NFL: Pittsburgh Steelers: Das Ziel heißt Atlanta

Die Pittsburgh Steelers stehen in der Offseason vor einigen wichtigen Entscheidungen, sowohl kurzfristig als auch auf lange Sicht. Immerhin sieht sich die Franchise aus Pennsylvania auch vor dem Draft und dem offiziellen Start der Free Agency als klarer Super-Bowl-Contender. Der Kader gibt das her - doch gilt es, einige Baustellen zu adressieren.

Die Pittsburgh Steelers stehen in der Offseason vor einigen wichtigen Entscheidungen, sowohl kurzfristig als auch auf lange Sicht. Immerhin sieht sich die Franchise aus Pennsylvania auch vor dem Draft und dem offiziellen Start der Free Agency als klarer Super-Bowl-Contender. Der Kader gibt das her - doch gilt es, einige Baustellen zu adressieren.

Seite 1: Big Bens Versprechen und das Ablaufdatum der Killer B's

"Wir werden dort hinkommen", sagte Ben Roethlisberger zu einem sichtlich geknickten Antonio Brown nach dem Divisional-Round-Spiel gegen die Jacksonville Jaguars, das die Steelers soeben mit 45-42 verloren hatten. Es klang wie ein Versprechen von jemandem der weiß, was er da sagt.

Und so ist es ja auch: Roethlisberger gewann den Super Bowl 2006 und 2009, damals noch mit Hines Ward und Santonio Holmes. Seitdem hat sich viel verändert im Team von Head Coach Mike Tomlin, doch seit drei Jahren zählt das Team aus Steel City wieder zu den ernsthaften Contendern. Mit 13 Siegen bei nur drei Pleiten hatte Pittsburgh zusammen mit New England, Philadelphia und Minnesota den besten Record nach der Regular Season 2017.

Am Ende bleiben bei den Fans und Spielern aber wohl hauptsächlich die bitteren Erinnerungen an das Heimspiel gegen die Patriots hängen, das man äußerst knapp und dramatisch mit 24:27 verlor. Und natürlich dass man in zwei Spielen gegen Jacksonville auf eigenem Platz sage und schreibe 75 Punkte zugelassen hat. Oder auch an die Niederlage bei den Chicago Bears. Nach Overtime. Als haushoher Favorit.

Doch konzentriert man sich auf die 13 Siege, die das Team eingefahren hat, sieht man vor allem jede Menge Moral und Clutch-Performance. Sie sind oft nach Rückständen zurückgekommen, wie gegen Green Bay (31:28) oder im Rückspiel gegen Baltimore (39:38) und haben in engen Partien die Oberhand behalten, wie gegen Indianapolis (20:17) oder Detroit (20:15).

Gegner wurden zwar selten - wie man angesichts des Kaders vielleicht gelegentlich eher erwartet hätte - dominiert. Doch am Ende fand man fast immer einen Weg um als Sieger vom Platz gehen. Auch das zeichnet Spitzenteams aus.

Wie lange gibt es die Killer B's noch?

Davor, in der Offseason 2017, zitterten die Steelers lange um den Verbleib von Roethlisberger und Le'Veon Bell. Big Ben stellte sein Karrieende in Aussicht, bei Bell zogen sich die Vertragsverhandlungen bis kurz vor den Beginn der Free Agency und dann auch darüber hinaus.

Dieses Jahr befürchteten viele im Umfeld der Steelers, das diese beiden Personalfragen erneut alles überschatten würden. Sie bekamen eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute Nachricht: Ihr Quarterback kündigte nach dem Playoff-Aus gegen die Jaguars noch im Kabinengang an, weiterzumachen.

Die schlechte Nachricht kam dann in den letzten Wochen von ihrem Running Back. Klub und Spieler konnten sich erneut nicht auf einen langfristigen Vertrag einigen. Somit wird Bell auch 2018 unter dem Franchise Tag spielen, der ihm 14,5 Millionen Dollar einbringt - und er wird dem Team über den Sommer weitestgehend fern bleiben. Beide Personalien dürften nach der nächsten Saison wieder im Fokus stehen.

Das verdienen die fünf bestbezahlten Runningsbacks 2018

Spieler Gehalt (in Mio. Dollar) Team
Le'Veon Bell 14,5 Pittsburgh Steelers
Devonta Freeman 8,2 Atlanta Falcons
LeSean McCoy 8 Buffalo Bills
Leonard Fournette 6,7 Jacksonville Jaguars
Lamar Miller 6,5 Houston Texans

Für die 2018er Saison allerdings haben die Verantwortlichen auf zwei wichtigen Positionen Klarheit. Doch wie lange kann das Offensiv-Trio Ben, Bell und Brown noch zusammengehalten werden?

Pittsburgh gibt zum zweiten Mal in Folge extrem viel Geld für seinen Running Back aus, auch wenn sie damit immerhin den besten Back der Liga bezahlen. Sollte Bell 2019 nicht unterschreiben, könnte er den Markt testen um herauszufinden, ob es denn ein Team gibt, das bereit ist, ihm in seinen Gehaltsvorstellungen nachzukommen. Immerhin ist Bell mit dann 27 Jahren langsam nicht mehr in einem Alter, in man sich in der NFL um einen Running Back unbedingt reißt.

Wide Receiver: Was passiert mit Martavis Bryant?

Wide Receiver Martavis Bryant geht in die letzte Saison seines Rookie-Vertrages und es scheint alles andere als gesichert, dass er darüber hinaus Teil der Steelers-Offense bleibt. Wenn es überhaupt so weit kommt: Zuletzt machten immer wieder Trade-Gerüchte die Runde.

Die Steelers hielten trotz seiner langen Sperre an Bryant fest und nahmen ihn nach dem Ende seiner Suspendierung wieder in den Kader auf. Zu Saisonbeginn blieb Bryant blass und hatte wenig gute Szenen, während ihm gleichzeitig Rookie JuJu Smith-Schuster im Eiltempo den Rang ablief. Kurz vor der Trade-Deadline Ende Oktober forderte Bryant einen Trade und griff Smith-Schuster via Twitter an.

Pittsburgh gab Bryant aber vielmehr für das Spiel gegen Detroit eine Denkpause, wo er mit ansehen durfte, wie Smith-Schuster mit einem 97-Yard-Touchdown das Spiel entschied. In der zweiten Saisonhälfte besserten sich Bryants Leistungen, doch sein Verhalten abseits des Platzes hat ihm keine guten Argumente für eine Verlängerung eingebracht.

Außerdem müsste Pittsburgh dann Cap Space schaffen, um seinem zum Receiver Nummer drei abgerutschten Unruheherd einen neuen, großen Vertrag zu geben. Aktuell scheint dies nur realistisch, sollte mit Bell keine Einigung erzielt werden und man dadurch 14,5 Millionen Dollar mehr zur Verfügung hätte.

Sollte es doch noch zu einem Trade kommen, müssten die Steelers sich auch auf der Receiver-Position nochmal umsehen. Zumal es nicht gesichert ist, dass Eli Rogers rechtzeitig zur neuen Saison von seinem Kreuzbandriss zurückkehrt. Als potentielle Ergänzung hinter Star-Receiver Brown und dem neuen Publikumsliebling Smith-Schuster wurde bereits Tavon Austin ins Gespräch gebracht, der von den Los Angeles Rams aller Voraussicht nach entlassen werden wird.

Seite 2: Wer ersetzt Ryan Shazier - und was passiert dahinter?

Linebacker: Sorgen Inside and Out - Wer füllt die Lücke von Ryan Shazier?

Der Blick auf die andere Seite des Balls funktioniert nicht ohne eine gewisse Tragik: Als wäre die Defense für Pittsburgh nicht schon Sorgenkind genug, müssen sich die Verantwortlichen für die kommende Spielzeit auch noch überlegen, wie man mit der Personalie Ryan Shazier umgeht.

Klar ist, dass Shazier nach seiner schweren Verletzung an der Wirbelsäule für die komplette Saison 2018 nicht zur Verfügung stehen wird. Wer füllt nun also das Loch, dass Pittsburghs Nummer 50 neben Inside Linebacker Vince Williams hinterlässt?

Eine Möglichkeit hätten die Steelers sicherlich durch den Draft. Allerdings scheint es wahrscheinlicher, dass man sich hier, wie im letzten Jahr mit TJ Watt, für einen Edge-Linebacker entscheidet.

Eine Variante, die bereits ins Gespräch gebracht wurde, ist die, Lawrence Timmons aus Miami zurückzuholen. Timmons verließ die Steelers 2017 nach zehn Jahren, fand bei den Dolphins sein Glück jedoch nicht.

Der 31-Jährige kennt das Playbook der Defense, könnte mit seiner Erfahrung Williams als Abwehrchef unterstützen und wäre die benötigte Hilfe für Nose Tackle Javon Hargrave gegen den Run. Zumindest vorübergehend. Durch seine Steelers-Vergangenheit hätte der Klub wohl gute Chancen, Timmons zu dieser Lösung zu überreden - zumal sie ihm auch noch eine erfolgreiche Saison in Aussicht stellen können.

Sollte Shazier 2019 zurückkommen, hätte Timmons aufgrund seines Alters eventuell wenig Probleme damit, den Backup zu spielen und grundsätzlich einen kleineren Vertrag zu unterschreiben. So oder so: Pittsburgh dürfte den Free-Agency-Markt hierfür genau unter die Lupe nehmen.

Die Steelers-Secondary? Under Construction

Stars zu ersetzen ist in der NFL immer schwer. Noch schwieriger ist es mit Vereinslegenden. Und so sucht Pittsburgh auch vier Jahre später immer noch nach einem Safety, der in die Fußstapfen von Troy Polamalu tritt, der 2014 seine Karriere beendete.

Mit Sean Davis haben sie 2016 einen jungen Spieler gedraftet, der in seinen ersten zwei Spielzeiten bereits viel gelernt, aber noch einen langen Weg zu gehen hat. Das Talent ist da, aber er braucht noch Zeit.

Wer 2018 als Free Safety für sie Steelers starten wird, scheint offen. Mike Mitchell und J.J. Wilcox wurden beide entlassen, könnten aber für günstigere Verträge zurückkehren. Es ist wahrscheinlich, dass man im Draft reagiert und versucht einen weiteren jungen Spieler in der Secondary auszubilden.

Denn auf dem Free-Agency-Markt gibt man sich in Pittsburgh seit jeher lieber zurückhaltend. In der Gerüchteküche werden dennoch zwei Name gehandelt: Tre Boston von den Los Angeles Chargers und Morgan Burnett von den Green Bay Packers könnten ernsthafte Optionen werden.

Bei den Cornerbacks deutet nach der Entlassung von William Gay zudem alles auf einen Draft-Pick hin. Der Abschied des 33-jährigen Veterans gibt den Steelers nochmal fünf Millionen Dollar an Cap Space für die nächsten Wochen. Die Free-Agency-Schwergewichte wie Malcolm Butler, Richard Sherman oder Trumaine Johnson sind allesamt schon anderswo untergekommen beziehungsweise stehen kurz davor, woanders zu unterschreiben.

Saison 2018: Reicht's für Atlanta?

Die Defensive hat, bei aller Kritik, im letzten Jahr Fortschritte gezeigt (Nr. 5 in Total-Defense, Nr. 5 Passing-Defense, Nr. 10 Run-Defense, Nr. 1 in Sacks). Mit Watt, Hargrave, Tuitt, Burns und Davis haben die Steelers junge, talentierte Spieler, die auch im nächsten Jahr ihre Fehler machen werden, aber die alle das Potential mitbringen, um sich zu guten bis sehr guten NFL-Verteidigern zu entwickeln.

Interessant wird sein, wie der neue Offensive Coordinator Randy Fichtner die Offensive ausrichtet. Roethlisberger bekommt seinen bisherigen Quarterback-Coach als neuen Play-Caller, nachdem er in den letzten Jahren zunehmend genervt von den Entscheidungen von Fichtners Vorgänger Todd Haley war.

Zumindest werden die Erwartungen an die Offense nicht geringer sein, als sie es letzten Sommer schon waren. Da wollte man im Schnitt 30 Punkte erzielen, schaffte es aber auf diese Marke nur viermal. Eine regelmäßig gut laufende Offense würde natürlich immens viel Last von der jungen Defense nehmen. Und wer weiß, wie lange Pittsburgh noch mit dieser offensiven Feuerkraft ausgestattet ist.

Auch wenn Pittsburghs Schedule für 2018 von offizieller Seite als einer der leichtesten Spielpläne eingestuft wird, werden sie einige Hürden zu nehmen haben. Gerade zuhause kommen mit den Patriots, Falcons, Panthers, Cargers und Chiefs keine Gegner ins Heinz Field, in denen die Steelers schon von vornherein zum Sieger erklärt werden.

Defensiv muss man es nächstes Jahr schaffen, sich mit den besten Verteidigungslinien der Liga messen zu lassen. Dazu ist in der Offseason noch viel Entwicklung nötig.

Offensiv ist in Pittsburgh alles vorhanden, was man für den Titel braucht. Das wusste auch Roethlisberger, als er Brown den Super Bowl versprach. Der Nächste findet im Februar 2019 in Atlanta statt.

Die Gegner der Pittsburgh Steelers 2018

Heim Auswärts
Cleveland Browns Cleveland Browns
Baltimore Ravens Baltimore Ravens
Cincinnati Bengals Cincinnati Bengals
Atlanta Falcons Denver Broncos
Carolina Panthers Jacksonville Jaguars
Kansas City Chiefs New Orleans Saints
Los Angeles Chargers Oakland Raiders
New England Patriots Tampa Bay Buccaneers

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