NFL: Stats-Vergleich, Patriots vs. Eagles: Trifft Brady auf die neuen Giants?

Super Bowl LII steht vor der Tür - höchste Zeit, einen Blick auf die wichtigsten Zahlen zu werfen. Wo haben die New England Patriots auf Basis der Zahlen der abgelaufenen Saison Vorteile gegenüber den Philadelphia Eagles und wie sieht es andersherum aus? SPOX zeigt euch die wichtigsten Vergleiche und Head-to-Head-Duelle vor dem großen Saisonfinale. Super Bowl LII gibt es dann am 4. Februar ab 23.45 Uhr live auf DAZN - wahlweise mit deutschem und Original-US-Kommentar!

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Seite 1: Patriots-Offense vs. Eagles-Defense

Wenn Tom Brady am Sonntag bei Super Bowl LII den Kunstrasen des U.S. Bank Stadium betritt wird er auf eine bärenstarke Saison und vielerlei Statistiken bauen können, die für ihn sprechen. Doch auch wenn er und Bill Belichick in 15 Playoff-Spielen gegen Teams, auf die sie in der Regular Season zuvor nicht getroffen waren, eine makellose Bilanz haben, wird die Herausforderung durch die Eagles eine besondere sein.

Die Pats und die Eagles werden zum ersten Mal seit dem 6. Dezember 2015 aufeinander treffen. Philly konnte dabei dank dreier defensiver oder Special-Teams-Touchdowns ihren einzigen Sieg gegen ein New-England-Team mit Brady feiern. Der 40-Jährige behielt in den vier weiteren Begegnungen, unter anderem Super Bowl XXXIX, die Oberhand. In den fünf Spielen warf er zusammen 12 Touchdowns und 2 Interceptions.

Brady ist nach der Saison heißester Kandidat für den MVP-Award. Er hatte ein Passer Rating von 102,8, warf eine Adjusted-Completion-Percentage von 76 Prozent und erhielt von Pro Football Focus die beste Note aller Quarterbacks mit 95,5. Überragend verkaufte er sich vor allen Dingen gegen Pressure. Hier warf er für ein Passer Rating von 96,6, eine Completion Percentage von 55,4 Prozent und 7,9 Yards pro Passversuch.

Under Pressure Passer Rating Completion-Percentage Yards/Att.
Tom Brady 96,6 55,4 Prozent 7,9
Nick Foles 64,2 48,0 Prozent 6,1

Brady gegen hohe Pressure-Stats weniger erfolgreich

Historisch gesehen spielte in den Super Bowls der Druck gegen Brady gerade bei den beiden Niederlagen eine bedeutende Rolle.

Gegen Blitzes ist Brady einer der besten Quarterbacks in der Geschichte der Liga - und doch verlor er in beiden Super Bowls gegen die Giants, die ihn jeweils bei über 40 Prozent der Dropbacks unter Druck gesetzt hatten. Der ausschlaggebende Faktor war, dass sie diese Werte erreichten, obwohl sie bei weniger als 20 Prozent Bradys Dropbacks blitzten.

In jedem anderen Super Bowl wurde Brady seltener als bei 40 Prozent seiner Dropbacks unter Druck gesetzt. So auch im letztjährigen Super Bowl: Da setzten ihn die Atlanta Falcons zwar in der ersten Halbzeit bei 44 Prozent der Dropbacks unter Druck und bauten so bekanntlich eine 28:3-Führung auf. Im zweiten Durchgang gingen den Pass Rushern dann aber die Körner aus, man schaffte nur noch bei 30 Prozent der Dropbacks Druck. Das Ende ist hinlänglich bekannt.

Auch bei einem weiteren der wenigen missglückten Comeback-Versuche Bradys waren derartige Werte bemerkbar. Im AFC Championship Game 2015 wurde Brady von den Denver Broncos bei wahnwitzigen 49,2 Prozent seiner Dropbacks unter Druck gesetzt und konnte das Spiel nicht mehr zu Gunsten der Patriots drehen.

Eagles erzeugen Druck ohne zu blitzen

Die Eagles-Defense führte die Liga nach der Regular Season in der Kategorie "Pressure" an. Mit 271 Pressures hatten sie 27 mehr als jedes andere Team. Was für New England dabei besorgniserregend ist: Die Eagles erzeugen den Druck meist ohne zu blitzen. Bei 38 Prozent seiner Rushes konnte Philly ohne Blitz Druck erzeugen - erneut ligaweiter Bestwert! Nur neun Mannschaften blitzten seltener.

Selbiges ist auch in den beiden bisherigen Playoff-Spielen Philadelphias aufgefallen. Die Eagles blitzten gegen Matt Ryan und die Falcons bei nur 8 der 39 Dropbacks, gegen Case Keenum und die Minnesota Vikings sogar noch seltener (7 von 50 Dropbacks). Die Pass Rusher Brandon Graham, Chris Long, Vinny Curry und Rookie Derek Barnett sammelten in dieser Saison insgesamt 22 Sacks und hatten einen wichtigen Anteil am Einzug in den Super Bowl

Brady wurde 2017 bei 23,6 Prozent seiner Dropbacks geblitzt. Sein Passer Rating von 96,6 gegen Pressure ist 10 Prozentpunkte höher als das eines durchschnittlichen Quarterback bei egal welchem Down.

Mit 8 Interceptions warf Brady zwar so viele Interceptions wie seit 2014 nicht mehr, blieb aber dennoch unter der zweitstelligen Marke. Die Eagles-Defense forcierte ihrerseits 31 Turnover und damit den viertbesten Wert in dieser Kategorie. Drei weitere gab es gegen die Vikings.

Wie schlugen sich Passing-Yardage-Leaders im Super Bow?

Saison Team Quarterback SB-Ergebnis
1984 MIA Dan Marino (5.084 YDS) L (16:38 vs. SF)
2001 SLR Kurt Warner (4.830 YDS) L (17:20 vs. NE)
2002 OAK Rich Gannon (4.689 YDS) L (21:48 vs. TB)
2007 NE Tom Brady (4.806 YDS) L (14:17 vs. NYG)
2013 DEN Peyton Manning (5.477 YDS) L (8:43 vs. SEA)
2017 NE Tom Brady (4.577 YDS) ???

Running-Game der Patriots vor schwieriger Aufgabe

Die Patriots lieben den Einsatz ihrer Running Backs. Sie haben gleich drei davon, die mindestens fünf Touchdowns erlaufen haben. Den größten Arbeitsaufwand hat mit Sicherheit aber Dion Lewis. Seit Oktober wurde er immer häufiger ins Spiel eingebunden und zahlte dies mit beeindrucken 5,0 Yards pro Laufversuch und 49 Missed Tackles zurück. Er führt die Pats mit 6 Touchdowns und 896 Rushing Yards an. Außerdem ließ Phillys D 5 Receiving-Touchdowns durch Running Backs zu und damit mehr als 30 andere Teams der Liga.

In den Playoffs aber wandte man sich in New England vom Rushing Game etwas ab. Hier liefen die Pats nur noch für 74 Yards und 3,2 Yards pro Laufversuch. Gegen die Eagles können wohl kaum bessere Werte erreicht werden: Philly hatte die beste Run-D der Liga und hielt die Falcons und Vikings in den letzten beiden Spielen bei 70 und 86 Yards. Die 3,8 erlaubten Yards pro Laufversuch sind ligaweit der sechstbeste Wert.

Im Receiving-Department fällt vor allem der erhöhte Einsatz von Danny Amendola auf. Wo der Slot-Receiver während der regulären Saison noch auf Werte von 4,1 Catches, 43,9 Yards und 0,1 Touchdowns kam, waren es in den Playoffs 9 Catches, 98 Yards und ein Touchdown.

Wie stoppen die Eagles Rob Gronkowski?

Die Eagles-Defense um Coordinator Jim Schwartz muss sich derweil einen Weg einfallen lassen, wie man Rob Gronkowski verteidigen will. Gegen zwei der Elite-Tight-Ends der Liga kassierte man zwei der drei Saisonniederlagen, in beiden Spielen hatten eben jene einen großen Einfluss: Travis Kelce fing in Kansas Citys Week-2-Sieg gegen die Eagles 8 Pässe für 103 Yards und Jimmy Graham beim Seahawks-Sieg in Week 13 einen Touchdown-Pass.

Das Saisonaus von Phillys bestem Coverage-Linebacker Jordan Hicks in Week 7 gegen die Redskins war dabei nicht gerade hilfreich. In eben diesem Spiel kamen Jordan Reed und Vernon Davis prompt auf zusammen 12 Catches für 131 Yards.

DVOA: Patriots-Offense vs. Eagles-Defense

Offensive-DVOA (Reg. Season) Pass-DVOA Rushing-DVOA
New England Patriots 47,1% 10,4% (Rang 3)
Defensive-DVOA (Reg. Season) Pass-DVOA Rushing-DVOA
Philadelphia Eagles -7,3% -21,6% (Rang 3)
Seite 2: Eagles-Offense vs. Patriots-Defense

Für Nick Foles kam die größte Gelegenheit seiner Karriere zwar erst durch die schwere Verletzung von Carson Wentz zustande. Dennoch hat er in seinem fabelhaften Auftritt gegen die Vikings bewiesen, dass er das Zeug dazu hat, an einem guten Tag jeden schlagen zu können. Foles stellt einen der großen X-Faktoren des Super Bowls LII dar, da seine Tagesform sehr weit ausschlagen kann.

Schon in seiner Fabelsaison 2013 unterliefen dem damals 24-Jährigen derartige Leistungsschwankungen. Seinem schwächsten Spiel der Karriere (PFF-Note 31,6) folgte damals eine 7-Touchdown-Performance eine Woche später. Zwar konnte Bill Belichick seine Defense zwei Wochen lang auf Doug Pedersons Offense und Foles einstellen, doch hat Foles mit den Vikes nunmal die wohl beste Defense der Liga wie ein High-School-Team aussehen lassen.

Der Pass Rush der Patriots kommt dabei eher nicht an den der Vikings heran. Wo PFF Minnesotas Pass Rush als zwölftstärksten der abgelaufenen Spielzeit eingeordnet hat, schloss der der Patriots auf dem letzten Platz ab. Und selbst als Foles in der Vorwoche unter Druck stand, glänzte er in diesen Situationen mit einem unglaublichen Quarterback-Rating von 152,1. In der Regular Season war es gegen Pressure noch ein Rating von 23,8.

Nick Foles Passer Rating Catchable-% Yards/Att
Regular Season 79,5 66,3% 5,3
Postseason 122,1 84,1% 9,5

Eagles-Offense: Von Wentz zu Foles

Die Eagles haben ihr Spiel nach dem Saisonaus von Wentz drastisch verändert. Man legt inzwischen weitaus mehr Wert auf kurze Pässe und Yards nach dem Catch. Hierfür werden gerne Screen-Plays und Run-Pass-Option-Spielzüge verwendet. Mit Wentz under Center liefen die Passempfänger der Eagles nach dem Catch noch für 98,6 Yards und stellten damit den achtschlechtesten Wert ligaweit. Foles leitete in den Playoffs Pässe ein, aus denen durchschnittlich 164,5 Yards nach dem Catch resultierten.

Bestes Beispiel dafür ist Running Back Jay Ajayi. Der lief mit Wentz als Quarterback für gerade einmal 7,4 Yards nach dem Catch. In der Postseason stieg dieser Wert drastisch auf 51 Yards nach dem Catch pro Partie an. 30 Receiving Yards resultierten dabei alleine aus Screen-Spielzügen.

Auffällig ist dies auch bei der Zeit, die die beiden Quarterbacks für den Release benötigen. Wentz hielt den Ball im Schnitt 2,54 Sekunden - 16 Quarterback wurden den Ball in der Regular Season schneller los. Foles hingegen warf den Ball schon nach durchschnittlich 2,39 Sekunden. In der Regular Season hätte dies den viertschnellsten Wert aller Quarterbacks dargestellt.

Kurze Pässe werden in jedem Fall auch bei Super Bowl LII ein großes Thema werden. Nur drei Teams nämlich haben Pässe, die weniger als 10 Yards fliegen, besser verteidigt als die Patriots.

QB

Yards/Compl.

durch die Luft

Yards/Compl.

nach dem Catch

Air-Distance-%

gesamt

Air-Dist.-%

-0-Yds

Air-Dist.-%

0-10 Yds

Air-Dist.-%

+10 Yds

Carson

Wentz

7,7 4,8 12,4 15,5% 44.3% 40,2%

Nick

Foles*

5,5 6,7 12,2 28,6% 46,0% 25,4%

*Playoffs

Die zwei Gesichter des Nick Foles

Foles' Zahlen werden durch die mageren Regular-Season-Performances gedrückt. Sein Quarterback Rating steht gegen Druck auf Platz 32, Yards pro Play gar nur auf Platz 42. Die Patriots, allen voran Trey Flowers, werden versuchen, den Druck hochzuhalten, auch wenn die Zahlen von Foles vor zwei Wochen gegen Pressure bemerkenswert gut waren. New England kam in dieser Saison auf 42 Sacks, den siebtbesten Wert der Liga.

Foles hatte gerade in den drei Starts der Regulären Saison einen schweren Stand, als er zwei Interceptions und zwei Fumbles verantwortete. In den Playoffs steigerte er sich freilich und steht bislang makellos dar. Wird er den Ball weiterhin schnell los und wirft ihn nah an der Line of Scrimmage, müssen die Eagles hier keine unnötigen Ballverluste befürchten.

New England erlaubt in dieser Saison 5,9 Plays pro Drive, den zweithöchsten Wert der NFL, und 34,2 Yards pro Drive. Dies allerdings war Teil der Taktik. Im Rahmen ihrer "Bend-but-don't-Break-Defense" versuchte man vor allem in der heimischen Red Zone zu dominieren. Nur 44 Prozent der gegnerischen Red-Zone-Drives endeten mit einem Touchdown.

DVOA: Eagles-Offense vs. Patriots-Defense

Offensive-DVOA (Reg. Season) Pass-DVOA Rushing-DVOA
Philadelphia Eagles 33,5% -6,2% (Rang 17)
Defensive-DVOA (Reg. Season) Pass-DVOA Rushing-DVOA
New England Patriots 16,8% 2,6% (Rang 30)

Bricht Phillys Run-Game die Red-Zone-Defense der Pats?

Kein Team war in der Red Zone effizienter (66 Prozent) als die Eagles. Hinter Jay Ajayi und LeGarrette Blount erliefen Phillys Running Backs 132,2 Yards pro Partie und insgesamt 9 Touchdowns. Die Verteidigung New Englands ließ 114,8 Yards pro Spiel zu (4,71 Yards pro Run) und schaffte es nur in 16 Prozent der Fälle, den gegnerischen Lauf an oder vor der Line of Scrimmage zu stoppen. Nur die Washington Redskins (15 Prozent) und die Chicago Bears (14 Prozent) waren 2017 schlechter.

Jetzt bekommt man es mit Ajayi zu tun, der seinerseits für 5,8 Yards pro Versuch gelaufen ist. Zusätzlich verbuchte der ehemalige Dolphin 12 Läufe, die in 15 oder mehr Yards Raumgewinn resultierten. In Blount trifft man auf einen alten Bekannten, der sich die Arbeit mit Ajayi teilt und nach Kontakt noch 2,6 zusätzliche Yards herausholt.

Probleme hatten die Patriots in diesem Jahr außerdem mit Tight Ends. Cameron Brate (5 Rec, 68 Yds), Ryan Griffin (5/61) und Julius Thomas (5/52) konnten allesamt gute Spiele verbuchen. Gegen Zach Ertz wird es keineswegs leichter: Ertz hatte gegen die Vikings das 13. Spiel seiner Karriere mit mindestens 8 Receptions. Nur neun Tight Ends haben in der Geschichte der Liga mehr gesammelt.

Running Backs Yards vor gegn. Kontakt Yards nach gegn. Kontakt
Eagles 2,37 2,1
Patriots 2,22 1,99

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