NFL: Super Bowl Splitter: Rekorde, Freibier, Schulfrei!

Super Bowl 52 ist Geschichte: Die Philadelphia Eagles sind erstmals in ihrer Franchise-Geschichte Champion , die New England Patriots gingen nach zwei Titeln in den drei Jahren davor dieses Mal leer aus. Was bleibt also von diesem Super Bowl? SPOX blickt in den Splittern zurück und stößt auf Freibier, Schulfrei, Quoten, Rekorde - und eine wichtige Lektion.

Super Bowl 52 ist Geschichte: Die Philadelphia Eagles sind erstmals in ihrer Franchise-Geschichte Champion, die New England Patriots gingen nach zwei Titeln in den drei Jahren davor dieses Mal leer aus. Was bleibt also von diesem Super Bowl? SPOX blickt in den Splittern zurück und stößt auf Freibier, Schulfrei, Quoten, Rekorde - und eine wichtige Lektion.

Seite 1: Freibier, Schulfrei für alle, Quoten und Rekorde

Parade mit Freibier: Die Fans in Philadelphia nahmen die Stadt bereits kurz nach dem Sieg des eigenen Teams teilweise auseinander. Die nächste Gelegenheit gibt es am Donnerstag: Um 17 Uhr deutscher Zeit startet die Sieges-Parade durch Philly, wofür bereits alle Schulen in Philadelphia ihren Lehrern und Schülern frei gegeben haben.

Am Dienstag soll der konkrete Verlauf des Siegeszugs bekanntgegeben werden und man darf fest davon ausgehen, dass sich niemand in Philadelphia dieses Spektakel entgehen lassen will.

Genauso wie man davon ausgehen darf, dass keine Kehle trocken bleibt.

Vor dem Start der Saison hatte Tackle Lane Johnson, der in der vergangenen Spielzeit eine 10-Spiele-Sperre hatte absitzen müssen, erklärt: "Ich habe viel zu beweisen. Ich denke, wir haben einige große Jahre vor uns und wenn wir den Super Bowl gewinnen, gibt es von mir für jeden Freibier."

Wenig später meldete sich die Firma Bud Light via Twitter zu Wort und schrieb: "Lass uns einen Deal machen: Ihr gewinnt den Super Bowl und die Party geht auf unsere Kosten. Deal?" Johnson stimmte zu und hier sind wir jetzt: Die Eagles haben den ersten Titel ihrer Franchise-Geschichte eingefahren und ein Sprecher der Firma bestätigte prompt, dass es bei der Parade am Donnerstag für alle mindestens 21-Jährigen Freibier gibt. SPOX wünscht: Prost!

Keine guten Quoten: Lag es an Nick Foles? Vielleicht an der generellen Patriots-Müdigkeit einiger Fans? Die Rede ist nicht von Wettquoten und Eagles-Hundemasken, sondern von TV-Quoten: Nur 103,4 Millionen Zuschauer sahen den Sieg der Eagles über die Pats auf NBC, weniger gab es zuletzt 2009 beim Duell der Steelers gegen Arizona (98,7 Millionen).

In den vergangenen vier Jahren hatten jeweils mehr als 110 Millionen Zuschauer eingeschaltet, der Rekord (114,4 Millionen) stammt aus dem Jahr 2015, als New England gegen die Seattle Seehawks gewann. Super Bowl 50 hatten 111,9 Millionen Zuschauer gesehen. Das Vorjahres-Spektakel zwischen den Patriots und Atlanta hatte im Schnitt "nur" 111,3 Millionen Zuschauer - bis es in die Overtime ging, wo 117,7 Millionen live dabei waren.

Rekorde, Rekorde, Rekorde! Der unerwartete Shootout zwischen den Patriots und den Eagles hatte selbstredend auch zahlreiche Rekorde zu bieten, hier ein kleiner Überblick über einige der seit Sonntag neuen Super-Bowl-Rekorde:

  • 505 Passing-Yards (Brady)
  • 0 Punts (Patriots)
  • 613 Total Offense-Yards (Patriots)
  • 33 Punkte als Verliererteam (Patriots)
  • 874 Total Passing-Yards (beide Teams)
  • 1.151 Total Offense-Yards (beide Teams)
  • 42 First Downs durch Pässe (beide Teams)
  • 1 Punt insgesamt (beide Teams)

Blount und Long schreiben Geschichte: Ein weiteres Novum geht auf das Konto von Running Back LeGarrette Blount und Defensive End Chris Long: Beide hatten den Super Bowl in der vergangenen Saison mit den Patriots gewonnen und konnten das Kunststück jetzt mit den Eagles wiederholen - zum ersten Mal in der Geschichte der NFL konnten somit Spieler ihren Titel verteidigen, indem sie beim zweiten Mal das Team schlagen, mit dem sie die Vince Lombardi Trophy im Jahr zuvor gewonnen hatten.

Patriots schon wieder Favorit: New England mag gerade den Super Bowl verloren haben, Brady wird zum Start der kommenden Saison 41 Jahre alt sein und die Patriots verlieren beide Coordinator. Vegas ist das alles egal: Laut den Westgate SuperBook Quoten sind die Patriots schon wieder der Favorit auf den Titel in der kommenden Saison, gefolgt von den Eagles und den Packers sowie anschließend den Vikings und den Steelers.

Seite 2: Verpasste Gelegenheiten und eine wichtige Lektion für Trump und Co.

Verpasste Gelegenheiten: Brady und Belichick haben 27 gemeinsame Playoff-Siege - mit einem Erfolg im Super Bowl hätten sie die Ausbeute des zweitplatzierten Coach-Quarterback-Duos (Chuck Noll und Terry Bradshaw) exakt verdoppelt.

Brady individuell hätte zwei Serien beenden können: Noch nie hat ein Spieler die NFL in der Regular Season in puncto Passing Yards angeführt und dann auch den Super Bowl gewonnen - die Bilanz dieser QBs im Super Bowl lautete vor dem Spiel 0-5. Brady (4.577 Yards in der Regular Season) erhöhte auf 0-6.

Außerdem hätte Brady der erste Regular-Season-MVP seit Kurt Warner 1999 sein können, der dann auch in der gleichen Saison den Super Bowl gewinnt. Seither haben Warner (2001), Rich Gannon (2002), Shaun Alexander (2005), Peyton Manning (2009 und 2013), Cam Newton (2015) und Matt Ryan (2016) das gleiche Kunststück versucht und sind gescheitert.

Darüber hinaus wurde die längste Serie ohne Titelverteidigung in der NFL weiter ausgebaut: Seit 13 Jahren hat inzwischen kein Team die Super-Bowl-Krone in aufeinanderfolgenden Jahren gewinnen können.

Erste Eagles-Spieler verzichten aufs Weiße Haus: Wie schon im vergangenen Jahr werden auch nach dieser Saison nicht alle Spieler des Super-Bowl-Siegers im Weißen Haus erscheinen. Chris Long, Malcolm Jenkins und Torrey Smith haben bereits angekündigt, dass sie den Besuch bei Präsident Donald Trump ausfallen lassen.

"Meine Botschaft ist schon das ganze Jahr über klar: Ich will Veränderungen in unserem Strafjustizsystem sehen. Ich möchte sehen, dass wir auf Wirtschafts- und Bildungsfortschritte in Gemeinden mit dunkelhäutigen Menschen und Menschen mit geringem Einkommen pochen", erklärte Jenkins. "Und ich möchte, dass sich die Beziehung zwischen unserer Gemeinschaft und der Strafverfolgung verbessert. Das ist das, worauf meine Kollegen und ich seit zwei Jahren drängen. Und das werden wir auch fortsetzen."

Long und Jenkins als Musterbeispiel: Eine persönliche Note zum Schluss. Wenn dieser Super Bowl und die Saison langsam im Rückspiegel verschwinden, sollte man eine Sache nicht vergessen: Die Eagles hatten mit Chris Long, der sein komplettes Gehalt dieser Saison gespendet hat, und Malcolm Jenkins zwei der lautesten Fürsprecher und Kämpfer für soziale Gerechtigkeit in dieser Saison in ihren Reihen.

In einer Saison, in der die offenen Proteste gegen US-Präsident Donald Trump ein wichtiges Thema waren, nach einer Weile aber wieder in den Hintergrund rückten. In der Colin Kaepernick Geld für Bedürftige spendete und sammelte, während kein Team ihn verpflichten wollte. In der bei Franchise-Besitzern eine Angst vor möglichen Ablenkungen innerhalb des Teams umging, als handele es sich um eine hochansteckende Krankheit. Vor all diesen Hintergründen bietet das eine wichtige Lektion.

Mehrere Eagles-Spieler haben längst zu Protokoll gegeben, dass die Aktivitäten von Long und Jenkins intern überhaupt kein Problem waren. Dass sie sehr wohl zwischen diesen Dingen und Football differenzieren können, egal, was sie von den politischen Einstellungen anderer halten. "Die beiden haben den Standard dafür gesetzt, wie man mit der Kritik von außerhalb umgeht. In meinen Augen gibt es keinen Zweifel daran, dass das ein Grund dafür ist, warum wir es in den Super Bowl geschafft haben. Sie haben in diesem Team eine Kultur installiert, die hier noch lange vorhanden sein wird", fasste etwa Linebacker Mychal Kendricks zusammen.

Running-Backs-Coach Duce Staley erklärte laut SB Nation: "Genau wie sie die Leute in unserem Land und überall auf der Welt gefragt haben, ob sie ihnen folgen wollen, haben sie es auch innerhalb des Teams getan. Folgt mir. Als sie dann im Licht der Öffentlichkeit standen und hinter sich geschaut haben, wussten sie, dass über 60 Jungs direkt hinter ihnen stehen. Das ist die ultimative Essenz eines Teams. Das ultimative Ziel, das NFL-Coaches meinen, wenn sie von Führungsspielern sprechen."

Die Vorgehensweise von Jenkins und Long sowie der Umgang des Teams damit war keine Ablenkung, wenn überhaupt war das Gegenteil der Fall. Long und Jenkins haben ihre Plattform auf die richtige Art und Weise genutzt, und das lässt sich sehr wohl mit sportlichem Erfolg vereinbaren.

Das sollte man, auch wenn dann irgendwann die Erinnerungen an diese Saison langsam verblassen, nicht vergessen.

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