Traut sich Pittsburgh, gegen die Patriots mit mehr Man Coverage zu agieren, damit nicht wieder die Zone Coverage von Brady zerpflückt wird? Das ist eine Schlüsselfrage. Die Front sollte gut genug sein, um - ähnlich wie Miami - Brady einige Probleme zu bereiten und auch im Run Game dürften die Räume für New England enger werden. Aus Steelers-Sicht würde ich eher mit Spannung als mit Sorge auf das Duell blicken.

Timo Ezilius: Sind die Chargers plötzlich sogar Favorit auf den Divisionsieg in der AFC West?

Letzte Woche hatte ich die Chargers noch als Wildcard-Team in die Playoffs getippt - da sind sie auch nur noch ein Spiel hinter den Chiefs in der Division. Wenn wir die Situation aktuell beurteilen, dann muss man eigentlich zu dem Schluss kommen: Ja, die Chargers sind der Division-Favorit! L.A. spielt aktuell wirklich gut, hat defensiv mit Bosa, Ingram und Hayward einen starken Kern und offensiv ein extrem vielseitiges, tiefes Receiving-Corps, zwei gute Running Backs und den derzeit mit Abstand besten Quarterback der Division. Bei Kansas City ist deutlich geworden, dass die Probleme tiefer gehen. Und so denke ich, dass wir schon bald einen neuen Tabellenführer im Westen sehen.

Maurice: Wie wird es mit Bridgewater weiter gehen? Keenum spielt zu gut, um den Quarterback-Tausch zu vollziehen, aber es benötigt einen Härtetest, um Teddy zu evaluieren...

Es ist eine sehr schwere Situation in Minnesota, die ich letzte Woche auch schon einmal adressiert hatte - und über Thanksgiving hat sich daran wenig geändert. Daher hier in aller Kürze: Die NFL ist zu schnelllebig, um eine Saison, wie sie die Vikings aktuell spielen, zu riskieren, weil man sehen will, was ein Spieler möglicherweise in der Zukunft bringen kann. Selbst ein Quarterback.

Minnesota muss jetzt das machen, was dem Team die größte Wahrscheinlichkeit gibt, Spiele zu gewinnen. Bei Case Keenum wissen wir, dass er die Offense von Pat Shurmur umsetzen kann und dem Team die Chance auf Siege gibt. Bei Bridgewater, der noch nie unter Shurmur gespielt hat und bei dem niemand weiß, wie Kopf und Körper auf Hits im Spiel reagieren, wissen wir das nicht.

Natürlich ist es ein Spiel mit dem Feuer, da die Vikings unter Umständen mit Bridgewater verlängern könnten, ohne ihn in einem Spiel gesehen zu haben. Aber in dem Szenario gilt: Die anderen 31 Teams haben ihn ebenfalls nicht im Spiel gesehen, und Minnesota kann ihn immerhin täglich im Training beobachten. Das ist nicht vergleichbar mit Live-Action im Ernstfall, aber wenigstens ein Ansatzpunkt, den andere Teams nicht haben. Ich würde es auch nicht ausschließen, dass die Vikings mit Bridgewater eine Einigung über einen stark um Boni herum aufgebauten Vertrag hinzielen.

Oliver Fa: Wie schwer ist es für Teams, die ihren Starting Running Back verlieren, den Backup einzusetzen? Und welche Veränderungen müssen da vorgenommen werden?

Das hängt, simpel gesagt, komplett davon ab, wer der Backup ist! Die große Frage, wenn ein Team einen Leistungsträger verliert, ist für mich immer die: Kann man die Offense (oder die Defense) vom Stil her weiter umsetzen? Oder muss man sich Scheme-technisch komplett umorientieren?

Ein Beispiel: Wenn bei den Jaguars Leonard Fournette ausfällt, rückt Chris Ivory nach. Das ist natürlich was die Leistung und das Potential angeht ein großer Rückschritt - allerdings ist Ivory genau wie Fournette ein Power-Back, ein Back, der seine großen Stärken hat, wenn er vertikal zur Line of Scrimmage laufen darf und nicht groß horizontal herumtänzeln und Lücken lesen muss. Bedeutet: Die Jags können ihre Offense was die Spielzüge und die Plays angeht unverändert lassen.

Das Gegenbeispiel wären die Arizona Cardinals. Nach der Verletzung von David Johnson litt Arizonas Offense enorm. Einerseits natürlich, weil Johnsons individuelle Qualität nicht ersetzbar ist. Andererseits aber eben auch, weil kein Running Back seine komplette Rolle als Runner und Receiver übernehmen kann. Adrian Peterson ist noch immer ein solider Runner, gibt der Offense aber keine Multi-Dimensionalität. Die Cardinals mussten so ihren ganzen offensiven Ansatz überarbeiten, all die Matchup-Plays, bei denen die Cardinals mit Johnson Linebacker im Passspiel attackierten, funktionierten auf einen Schlag nicht mehr.

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