NFL: Third and Long: Warum der Garoppolo-Deal mitnichten zu teuer ist

Die San Francisco 49ers geben Jimmy Garoppolo nach sieben NFL-Starts den teuersten Vertrag der Liga-Geschichte - und machen damit alles richtig. Die Patriots und Josh McDaniels präsentieren sich dagegen unprofessionell, in einem vollgepackten Mailbag geht's in dieser Ausgabe der NFL-Kolumne von SPOX -Redakteur Adrian Franke außerdem um Le'Veon Bell, Division-Prognosen, die Cleveland Browns und vieles mehr!

Die San Francisco 49ers geben Jimmy Garoppolo nach sieben NFL-Starts den teuersten Vertrag der Liga-Geschichte - und machen damit alles richtig. Die Patriots und Josh McDaniels präsentieren sich dagegen unprofessionell, in einem vollgepackten Mailbag geht's in dieser Ausgabe der NFL-Kolumne von SPOX-Redakteur Adrian Franke außerdem um Le'Veon Bell, Division-Prognosen, die Cleveland Browns und vieles mehr!

Seite 1: Warum der Niners-Deal für Jimmy Garoppolo mitnichten zu teuer ist

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Das Josh-McDaniels-Debakel in Indianapolis

Die große Schlagzeile der vergangenen Tage war selbstverständlich die Absage von Josh McDaniels an die Colts. In meinen Augen war das ein äußerst unprofessionelles Verhalten von McDaniels selbst genau wie von den Patriots - ausführlicher habe ich das hier formuliert.

Warum der Garoppolo-Deal nicht zu teuer ist

Ich habe die Reaktion auf Twitter selbst einige Male bekommen und sie noch viel häufiger generell gelesen: Weshalb gibt man Jimmy Garoppolo nach sieben Regular-Season-Starts den höchstdotierten Vertrag der NFL-Geschichte? Hätte man nicht ein Jahr mit dem Franchise Tag arbeiten und dann, wenn Garoppolo seine Leistungen bestätigt, einen langfristigen Deal aushandeln sollen?

Man hätte, ja - doch wäre man dann zweierlei Risiken eingegangen: Einerseits nämlich, dass der Vertrag noch viel, viel teurer ausgefallen wäre, wenn Garoppolo wie erhofft in seiner ersten vollen Saison inklusive Saisonvorbereitung unter Kyle Shanahan noch besser auftritt. Andererseits aber hätte man auch das Risiko in Kauf genommen, dass man möglicherweise in das Kirk-Cousins-Dilemma gerutscht wäre.

Ein Angebot, das dem Spieler beziehungsweise dem Berater nicht gefällt, eine unglückliche öffentliche Aussage - in dieser Dynamik gibt es immer mehr als genug Eitelkeiten und mögliche Fettnäpfchen, welche die Fronten unerwartet schnell verhärten lassen können.

Und ein anderer Faktor spielte hier ebenfalls eine zentrale Rolle: San Francisco war mit über 115 Millionen Dollar an Cap Space in die Offseason gestartet. Eine absurde Zahl, bedenkt man, dass der Salary Cap für 2018 insgesamt bei etwa 180 Millionen Dollar liegt. "Mitgenommener" Cap macht es möglich, die Niners hatten alleine von 2016 auf 2017 fast 40 Millionen Dollar an Cap Space mitgenommen. Finanziell betrachtet gab es unter dem Strich keinen Grund zu warten.

Das führte zu einem wunderbar strukturierten Vertrag, in dem das Gewicht klar auf den frühen Jahren liegt. Heißt im Klartext: Ein vergleichsweise geringer Unterschriftsbonus (1,4 Millionen pro Jahr über die komplette fünfjährige Vertragsdauer), dafür ein enormer Kader-Bonus im ersten Jahr. Das führt dazu, dass Garoppolo San Franciscos Cap 2018 mit 37 Millionen Dollar belastet - was sich die Niners problemlos leisten können.

San Francisco ist damit immer noch in der Top-4 was Cap Space angeht und Garoppolo hat einen absolut vertretbaren Cap Hit über die weitere Vertragsdauer: 20 Millionen 2019, 26,6 Millionen 2020, 25,9 Millionen 2021 und 27 Millionen 2022. Schon nach zwei Jahren könnten die Niners mit nur noch 4,2 Millionen Dollar Dead Cap aus dem Vertrag raus und wenn man die Cap Hits für 2018 betrachtet und den konstant steigenden Salary Cap im Hinterkopf behält, dann sieht Garoppolos Vertrag endgültig wie eine Win-Win-Situation aus.

Quarterbacks mit einem 2018er Cap Hit über 20 Millionen Dollar:

Quarterback Team 2018 Cap Hit (lt. Spotrac)
Jimmy Garoppolo San Francisco 49ers 37 Millionen Dollar
Matt Stafford Detroit Lions 26,6 Millionen Dollar
Derek Carr Oakland Raiders 25 Millionen Dollar
Joe Flacco Baltimore Ravens 24,75 Millionen Dollar
Andrew Luck Indianapolis Colts 24,4 Millionen Dollar
Russell Wilson Seattle Seahawks 23,7 Millionen Dollar
Ben Roethlisberger Pittsburgh Steelers 23,2 Millionen Dollar
Eli Manning New York Giants 22,2 Millionen Dollar
Tom Brady New England Patriots 22 Millionen Dollar
Philip Rivers Los Angeles Chargers 22 Millionen Dollar
Matt Ryan Atlanta Falcons 21,6 Millionen Dollar
Cam Newton Carolina Panthers 21,5 Milionen Dollar
Aaron Rodgers Green Bay Packers 20,5 Millionen Dollar

Mit Garoppolo gehen Stand heute 13 Quarterbacks mit einem Cap Hit von mindestens 20 Millionen Dollar in die kommende Saison. Dazu kommen Kirk Cousins - wo auch immer er letztlich unterschreibt - und Drew Brees, die beide wohl auch die 20 Millionen für 2018 knacken.

Brees steht schon ohne gültigen Vertrag für die kommende Saison mit 18 Millionen Dollar in den Büchern, nur falls beide Seiten sich vor dem Start des neuen Liga-Jahres auf einen neuen Kontrakt einigen, kann sich New Orleans hier etwas Luft verschaffen. Case Keenum könnte ebenfalls in den 20-Millionen-Kreis stoßen, lediglich Ndamukong Suh (26,1 Millionen), Von Miller (22,4 Millionen), Justin Houston (20,6 Millionen) und Muhammad Wilkerson (20 Millionen) durchbrechen aus der Nicht-QB-Riege diese Schallmauer.

Dann gibt es mit den Chiefs (Mahomes), Texans (Watson), Bears (Trubisky), Rams (Goff), Eagles (Wentz), Cowboys (Prescott), Bucs (Winston) und Titans (Mariota) insgesamt acht Teams, deren Stand heute für 2018 prognostizierter Starting-Quarterback noch unter seinem Rookie-Vertrag steht. Die meisten dieser Spieler werden dem 20-Millionen-Klub mit ihrer ersten Vertragsverlängerung mutmaßlich beitreten.

Fazit: Fangt an, Quarterbacks anders zu bewerten

Das führt mich zum Fazit und einer etwas übergeordneten Einschätzung. Man muss einen Quarterback gesondert betrachten, in jederlei Hinsicht - inklusive des Gehalts, der finanziellen Risiko-Bereitschaft und des Cap Hits. Football ist zwar einerseits der ultimative Team-Sport, weil man auf jeder Position vergleichsweise stark von seinen Mitspielern abhängig ist. Das trifft auch auf den Quarterback zu, beispielsweise mit Blick auf die Offensive Line.

Doch kann ein guter Quarterback, und die enorme Veränderung innerhalb der Niners im Laufe der vergangenen Saison ist das beste Beispiel hierfür, sein ganzes Team besser machen. Da sprechen wir einerseits von den schwer messbaren Dingen wie Stimmung, Selbstvertrauen und Motivation eines Teams, andererseits aber auch von ganz sportlichen Aspekten. Man konnte förmlich dabei zuschauen, wie die Offense mit Garoppolo von Woche zu Woche ausgereifter und gefährlicher wurde.

Es ist auch ein Grund dafür, dass die jährlichen MVP-Debatten darüber, ob nicht vielleicht dieses Jahr ein Nicht-Quarterback den Titel gewinnen könnte, in den allermeisten Fällen müßig sind. Der Quarterback ist per se bereits so viel wichtiger als individuell betrachtet jede andere Position, dass es schon einen massiven Leistungsunterschied zwischen den besten Quarterbacks des Jahres und beispielsweise einem Running Back oder Wide Receiver braucht, um hier die MVP-Debatte nach einer vollen Saison ernsthaft loszutreten.

Anders formuliert könnte man auch sagen: Den Einfluss von nahezu jedem Spieler, so gut er auch ist, auf eine Partie kann man über Scheme und Taktiken zumindest zu einem gewissen Grad schmälern. Mit den besten Quarterbacks funktioniert das nicht, oder zumindest ungleich schwieriger. Wer einen der Mid-Level-Quarterbacks wie Andy Dalton, Ryan Tannehill oder Tyrod Taylor hat, ist letztlich immer auf der Suche nach möglichen Alternativen.

Wer einen Quarterback unter diesem Level hat, hat langfristig keine realistische Chance auf höhere Ziele. Auch deshalb war und bleibe ich kritisch gegenüber der Patriots-Entscheidung, Garoppolo zu traden. Für mich war das ein Fehler, man hätte ihn notfalls mit dem Franchise Tag zumindest für die kommende Saison halten sollen.

Der Franchise-Quarterback ist die Premium-Position und man kann es sich nicht leisten, hier zu zocken - zumindest sollte man das nicht. Natürlich ist die Garoppolo-Situation für die 49ers etwas ungewöhnlich, normalerweise hat ein Team einen Quarterback über mehrere Jahre im Team, ehe man eine derartige finanzielle Verpflichtung eingeht. Umgekehrt hatten die Niners das große Glück, für einen vergleichsweise kleinen Trade-Preis einen hochtalentierten Quarterback, der glänzend in Kyle Shanahans Scheme passt, zu bekommen.

Den jetzt auf diese Art und Weise zu binden, war die einzig richtige Entscheidung.

Seite 2: Le'Veon Bell, Division-Prognosen, Browns, 49ers, Cardinals - eure Fragen

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Le'Veon Bell, Division-Prognosen, Browns, 49ers, Cardinals - eure Fragen

Lukas Dilsen: Jetzt wo Jimmy Garoppolo seinen großen Zahltag hatte: Was muss sich bei den 49ers Roster- und Scheme-technisch tun, damit man wieder oben mitspielen kann?

Der erste Blick geht für mich ohne Frage zur Offensive Line. Die Falcons hatten in der historischen 2016er Saison eine überdurchschnittliche Pass-Protection - und vor allem sehr gutes Run-Blocking. Bei all den tollen Pass-Designs und Game Plans, die Shanahan mitbringt, darf man nicht vergessen, dass das Run Game ein elementarer Bestandteil seiner Offense ist.

Nicht umsonst hatte Atlanta 2016 26,3 Runs pro Spiel (Rang 12) bei 4,6 Yards pro Run (Rang 4) und die 2017er San Francisco 49ers (25,5 Runs pro Spiel/4,1 Yards pro Run) sind auf dem Weg in ähnliche Gefilde. Das Zone-Blocking-Scheme, das Shanahan bevorzugt, stellt ganz spezifische technische Ansprüche an die Linemen, ein Grund dafür, dass Shanahan damals unbedingt Center Alex Mack aus Cleveland nach Atlanta holen wollte. Das zu erreichen sowie Garoppolo bestmöglich zu schützen sind Schlüsselfaktoren für die nächsten Jahre in San Francisco.

Darüber hinaus erwarte ich ein Investment in einen Outside-Receiver und - das allerdings eher im Draft - in einen Running Back, der noch besser in Shanahans Offense passt als Carlos Hyde. Was nicht zwangsläufig heißt, dass Hyde keinen neuen Vertrag erhält, in Atlanta ist Shanahan mit dem Duo Freeman/Coleman ebenfalls sehr gut gefahren.

Defensiv ist ganz klar die Cornerback-Position Priorität Nummer eins. Malcolm Butler könnte hier eine Option sein. Falls San Francisco zu dem Schluss kommt, dass Arik Armstead die LEO-Pass-Rusher-Position nicht spielen kann, muss zusätzlich ein Starting-Edge-Rusher her. Ziggy Ansah wäre hier ein denkbarer Kandidat.

amen.dola: Was passiert mit Le'Veon Bell? Erhält er den Franchise Tag? Oder darf er den Markt in der Free Agency testen?

Ein Versuch, die Bell-Situation andersherum aufzudröseln: Ich bin mir relativ sicher, dass Pittsburgh Bell nicht langfristig mit großen Garantien binden wird. Bell wird eine hohe garantierte Summe (ich tippe auf etwa 35 Millionen Dollar) fordern und die Steelers sind zu einem solchen Investment nicht bereit. Dann wäre die große Frage, ob sich beide Seiten doch noch einmal mit dem Franchise Tag zufrieden geben, nachdem Bell diese Möglichkeit ja schon im Vorfeld provisorisch ausgeschlossen hat.

Ich war selbst wieder überrascht, als ich gesehen habe, dass Bell erst 25 Jahre alt ist und seine Fähigkeit, als ein echter Running-Back-Receiver-Hybrid zu spielen, macht ihn wertvoller. Sollten ihn die Steelers auf den Markt kommen lassen, werden Teams mit viel Cap Space Angebote vorlegen, die Pittsburgh zumindest finanziell auf keinen Fall aufwiegen kann oder will.

Die in der Folge für mich wahrscheinlichste Lösung: Pittsburgh einigt sich mit Bell vor dem Start der Free Agency auf einen Vertrag, aus dem die Steelers nach zwei Jahren mit möglichst geringem Dead Cap raus können, sprich der dann auch stark durch Bonus-Zahlungen geprägt ist.

Hoppipolla: Das Division-Thema: Wer kommt hoch, wer stürzt ab? Wo verändern sich die Kräfteverhältnisse? Wird die NFC West die stärkste Division?

Die AFC South ist der heißeste Kandidat, um nochmal einen deutlichen Sprung nach vorne zu machen. In der vergangenen Saison stellte die South zwar schon zwei Playoff-Teams, doch muss man ehrlicherweise konstatieren, dass die Titans eher in die Postseason gehumpelt als gestürmt kamen. Tennessee hatte insbesondere offensiv deutliche Defizite was Play-Designs und die generelle Struktur der Offense anging, auch auf den Skill-Positions gab es mehr Fragen als Antworten.

Beides sollte sich in einer gänzlich anderen, an Mariotas Stärken angepassten Offense unter LaFleur ändern. Die Jaguars-Defense geht nirgendwo hin, die Colts erhalten Andrew Luck in einer neuen Offense zurück und die Texans sollten allein durch die wieder gesunden Watt und Watson in ganz anderen Sphären agieren.

Auch in der NFC North erwarte ich insgesamt mehrere Schritte nach vorne. Bei den Packers offensichtlich durch die Rückkehr von Aaron Rodgers, die Bears werden unter Matt Nagy und Mark Helfrich Mitch Trubisky deutlich nach vorne bringen. Detroit investiert endlich in sein Run Game und stabilisiert sich defensiv, während die Vikings auf dem Papier noch immer eine der besten Defenses der Liga und ein hochtalentiertes Receiver-Duo haben - und ihrerseits Dalvin Cook zurückerhalten.

Eine Division, die ich für 2018 kritisch sehe, ist die AFC West. Die Chiefs sind mit Mahomes offensiv eine Wildcard und werden sich defensiv aus Cap-Gründen wohl von mehreren langjährigen Säulen trennen. Die Raiders unter Gruden sind eine noch größere Unbekannte und dürften Zeit brauchen, bei den Chargers weiß man trotz aller Qualität nie, was man bekommt. Und Denver? Gelingt es den Broncos nicht, Kirk Cousins zu verpflichten, werden wir viele der aus der vergangenen Saison bekannten Probleme wiedersehen.

Christian und tschosh: Holen sich die Cleveland Browns einen Quarterback im Draft? Oder holen sie sich einen Veteran und verstärken mit ihren Draft-Picks ihre Offense? Falls die Browns ihren Quarterback in der Free Agency bekommen, geben sie ihren Nummer-1-Pick gegebenenfalls ab?

Cleveland wird, genau wie Teams wie Arizona und Denver, in das Cousins-Wettbieten einsteigen und hat von allen Kandidaten mit Abstand am meisten Geld zur Verfügung. Sollte es Cousins nur darum gehen, wäre er am 14. März ein Brown - doch, und da bin ich mir sehr sicher, geht es ihm eher um andere Dinge.

Cousins ist, nachdem er zwei Jahre in Folge den Franchise Tag erhalten hat und in Washington nie die volle Unterstützung der Team-Bosse hatte, auf der Suche nach einerseits der idealen Situation und andererseits nach einem Team, das komplett hinter ihm steht. Das mag in Cleveland der Fall sein, ein Musterbeispiel für Stabilität sind die Browns, nicht zuletzt nach dem erneuten Kurswechsel in der Team-Führung, nicht gerade.

Bekommen die Browns Cousins nicht, sollten sie den Nummer-1-Pick definitiv in ihren Quarterback der Zukunft stecken. Bekommen sie Cousins aber, sollten sie den Top-Pick in jedem Fall traden. Der wäre dann von immensem Wert für viele Teams und könnte Cleveland in der Endabrechnung mehrere Starter bescheren. Die Browns können in der Free Agency aggressiv vorgehen und einige dicke Fische mit Frontloaded-Verträgen - strukturell vergleichsweise mit Garoppolo - binden. Der enorme Cap Space gibt es her.

Flo: Vor der Saison galten die Bucs und die Titans als mögliche Überraschungsteams, am Ende waren es die Rams und die Eagles. Lehrt uns das, mehr darauf zu schauen, wie Head Coach und Kader (Quarterback?) zusammenpassen, und nicht immer nur die individuelle Kaderqualität anzuschauen?

Das sollte generell immer ein zentraler Aspekt sein. Gerade wenn wir von jungen Quarterbacks sprechen, kann deren Leistung genau wie die mittel- und langfristige Entwicklung komplett unterschiedlich verlaufen, je nachdem, wer sie coacht. Der Jeff-Fisher-Goff und der Sean-McVay-Goff sind ein deutliches Beispiel hierfür, gerade die beiden angesprochenen Bucs und Titans zeigen, wie es umgekehrt aussehen kann.

Es ist ein Grund dafür, dass ich bei den Browns und Hue Jackson so kritisch war. Wie kann man Jackson einen weiteren jungen Quarterback anvertrauen, nach dem was er in diesem Jahr auf und abseits des Platzes mit Kizer gemacht hat?

Der junge (Rookie-)Quarterback, der zum Franchise-Quarterback werden soll, ist für jedes Team der mit Abstand wichtigste Spieler. Ihn gilt es mit oberster Priorität zu entwickeln, anstatt ihn in ein Scheme zu stecken, in das er nicht passt. Die Texans mit Watson sind ein Musterbeispiel dafür, was dann möglich sein kann. Gelingt das, wird alles andere einfacher.

Umgekehrter Blickwinkel: Die Browns hatten in der vergangenen Saison definitiv keinen 0-16-Kader. Kizers schlechte Leistungen in einem viel zu schwierigen Scheme verhinderten aber, dass es zumindest den einen oder anderen Sieg gab.

James Bradawick: Zu den Cardinals. Die waren ja in letzter Zeit kein Team, das Quarterbacks im Draft geholt und entwickelt hat (siehe Palmer, Warner) und mit Mike McCoy haben sie jetzt einen Offensive Coordinator, der oft und gut mit Routiniers gearbeitet hat. Erwartest Du also einen Free-Agent-Quarterback und wenn ja: wen?

Bisher war aus Arizona immer wieder zu hören, dass das Quarterback-Thema aggressiv angegangen werden soll. Und genau das erwarte ich auch. Steve Keim und Steve Wilks wissen beide, dass sie hier eine stabile Lösung brauchen, damit der neue Head Coach eine faire Chance erhält.

Ich sehe deshalb zwei Szenarien: Arizona wird um Kirk Cousins mitbieten, ich aber sehe Cousins nach wie vor in Denver. In dem Fall wird man versuchen, eine solide Übergangslösung zu finden - das könnte etwa ein Sam Bradford sein, auch einen Trade für Nick Foles (von dem ich persönlich nach wie vor abraten würde) kann man hier sicherlich nicht ausschließen. So oder so wäre diese Übergangslösung der Platzhalter für den Rookie, der in diesem Szenario in der ersten Draft-Runde, mutmaßlich nach einem Trade nach oben, geholt wird.

So oder so, die Cardinals haben, nachdem sie im Vorjahr im Draft kalt erwischt und ihnen mindestens Patrick Mahomes, möglicherweise auch Deshaun Watson (bei Mahomes hatten sie definitiv Interesse, Watson ist nicht ganz klar) vor der Nase weggeschnappt wurde, ihre Lektion gelernt. Die Situation aktuell ohne Quarterback unter Vertrag für 2018 ist ungewöhnlich und fordert ein aggressives Vorgehen. Das werden Keim und Wilks auch an den Tag legen.

Robin Schüßler und aaronfalke: Sollten die Packers Nelson oder Cobb entlassen beziehungsweise die Verträge umstrukturieren, um einen neuen, jungen Wide Receiver neben Adams aufzubauen? Und was hältst Du davon, wenn die Packers Clay Matthews wieder auf die Inside-Linebacker-Position stellen, anstatt ihn zu entlassen, wie das viele fordern?

Bei jedem anderen Team würde ich dazu raten, Nelson zu entlassen. Der Cap Hit würde von 12,5 auf 2,3 Millionen Dollar fallen und Nelson hat physisch einfach merklich abgebaut. Aber: Der Draht zu Aaron Rodgers, den der 32-Jährige hat, ist so einfach nicht reproduzierbar. Trotzdem würde ich versuchen, den Vertrag umzustrukturieren und sein Base Salary (9,25 Millionen Dollar) zu reduzieren. Einen Cap Hit in Höhe von 12,5 Millionen Dollar ist Nelson nicht mehr wert.

Cobb (Cap Hit: 12,7 Mio.; Dead Cap bei Entlassung: 3,25 Mio.) schätze ich etwas anders ein. Einerseits ist er fünf Jahre jünger als Nelson, andererseits zähle ich ihn noch immer zu den gefährlicheren Slot-Receivern. Cobb war auch mit Brett Hundley noch vergleichsweise solide und gibt den Packers ein wichtiges Underneath-Speed-Element. In jedem Fall sollte Green Bay versuchen, mindestens einen der beiden Cap Hits deutlich runter zu schrauben: Unter den teaminternen Top-7 Cap Hits für 2018 sind alle drei Receiver (Cobb, Nelson und Adams) vertreten.

Bei Matthews glaube ich tatsächlich, dass die Zeit zur Trennung gekommen ist. Die Verletzungen haben ihren Tribut gefordert und auch wenn er intern fraglos einer der Leader ist: Sein Cap Hit über 11,3 Millionen Dollar wird nur von Rodgers, Cobb und Nelson übertroffen. Die Packers könnten ihn ohne Dead Cap entlassen. Matthews ist längst nicht mehr der gefürchtete Pass-Rusher, der er einst war und als Inside Linebacker ist er solide - aber nicht in diesen preislichen Sphären zuhause.

David Müller: Die Panthers und Norwell: Kann man, gerade bei der restlichen O-Line, so jemanden gehen lassen? Gibt man ihm den Franchise Tag? Wie passt er in Turners Scheme und was wären Alternativen?

Kurze Antwort: Nein. Lange Antwort: Norv Turners Offense ist primär durch die Air-Coryell-Offense geprägt, deren Kernelemente sind: tiefe Dropbacks, lange Pässe zu großen, physischen Receivern und in Kombination damit ein Power Run Game. Selbst wenn man sich nur einen dieser Aspekte herausgreifen würde, dann ist schnell klar: Gutes O-Line- und gerade Guard-Play ist unabdingbar.

Um die tiefen Dropbacks zu erlauben, darf die Line keinen schnellen Inside-Pressure zulassen und in einem Power-Run-Game haben die Guards häufig eine wichtige Rolle unter anderem als Pull-Blocker. Norwell hat in der vergangenen Saison laut Pro Football Focus keinen einzigen Sack oder Quarterback-Hit sowie insgesamt lediglich 15 Pressures (bei 1140 Snaps inklusive Playoffs) zugelassen und war - wie gewohnt - ein sehr guter Run-Blocker.

Während die oben genannten Kernelemente der Air-Coryell-Offense Newton gut zu Gesicht stehen sollten, ist die vielleicht größte Frage die: Wie plant Turner mit seinem Quarterback im Run Game? Die vergangene Saison hat gezeigt, wie wichtig dieses Element für Newton und die ganze Offense war. Soll Newton etwas mehr aus der Pocket heraus agieren, können es sich die Panthers in Turners Scheme noch weniger leisten, eine wacklige Offensive Line zu haben. Allerdings glaube ich, dass Carolina einen Deal für Norwell finanziell nicht hinbekommt.

Rene Langer: Wird es von Dir einen Mock-Draft geben? Und besteht die Möglichkeit, dass Du diesen mit einer Art Free-Agency-Mock kombinierst?

Als kleiner Ausblick auf das, was ihr erwarten dürft: Normalerweise gibt es von mir immer nur einen Mock-Draft, ganz am Ende meiner Draft-Recherche - vor der Free Agency beachte ich Mocks generell kaum, weil sich da einfach noch so viel verändert und wenn dann die dicken Free-Agency-Fische das Boot wechseln, kann man die allermeisten Mocks komplett wegwerfen.

Was es hier bei SPOX aber in jedem Fall geben wird, sind diverse Überblicks über Team-Needs, angehende Free Agents und mögliche Team-Fits sowie dann in der Draft-Coverage intensive Analyse mehrerer Spieler. Und ja - auch mindestens einen Mock!

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