NFL: Third and Long: Free Agency Analyse - Manziel zu den Patriots?

Nachdem - jetzt auch mit Ndamukong Suh - die teure Phase der Free Agency endgültig beendet ist, rückt eine alljährliche Fragestellung in den Fokus: Wie sinnvoll ist es eigentlich, Mitte März viel Geld auszugeben? SPOX -Redakteur Adrian Franke beleuchtet diese Frage in der SPOX -NFL-Kolumne. Außerdem: Könnte Johnny Manziel bei den Patriots landen? Welche Quarterback-Optionen gibt es hinter den Top-Kandidaten im Draft, und wie aggressiv sollten Teams auf Quarterback-Suche vorgehen?

Nachdem - jetzt auch mit Ndamukong Suh - die teure Phase der Free Agency endgültig beendet ist, rückt eine alljährliche Fragestellung in den Fokus: Wie sinnvoll ist es eigentlich, Mitte März viel Geld auszugeben? SPOX-Redakteur Adrian Franke beleuchtet diese Frage in der SPOX-NFL-Kolumne. Außerdem: Könnte Johnny Manziel bei den Patriots landen? Welche Quarterback-Optionen gibt es hinter den Top-Kandidaten im Draft, und wie aggressiv sollten Teams auf Quarterback-Suche vorgehen?

Seite 1: Die große Free Agency Analyse: Hilft viel ausgeben auch wirklich viel?

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Free Agency: Lohnen sich teure Shopping-Touren?

Jahr für Jahr ist es ein spannender Diskussionspunkt: Lohnen sich teure Free-Agency-Shoppingtouren - oder macht es hier mehr Sinn, die Füße still zu halten? Was ist der "richtige" Ansatz, wenn man an die Free Agency herangeht und was ist erfolgsversprechender?

Die kurze Antwort wäre: Wie so häufig gibt es keine allgemein gültige Formel. Andernfalls würde jedes Team diese ja einfach befolgen. Der Salary Cap ist seit 2013 um stolze 40 Prozent gestiegen, von 123 Millionen Dollar 2013 bis auf 177,2 Millionen Dollar in diesem Jahr. Ein drastischer, einschneidender und ungewöhnlich konstanter Anstieg, auf den sich auch die Teams erst einstellen mussten.

Das hatte ganz unterschiedliche strategische Auswirkungen zur Folge, vor allem aber gibt es uns inzwischen einen Datensatz, mit dem man arbeiten kann. Um einige Tendenzen im Umgang der Teams mit der Free Agency zu erkennen, sowie die Folgen aus aggressivem und konservativem Verhalten besser einschätzen zu können, habe ich die letzten fünf Jahre unter die Lupe genommen - mit wiederkehrenden Teams an beiden Enden des Spektrums.

NFL Free Agency Modell 1: Die Big Spender

Wer das Gefühl hat, dass Jacksonville seit Jahren konstant unverhältnismäßig viel Geld in der Free Agency ausgibt, der, nunja, der hat völlig Recht. Es hat inzwischen gar fast groteske Züge angenommen.

Jacksonville stand 2014 (112,9 Mio./Rang 4), 2015 (176,4 Mio./Rang 2), 2016 (230 Mio./Rang 1) und 2017 (178,8 Mio./Rang 1) in der Top-4 was Ausgaben in der Free Agency (aufgelistet wird das gesamte Volumen der in der Free Agency herausgegebenen Verträge) angeht. Und das bekanntermaßen mit zweifelhaftem Erfolg: Jacksonville kam zwischen 2014 und 2016 nicht über fünf Siege in einer Saison hinaus (3,5,3).

Dazu gehörten desolate Free-Agency-Klassen, wie etwa die 2015: Mit Dan Skuta (5 Jahre, 20,5 Mio.), Julius Thomas (5 Jahre, 46 Mio.), Davon House (4 Jahre, 24,5 Mio.) und Jared Odrick (5 Jahre, 42,5 Mio.) wurde viel Geld in Spieler investiert, die sich schnell als Fehleinkäufe entpuppten.

Die Top-Free-Agency-Shopper seit 2013:

Jahr Team Ausgaben Free Agency Gesamtvolumen (Salary Cap) Bilanz Vorjahr Bilanz Saison nach der FA
2013 Miami Dolphins 159,9 Millionen Dollar (123 Mio.) 7-9 8-8
2014 Tampa Bay Buccaneers 152,4 Millionen Dollar (133 Mio.) 4-12 2-14
2015 New York Jets 182,8 Millionen Dollar (143,28 Mio.) 4-12 10-6
2016 Jacksonville Jaguars 230 Millionen Dollar (155,27 Mio.) 5-11 3-13
2017 Jacksonville Jaguars 178,8 Millionen Dollar (167 Mio.) 3-13 10-6 (Playoffs)

Unter dem Strich lassen sich bei den spendierfreudigen Teams drei Oberkategorien erkennen. Es gibt einerseits die Teams, die über einen gewissen Zeitraum nur wenig Erfolg im Draft und dementsprechend einerseits Geld (weil Verträge nicht verlängert wurden) und andererseits auch viele Löcher haben. Die Jaguars fallen fraglos in diese Kategorie, die Dolphins 2013 wollten ebenfalls krampfhaft nach oben - und boten für Spieler wie Mike Wallace, Dannell Ellerbe und Philip Wheeler viel zu viel Geld. Man wollte sich in gewissem Maße den erweiterten Team-Kern kaufen und setzte auf die komplett falschen Pferde.

Kategorie Nummer zwei sind die Teams, die einen bestimmten Bereich ihres Teams drastisch und aggressiv angehen, dabei aber zu häufig die langfristige Perspektive aus dem Blick verlieren. So gelang es den Jets 2015, mit den Verpflichtungen von Darrelle Revis, Antonio Cromartie, Marcus Gilchrist und Buster Skrine mal eben die komplette Secondary zu überholen. Im Gegenzug gab es eine gute Saison, in der man die Playoffs nur haarscharf verpasste - gefolgt von dem dann nötigen kompletten Umbruch und somit wieder Zeit im Keller.

New York war damals weit davon entfernt, ein Contender zu sein und umso drastischer war schließlich der Absturz. Allerdings gibt es auch die positiven Beispiele: In die Kategorie Nummer drei nämlich zähle ich hier die Teams, die sich durch eine aggressive Free Agency in den Kreis der Contender bringen.

Das beste Beispiel dafür sind fraglos die Broncos. Denver rangierte 2014 mit Ausgaben in Höhe von 127,6 Millionen Dollar auf dem zweiten Platz - und das bei nur sieben Free-Agency-Verpflichtungen. Zum Vergleich: "Spitzenreiter" Tampa einigte sich in dem Jahr mit 24 Free Agents. Dafür aber kamen mit Aqib Talib, T.J. Ward, DeMarcus Ware und Emmanuel Sanders auch Säulen des Teams, das 2015 schließlich den Super Bowl gewinnen sollte.

Die Giants versuchten 2016 ein ähnliches Modell und legten in der Free Agency die Basis für den Playoff-Einzug: Damon Harrison (5 Jahre, 46,25 Mio.), Janoris Jenkins (5 Jahre, 62,5 Mio.) und Olivier Vernon (5 Jahre, 85 Mio.) gaben einer New Yorker Defense ohne Biss eine Identität. Jacksonville stand jetzt zwei Mal nacheinander ganz oben, doch kann man klar sagen, dass ohne die Vorjahres-Verpflichtungen von Calais Campbell, A.J. Bouye und Barry Church die dominante Defense der vergangenen Saison - und damit auch die Playoff-Teilnahme - nicht zustande kommt.

Das Gegenbeispiel: Indianapolis wähnte sich 2013 im zweiten Jahr mit Andrew Luck bereit für den großen Wurf und landete mit Ausgaben in Höhe von 142,8 Millionen Dollar auf Rang 2 hinter Miami. Doch waren hier massive Fehlkäufe dabei: Right Tackle Gosder Cherilus (5 Jahre, 35 Mio.), Defensive Tackle Ricky Jean Francois (4 Jahre, 22 Mio.) und Safety LaRon Landry (4 Jahre, 24 Mio.) waren nur je zwei Jahre in Indy.

Die richtige Spieler-Evaluierung ist hier natürlich zentral, so oder so aber sind Beispiele wie Denver nach wie vor die absolute Ausnahme. Zu häufig nämlich versuchen schlechte Teams einige ihrer Baustellen mit viel Geld zu stopfen, während anderswo die Problemzonen bleiben. Und zu häufig betrifft das ganz konkret die Quarterback-Position, so dass die Free-Agency-Shoppingtour zum Tropfen auf dem heißen Stein wird.

NFL Free Agency Modell 2: Winterschlaf

Jahr Team Ausgaben Free Agency Gesamtvolumen Bilanz Vorjahr Bilanz Saison nach der FA
2013 Dallas Cowboys 11,5 Millionen Dollar 8-8 8-8
2014 Cincinnati Bengals 8,9 Millionen Dollar 11-5 10-5-1
2015 Green Bay Packers 5,8 Millionen Dollar 12-4 10-6
2016 Carolina Panthers 14,4 Millionen Dollar 15-1 6-10
2017 Cincinnati Bengals 14,6 Millionen Dollar 6-9-1 7-9

Das krasse Gegenbeispiel sind die Teams, die sich Mitte März scheinbar im tiefsten Winterschlaf befinden. Green Bay gehörte lange zu dieser Gruppe, Pittsburgh ebenso. Hier wird das Bild schon schwieriger zu interpretieren, ein paar Schlüsse aber lassen sich doch ziehen.

Das gilt insbesondere, wenn man den Blick etwas erweitert und die knausrigen Teams der vergangenen fünf Jahre unter die Lupe nimmt.

Die Top-5 der niedrigsten Free Agency Ausgaben waren:

2013: Dallas, Pittsburgh, Carolina, Green Bay, Jacksonville (alle unter 18 Mio.)

2014: Cincinnati, Kansas City, Seattle, Chargers, Houston (alle unter 33 Mio.)

2015: Green Bay, Pittsburgh, Detroit, Minnesota, Carolina (alle unter 23 Mio.)

2016: Carolina, Buffalo, San Francisco, Green Bay, Cincinnati (alle unter 19 Mio.)

2017: Cincinnati, Kansas City, Houston, Oakland, Seattle (alle unter 26 Mio.)

Was sofort auffällt: Fast jedes einzelne dieser Teams hatte zum Zeitpunkt der jeweiligen Free Agency seinen Franchise-Quarterback - zumindest nach eigener Einschätzung - bereits gefunden.

Das macht einerseits gewisse Dinge einfacher, mit einem Franchise-Quarterback können Löcher viel leichter gestopft und mögliche Defizite viel einfacher überspielt werden. Auch fällt auf, dass hier einige der kompletteren Kader der vergangenen Jahre aufgelistet sind.

Gleichzeitig aber kann man ebenso konstatieren: Teams ziehen die falschen Schlüsse, wenn sie ihren Franchise-Quarterback haben. Oder anders gesagt: Sie werden zu bequem und zu konservativ.

Bei den Packers habe ich das bereits mehrfach kritisiert, Green Bay hat es über Jahre nicht geschafft, den eigenen Kader vernünftig mit einzelnen Hochkarätern zu komplettieren und so das Titelfenster weiter aufzustoßen, so lange man Aaron Rodgers noch hat.

Ein Beispiel hätten sich die Packers an den Super-Bowl-Siegern der vergangenen Jahre nehmen können. Denn hier wird ein klares, sich wiederholendes Muster deutlich. Ein Muster, welches Green Bay in diesem Jahr mit Jimmy Graham und Mo Wilkerson möglicherweise ebenfalls übernimmt.

Die Super Bowl Champions der vergangenen Jahre

Aufgelistet sind die jeweiligen Free-Agency-Ausgaben in der Free Agency direkt vor der Super-Bowl-Saison.

Saison Team Ausgaben FA Gesamtvolumen (Rang ligaweit) Bilanz Vorjahr Bilanz Saison nach der FA
2013 Seattle Seahawks 26,01 Millionen Dollar (26) 11-5 13-3
2014 New England Patriots 68,34 Millionen Dollar (15) 12-4 12-4
2015 Denver Broncos 34,14 Millionen Dollar (27) 12-4 12-4
2016 New England Patriots 39,54 Millionen Dollar (22) 12-4 14-2
2017 Philadelphia Eagles 50,61 Millionen Dollar (21) 7-9 13-3

Was sticht heraus? Zunächst einmal, wie eng die Platzierungen im Liga-Gesamtbild doch beieinander liegen. Vier Mal zwischen 21 und 26, lediglich die 2014er Patriots waren der Ausreißer nach oben. Der Reihe nach:

2013: Seattle war zwar sparsam, landete aber zwei Volltreffer: Michael Bennett (1 Jahr, 4,8 Mio.) und Cliff Avril (2 Jahre, 13 Mio.) sollten die Defensive Line sowie den Pass-Rush der Seahawks über Jahre prägen.

2014: Die Anomalie dieser Liste, die aber leicht zu erklären ist. New England kaufte sich damals mit Brandon Browner und Darrelle Revis ein neues Starting-Cornerback-Duo ein, welches individuell und schematisch großen Anteil am Trimuph hatte.

2015: Denver gab zwar im Titel-Jahr nicht viel aus, hatte aber im Jahr davor mit Aqib Talib, T.J. Ward, DeMarcus Ware und Emmanuel Sanders kräftig eingekauft und das zweitmeiste Geld ausgegeben (127,6 Mio. Dollar)

2016: Gezielte Verstärkungen prägen bei den Pats 2016 das Bild: Chris Hogan, Chris Long, LeGarrette Blount.

2017: Und auch Philly verstärkte seinen Kader punktuell äußerst sinnvoll. Unter anderem mit Alshon Jeffery, Torrey Smith, LeGarrette Blount, Patrick Robinson und natürlich Nick Foles.

Free Agency Fazit: viel hilft manchmal viel

Man kann bei der Betrachtung der Free Agency nur schwer Teams über einen Kamm scheren - zu unterschiedlich sind die letztlich die Voraussetzungen. Aber gewisse Trends lassen sich doch erkennen. Etwa, dass ein sehr aggressives Vorgehen nur dann Sinn macht, wenn das Team schon mehrere Puzzleteile für den ganz großen Wurf bereit hat - so wie Denver 2014 und 2015. Das abschreckende Beispiel hierfür bleiben die Jets.

Allerdings sollten Teams aus den vergangenen fünf Jahren, die mit Blick auf den Salary Cap für alle Teams Neuland waren, auch andere Lektionen mitnehmen. Ein Contender mag nicht in der Free Agency entstehen, sehr wohl aber erfährt er hier den finalen Schliff. Das zeigen alle Super-Bowl-Champions der vergangenen Jahre.

Die Prime-Jahre eines Elite-Quarterbacks zu verschwenden, weil man glaubt, eben aufgrund dieses Quarterbacks sparsam vorgehen zu können, ist dagegen eine grobe Fehleinschätzung. Das soll kein blinder Aufruf zum wilden Ausgeben sein, eher die Aufforderung zu punktuell mehr Mut. Wer seinen Quarterback aber noch nicht gefunden hat, wird in der Free Agency höchstwahrscheinlich keinen Contender aufbauen. So sehr es Jacksonville auch versucht.

Abschließend gibt es passend dazu noch eine dritte Kategorie der spendierfreudigen Teams, und die wird in diesem Jahr - mit dem Cap auf seinem vorläufigen Höhepunkt und Cap-Rollover der vergangenen Jahre als großer Bestandteil der Free Agency - so richtig deutlich: Dabei handelt es sich um die Teams, die dem Quarterback, in den sie Geld oder Pick(s) investiert haben und in dem sie ihren Franchise-Quarterback sehen, zum nächsten Schritt verhelfen wollen.

Chicago ist das deutlichste Beispiel: Die Bears führen die laufende Free Agency in puncto Vertrags-Gesamtvolumen deutlich an (216,9 Millionen Dollar), mit Allen Robinson, Taylor Gabriel und Trey Burton wurde hier aber auch kräftig in das Waffenarsenal von Mitch Trubisky investiert. Die Titans (128,5 Mio./Platz 4) gehen mit Josh Kline und Dion Lewis bei Marcus Mariota in eine ähnliche Richtung, genau wie San Francisco (121 Mio./Rang 6) mit Weston Richburg und Jerick McKinnon bei Jimmy Garoppolo.

Und die Jaguars? 171 Millionen Dollar bringen Jacksonville hinter Chicago und den Jets auch in diesem Jahr aufs Treppchen.

Seite 2: Manziel zu den Patriots? Quarterback-Trades? Draft? Eure Fragen

Manziel zu den Pats? Quarterback-Trades? Draft? Eure Fragen:

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Federfussball Phil: Wäre Johnny Manziel nicht ein Kandidat für die Patriots? Also natürlich nur, wenn er sein Leben wirklich geordnet hat.

Zunächst vorneweg: Manziel scheint tatsächlich voll darauf fokussiert, einen Weg zurück in die NFL zu finden. Ob seine privaten Probleme wirklich der Vergangenheit angehören, ist von außen betrachtet unmöglich final zu beantworten. Den Anschein jedenfalls hat es.

Vor diesem Hintergrund bleibt die Tatsache, dass Manziel einen riesigen Medien-Zirkus mitbringen wird. Egal, wo er hingeht. Das ist grundsätzlich bei den Patriots überhaupt nicht gerne gesehen, andererseits hat New England vor einigen Jahren für eine Weile Tim Tebow unter Vertrag genommen.

Sportlich betrachtet sehe ich den Fit aber überhaupt nicht. Die Patriots können sich eine dritte, günstige Quarterback-Option hinter Brady und Hoyer im Draft holen und langsam aufbauen. Eine, die besser in ihr Scheme passt, als das bei Manziel der Fall wäre. Sprich: Ein Rhythmus-Timing-Passer mit guter Technik, schnellem Release und hohem Spielverständnis. All diese Eigenschaften waren nicht gerade Manziels Qualitäten.

Manziel benötigt: Ein Team mit klarer Hierarchie und klaren Leadern. Einen Head Coach mit deutlicher Autorität. Und einen unumstrittenen Starting-Quarterback.

Zunehmend bin ich davon überzeugt, dass Manziel aber im Laufe des Sommers eine Chance bekommt. In der CFL ohnehin, aber es ist durchaus denkbar, dass das auch in der NFL klappt. Ich denke dabei an Teams wie Seattle, Houston oder auch Dallas: Teams, die einen klaren Starter in Position haben, die gezeigt haben, dass ihre Offense eher zu Manziel passen kann und die keinen soliden Backup haben.

Julius Kowalski: Wie siehst du die Quarterbacks spät im Draft? Bringt da einer genug Upside mit, um eventuell bei den Pats irgendwann für Tom Brady zu übernehmen? Lauletta und Falk werden in dem Zusammenhang immer wieder genannt. Und wie glaubst du, stellt sich das Receiving Corps in NE auf? Momentan sind es 10 Wide Receiver.

Lauletta ist der Name, den ich immer wieder mit den Patriots in Verbindung bringe. Bringt schon eine gute Portion an Spielintelligenz mit, genau wie eine gute Beinarbeit und solides Timing. Sein Arm wird niemals in die NFL-Elite gehören - doch benötigt das ein Patriots-Quarterback, sofern wir vom aktuellen Scheme ausgehen, auch gar nicht. Von allen Kandidaten - Mike White oder Luke Falk wären ebenfalls Mid-Round-Optionen - passt Lauletta am ehesten nach New England.

Zu den Receivern: Da würde ich die Zahl nicht überbewerten. Britt, Cooks, Edelman, Hogan und Mitchell sind erst einmal die interessanten Namen, Matthew Slater und ich vermute zumindest weitestgehend auch Cordarrelle Patterson werden wir nahezu ausschließlich im Special Team sehen.

Manuel und Karsten: Sollen die Bills wirklich Haus und Hof verkaufen für einen der Top-Rookie-Quarterbacks? Oder sollten sie lieber die notwendigen Verjüngungen und Verstärkungen des Teams (Wide Receiver, Linebacker etc.) angehen? Es handelt sich bei den zur Auswahl stehenden ja eher um Projekte, direkt helfen würden aber sicher u.a. Barkley, Chubb, Fritzpatrick, Webb. Wäre es nicht sinnvoller, Spieler nach Qualität und Bedarf zu draften?

Zwar bezieht sich die erste Frage konkret auf Buffalo, während die zweite Frage einen allgemeineren Ansatz hat. Allerdings kann man beide gut unter einen Hut packen: Ich bin grundsätzlich ein großer Fan davon, den besten verfügbaren Spieler auf dem eigenen Board auszuwählen. Allerdings kommt das immer mit dem Zusatz, dass der Quarterback über dieser Regel steht.

Teams ohne Franchise- beziehungsweise in etwa Top-12-Quarterback sind hier, wenn wir vom ultimativen Ziel des Titels sprechen, immer massiv im Nachteil. Man kann versuchen, ein sehr gutes Team aufzubauen und dann zu hoffen, dass man irgendwie um das Quarterback-Vakuum herum coachen kann. Dieser Ansatz aber setzt ja auch erst einmal voraus, dass die hohen Draft-Picks dann auch einschlagen und dass der Supporting Cast so stark ist, dass das Quarterback-Defizit tatsächlich aufgefangen werden kann.

Doch selbst dann ist die Position zu dominant, zu wichtig, als dass man sich ihrer Bedeutung dauerhaft entziehen und langfristig "anders" gewinnen kann. Das bedeutet nicht, dass man ziellos Geld und Draft-Picks in Quarterbacks investieren soll. Aber es bedeutet sehr wohl, dass der Preis insbesondere in Form von Draft-Picks eigentlich nicht zu hoch sein kann, wenn man sicher ist, dass man den Franchise-QB gefunden hat.

Und natürlich ist es teuer, den Quarterback zu bekommen. Man muss immer eine "Steuer" zahlen: Sei es finanzieller Natur - wie die Vikings gerade bei Cousins - oder sportlicher Natur - wie Cleveland mit seiner verheerenden Saison - oder eben in Form von Draft-Pick-Trades, so wie Philly für Wentz, wie die Rams für Goff, wie Chicago für Trubisky und wie (mutmaßlich) die Jets und die Bills in diesem Jahr. Das bringt die Gewichtung der Position schlicht mit sich.

Niklas Fehlemann und Nico Bellic: Wie schätzt du die Situation um Lamar Jackson ein? Welches Team könnte Sinn machen, und seine Offense an ihn anpassen? Wie wahrscheinlich siehst du es, dass er aus der Ersten Runde fällt? Was hältst du von den Gerüchten, dass Houston sich Lamar Jackson holen will, falls er soweit fällt?

Der Punkt mit Jackson ist: Ihn zu draften macht nur Sinn, wenn man bereit ist, sein System an ihn anzupassen. Der erste Vergleich hier ist Deshaun Watson, für den Houston seine Offense drastisch umbaute. Jackson wird noch an seiner Technik arbeiten müssen, um ein konstanterer Passer zu werden, doch wenn ein Team gewillt ist, seine spektakuläre Athletik mit in das Scheme einzubauen, wird ihm die Anpassung an die NFL leichter fallen.

Wer käme dafür in Frage? Möglicherweise schlägt ein Team wie Baltimore oder die Chargers zu, um Jackson perspektivisch aufzubauen. Davon ausgehend, dass Buffalo mit seiner Pick-Munition noch weiter nach oben geht, könnte Arizona aber in beiderseitigem Interesse der passendste Kandidat sein.

In dem Szenario nämlich würden die Cardinals, die dringend eine langfristige Quarterback-Lösung brauchen, bei den Top-4-Passern wohl definitiv außen vor bleiben. Jackson wäre dann die bestmögliche "übrige" Option - und Arizona ist unter neuem Offensive Coordinator und mit mehreren Bereichen der Offense im Umbruch in der Lage, sein Scheme perspektivisch an Jackson anzupassen. Da es einen frühen Run auf Quarterbacks geben wird, gehe ich davon aus, dass Jackson in der zweiten Hälfte der ersten Runde vom Board kommt.

Sollte Jackson tatsächlich bis zu den Texans - die ja keinen Pick in den ersten beiden Runden haben - fallen, wäre das einerseits eine echte Sensation; andererseits aber für Houston auch eine Chance, einen spektakulären Backup zu haben. Immerhin kommt Watson von einem Kreuzbandriss zurück. Ich denke aber, dass die Texans ihre wenigen Picks dieses Jahr in sofortige Impact-Spieler stecken wollen und kein Problem damit haben, hinter Watson weniger Qualität aufzubieten.

Johannes Pressler: Was bedeutet der JPP-Trade für den Draft und die weitere Offseason der Giants?

Der JPP-Trade zeigt zunächst einmal, dass der neue Giants-Boss Dave Gettleman gesehen hat, dass Pierre-Pauls erst im Vorjahr unterschriebener Vertrag (4 Jahre, 62 Mio. maximal, 40 Mio. garantiert) seinen Leistungen nicht mehr entspricht - und demnach erleichtert gewesen sein dürfte, als Tampa ihm sogar einen Drittrunden-Pick anbot. Zusätzlich würde JPP in das Scheme des neuen Defensive Coordinator James Bettcher nicht wirklich gut passen.

Die Geld-Leistungs-Schere dürfte die maßgebliche Motivation hinter dem Trade aus Giants-Sicht gewesen sein, während Tampa dringend noch mehr Tiefe für die Defensive Line benötigte. Mit Blick auf den Draft - natürlich wurde schnell spekuliert, dass Top-Pass-Rusher Bradley Chubb jetzt nach New York geht - würde ich daher nicht allzu viel überinterpretieren. New York hat auch in diesem Jahr wieder einiges an Geld in der Free Agency ausgegeben, primär für Left Tackle Nate Solder.

Mit Landon Collins und Odell Beckham gehen zudem zwei sportliche Säulen des Teams in ihr letztes Vertragsjahr, für die früher oder später finanzieller Spielraum her muss. Die Giants hätten Pierre-Paul nicht entlassen müssen, um Chubb zu draften. Umso weniger, falls man die kommende Saison als letzten großen Angriff mit Eli Manning betrachtet. Das legt rein finanzielle Motive nahe - und im Umkehrschluss sollte die JPP-Entlassung keine Auswirkungen auf den Draft-Plan mit dem Nummer-2-Pick haben.

Federico Juanores: Wie stark ist Tramon Williams wirklich noch? Und was ist deine Vermutung zum weiteren Vorgehen der Packers in der Free Agency und im Draft bezüglich der Defense, vor allem der Secondary?

Williams hatte in der vergangenen Saison eine der undankbareren Aufgaben für einen NFL-Verteidiger: In der aggressiven, auf Man Coverage bauenden Cardinals-Defense die Rolle des Cornerbacks gegenüber von Patrick Peterson - den Quarterbacks inzwischen zunehmend seltener testen. Und die Aufgabe hat Williams extrem gut gemeistert.

Bei Pässen in seine Richtung ließ er laut Pro Football Focus ein Passer Rating von lediglich 58,4 zu, konkret in Man Coverage listet PFF ihn bei 21 Targets - und einem zugelassenen Passer Rating von 1,0. Für den künftig aggressiveren Ansatz in Green Bay also ideal. Williams war die beste Cornerback-Lösung gegenüber von Peterson seit einer ganzen Weile und ich kann mir die Tatsache, dass Arizona ihn hat gehen lassen, nur mit seinem Alter in Kombination mit dem Umbruch, der gerade bei den Cardinals stattfindet, erklären.

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