NFL: Steelers vs. Packers: Auf entgegengesetzten Pfaden

Das Sunday Night Game in Week 12 wirkt auf dem Papier wie ein ungleicher Kampf: Die Pittsburgh Steelers (8-2) empfangen die Green Bay Packers (5-5) , deren Saison seit der Verletzung von Aaron Rodgers mehr schlecht als recht vor sich hindümpelt. Pittsburgh dagegen scheint immer besser in Form zu kommen und so befinden sich beide Teams auf entgegengesetzten Pfaden. Können die Packers den Steelers dennoch ein Bein stellen? DAZN überträgt das Spiel in der Nacht auf Montag ab 2.30 Uhr live.

Das Sunday Night Game in Week 12 wirkt auf dem Papier wie ein ungleicher Kampf: Die Pittsburgh Steelers (8-2) empfangen die Green Bay Packers (5-5), deren Saison seit der Verletzung von Aaron Rodgers mehr schlecht als recht vor sich hindümpelt. Pittsburgh dagegen scheint immer besser in Form zu kommen und so befinden sich beide Teams auf entgegengesetzten Pfaden. Können die Packers den Steelers dennoch ein Bein stellen? DAZN überträgt das Spiel in der Nacht auf live.

Ganz offensichtlich will Mike Tomlin keine Nachlässigkeiten zulassen, wenn seine Steelers am Sonntagabend als haushoher Favorit in das Duell mit den Packers gehen. Und so holte Pittsburghs Head Coach unter der Woche zu einer Lobeshymne auf Green Bays Backup-Quarterback Brett Hundley, der den verletzten Aaron Rodgers vertritt, aus: "Seine Bewegungen sind exzellent. Er scheint sich innerhalb ihrer Offense sehr wohlzufühlen, das sieht man daran, wie sie den No-Huddle-Ansatz nutzen und wie viele Freiheiten er an der Line of Scrimmage genießt."

Weiter sei er davon überzeugt, dass seine Defense "vermehrt Pocket-Movement, schnelles Passspiel und solche Dinge sehen wird. Also Maßnahmen, um zu erreichen, dass er der Defense möglichst wenig ausgesetzt ist. Eben natürlich Anpassungen, die man angesichts der Umstände erwarten kann."

Viele Packers-Fans dürften auf diese Aussage mit jeder Menge Frust reagieren. Denn genau die vermeintlich logischen Anpassungen, die Tomlin anspricht, suchte man zumindest weitestgehend seit der Verletzung von Rodgers vergebens. Die Offense ist weiter eher statisch und versucht, Hundley als eine Art "Aaron Rodgers light" zu behandeln, anstatt ihm gezielt unter die Arme zu greifen.

Immerhin in puncto Route-Kombinationen war in der Vorwoche ein klar positiver Trend erkennbar - Coach Mike McCarthy setzte entschieden häufiger auf aufeinander aufbauende Route-Kombinationen und half Hundley so in seinen Play-Designs. Was das Game Planning angeht, lassen die Packers dennoch zu wünschen übrig. Viel zu selten nutzen sie Hundleys Beweglichkeit in kontrollierten Bahnen, etwa mit Rollouts, Zone Reads, Run Pass Options und dergleichen. Stattdessen bleibt die Offense eine komplexe Aufgabe für den Quarterback. Und damit hat Hundley freundlich ausgedrückt seine liebe Mühe.

Brett Hundley mit großen Schwierigkeiten

Green Bays Shutout-Pleite gegen Baltimore am Sonntag - exakt elf Jahre nach dem letzten Franchise-Shutout, den letzten Heim-Shutout gegen ein Team mit weniger Siegen als Niederlagen hatte es zuvor am 30. Oktober 1977 gegeben - war dafür symptomatisch. Hundley konnte aus den besseren Route-Kombinationen so gut wie kein Kapital schlagen, weil er den Ball zu lange hielt und so den Receivern und Play-Konzepten keine Chance gab und dem Pass-Rush quasi einlud.

Dass Green Bay kein konstantes Run Game aufbieten kann, hilft ihm dabei selbstredend wenig. Aaron Jones fällt weiterhin aus, auch hinter dem Einsatz von Ty Montgomery steht ein sehr großes Fragezeichen. Das große Problem, und hier kommt man schnell zum Kern für das Spiel am Sonntag: Keine Defense bekommt prozentual mehr QB-Pressure, wenn sie blitzt, als die der Steelers (56,8 Prozent) und Green Bays Line wird ohne den verletzten Bryan Bulaga in den ausstehen Spielen eher noch anfälliger werden.

Pittsburgh indes bietet aktuell eine spektakuläre Defensive Front auf. Die D-Line gehört zur Liga-Spitze und kann Spiele dominieren, das Linebacker-Corps besticht mit Athletik und Geschwindigkeit. Die Packers sollten so erneut große Schwierigkeiten haben, ein Run Game aufzuziehen - und ihre Running Backs werden auch im Passspiel einen schweren Stand gegen Shazier und Co. haben.

Die Steelers-Offense: Anders als erwartet

Pittsburghs Offense auf der anderen Seite - und das ist wohl ein Grund dafür, dass die Steelers noch nicht so dominant auftreten wie es vielleicht möglich wäre - sieht einfach anders aus, als man es sich vorgestellt hat. Die Steelers haben zwar Downfield-Elemente, die aber sind extrem stark von Antonio Browns individueller Klasse geprägt.

Stattdessen hat Pittsburgh ligaweit die siebtmeisten Pässe an oder hinter die Line of Scrimmage geworfen (87). Spitzenreiter in dieser Kategorie sind übrigens die Packers mit 104. Weiter noch: JuJu Smith-Schuster, der am Sonntag allerdings verletzt ausfällt, dominiert im Slot: Seine 2,13 Yards pro gelaufener Route aus dem Slot heraus liegen nur hinter Keenan Allen (2,24) und Adam Thielen (2,17). Der Rookie hat Pittsburghs Offense so im Handumdrehen eine andere Identität gegeben.

Das war auch nötig, weil Ben Roethlisberger gerade in den ersten Wochen der Saison sehr inkonstant auftrat und das Run Game noch immer nicht so recht ins Rollen kommt. Trotz großer Hartnäckigkeit der Steelers in diesem Bereich fehlt die Effizienz. Green Bay ist in Football Outsiders' DVOA-Metrik gegen den Run deutlich stabiler als gegen den Pass, für Brown, Martavis Bryant und Co. könnte also nach dem klaren 40:17-Sieg über Tennesse ein weiteres produktives Spiel anstehen. Falls Kenny Clark (Knöchel) und Clay Matthews (Leiste) ausfallen, würde aber auch die Run-Defense zusätzlich leiden.

Zwei Teams auf entgegengesetzten Pfaden

Gleichzeitig war der Sieg über Tennessee das erste Mal, dass Pittsburgh in dieser Saison die 30-Punkte-Marke knacken konnte - ein weiterer Grund dafür, dass die Wahrnehmung der Offense deutlich kritischer ist, als die Einzelspieler vermuten lassen würden. Und doch gibt einem dieses Duell am Sonntag ganz klar ein Gefühl: Es handelt sich um zwei Teams, deren Wege in der laufenden Saison aktuell in entgegengesetzte Richtungen führen: Pittsburgh marschiert in Richtung Erstrunden-Playoff-Bye, die Packers in Richtung ungewohnt hoher Draft-Pick.

Während sich die Steelers in den vergangenen Wochen stabilisiert und vor allem defensiv deutliche Schritte nach vorne gemacht haben, werden bei den Packers die Defizite im Kader ohne Aaron Rodgers überdeutlich. Brett Hundley mag sich noch zu einem soliden NFL-Starting-Quarterback entwickeln, aktuell aber ist er das nicht und das Tape gibt keinerlei Hinweise darauf, dass sich das innerhalb einer Woche schlagartig ändert.

Green Bay hat abgesehen vom Wide-Receiver-Corps weder die individuellen Mittel, noch die schematische Flexibilität, um darauf zu reagieren und so droht Hundley ein ähnliches Spiel wie gegen Baltimore am vergangenen Sonntag. Gegen eine Defense, welche die Line of Scrimmage dominieren sollte und den jungen Quarterback mit verschiedenen Zone-Coverage-Looks definitiv in die eine oder andere Falle locken kann.

Und so wirkt die Aussage von Packers-Receiver Jordy Nelson im Vorfeld der Partie fast ein wenig hilflos: "Es ist nicht nur eine Sache, die uns Probleme bereitet, sonst hätten wir das ja schon repariert. Es geht darum, dass jeder weiter hart arbeitet und sich verbessert, um sein Potential voll abzurufen."

Steelers vs. Packers - Preview im Kurzformat

Pittsburgh Steelers (8-2) - Green Bay Packers (5-5) (Mo., 2.30 Uhr )

  • Noch ist die Steelers-Offense nicht auf dem Big-Play-Level, das man sich vor der Saison vielleicht gewünscht hatte. Mit 7,5 Yards pro Pass aber ist Pittsburgh zumindest auf dem Weg dahin - und steht in dieser Kategorie fast ein volles Yard vor den Packers (6,6).
  • Überraschend ist aber, dass im Run Game der Spieß exakt umgedreht wird. Pittsburgh setzt zwar häufiger auf den Run (22,7 Runs pro Spiel) als die Packers (20,4). Doch trotz der gut besetzten Line und Le'Veon Bell verzeichnen die Steelers aktuell nur 3,6 Yards pro Run und damit deutlich weniger als Green Bay (4,3).
  • Unverändert ist indes die Anfälligkeit der Packers gegen den Pass. Nur vier Teams lassen mehr Yards pro Pass zu als Green Bay (7,7), hier können sich die Steelers (6,7) gar um ein volles Yard vom Gegner am Sonntagabend distanzieren. Pittsburgh ist auch eines von nur noch vier Teams, das defensiv mehr Interceptions (12) als zugelassene Touchdown-Pässe (9) hat.
  • Laut der Adjusted-Sack-Metrik von Football Outsiders stellen die Steelers schon wieder die zweitbeste Offensive Line in puncto Pass-Protection. Green Bay steht hier auf Rang 29 - dafür allerdings im Run-Blocking aktuell auf dem dritten Platz.
  • Die 30,54 Yards pro Drive (Rang 17) sind jedoch irreführend und noch von Aaron Rodgers beeinflusst. Pittsburgh grüßt in dieser Statistik vom achten Platz (32,84).

Das SPOX-NFL-Tippspiel, Week 12:

Florian Regelmann Adrian Franke Marcus Blumberg

Pascal

De Marco

Vikings @Lions Lions Vikings Vikings Vikings
Chargers @Cowboys Cowboys Chargers Chargers Chargers
Giants @Redskins Redskins Redskins Redskins Redskins
Titans @Colts Titans Titans Titans Titans
Bears @Eagles Eagles Eagles Eagles Eagles
Panthes @Jets Panthers Panthers Panthers Panthers
Dolphins @Patriots Patriots Patriots Patriots Patriots
Buccaneers @Falcons Falcons Falcons Falcons Falcons
Browns @Bengals Bengals Bengals Bengals Bengals
Bills @Chiefs Chiefs Chiefs Chiefs Chiefs
Seahawks @49ers Seahawks Seahawks Seahawks Seahawks
Saints @Rams Rams Saints Rams Saints
Jaguars @Cardinals Jaguars Cardinals Jaguars Jaguars
Broncos @Raiders Raiders Broncos Raiders Raiders
Packers @Steelers Steelers Steelers Steelers Steelers
Texans @Ravens Ravens Ravens Ravens Ravens
Week 11 9-5 11-3 12-2 8-6
Insgesamt
105-55

101-59

102-58 99-61

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