NFL: Packers vs. Seahawks: Das Zünglein an der Waage

Showdown im Lambeau Field und das bereits in Week 1: Für viele ist das Duell zwischen den Green Bay Packers und den Seattle Seahawks bereits ein erster Vorgeschmack auf das mögliche NFC-Title-Game. Es ist aber vor allem das Duell zwischen der wohl besten Defense und dem derzeit besten individuellen Spieler der Liga. Eines, das durch Kleinigkeiten entschieden wird - und vielleicht sogar durch einen Running Back.

Showdown im Lambeau Field und das bereits in Week 1: Für viele ist das Duell zwischen den Green Bay Packers und den Seattle Seahawks bereits ein erster Vorgeschmack auf das mögliche NFC-Title-Game. Es ist aber vor allem das Duell zwischen der wohl besten Defense und dem derzeit besten individuellen Spieler der Liga. Eines, das durch Kleinigkeiten entschieden wird - und vielleicht sogar durch einen Running Back.

An die ersten Begegnungen mit Seattles Legion of Boom möchte Aaron Rodgers mit Sicherheit lieber nicht zurückdenken. 2012 und 2014 unterlag er Seattle drei Mal und wurde dabei insgesamt zwölf Mal zu Boden gebracht. Insbesondere das NFC Championship Game 2014 dürfte A-Rod noch in schlechtester Erinnerung sein.

Seitdem weist jedoch kaum ein Quarterback eine bessere Bilanz gegen Seattles Defense auf als Rodgers (495 yds, 5 TD, 0 INT). Gerade das letzte Aufeinandertreffen glich einer Machtdemonstration.

Doch bei dem Spiel in Week 14 musste das wohl elementarste Puzzleteilchen von Pete Carrolls Legion of Boom verletzt zusehen.

Earl Thomas? "Besser als je zuvor"

Ein Beinbruch zwang Earl Thomas in der entscheidenden Phase der vergangenen Saison in die Zuschauerrolle. Überspitzt gesagt funktioniert die Hawks-Defense ohne Thomas nur halb so gut, weil er durch seine Schnelligkeit, Physis und insbesondere seine Instinkte der ideale Safety in Seattles Cover-3-Defense ist.

Auch ohne Thomas sind da natürlich noch Spieler wie Kam Chancellor und Richard Sherman, die die Secondary der Seahawks zu einer der gefürchtetsten Positionsgruppen der NFL machen. Doch Thomas' Ausfall hatte fatale Folgen, einerseits auf die Defense der Seahawks und andererseits auf den Gameplan der gegnerischen Offensive Coordinator.

War es mit Thomas auf dem Feld noch keine gute Idee, die Seahawks tief anzugreifen (66.1 Passer-Rating bei Go-Routes beispielsweise), präsentierte sich Seattle nach dem Ausfall von Thomas gerade in diesem Bereich anfällig.

Nun da Thomas wieder genesen ist, stellt sich die Frage nach seinem Fitnesszustand. Sofern man den Worten von Pete Carroll Glauben schenken mag, müssen sich Seahawks-Fans keine Sorgen machen. Ganz im Gegenteil, und das wäre keine gute Nachricht für Quarterbacks überall in der NFL: "Er befindet sich meiner Meinung nach in der besten Verfassung, in der ich ihn je gesehen habe. Er ist besser als je zuvor."

Seattles Pass-Rush: Old but improved

Allein die Rückkehr und die Präsenz von Earl Thomas könnte ein Schlüssel für Seattle zum Sieg sein. Das liegt auch daran, dass ausgerechnet die Go-Route eine der beliebtesten Passrouten der Packers in der vergangenen Saison war und die Packers-Offense sowieso vermehrt auf isolierte Pass-Routen setzt.

Das lässt den Angriff Green Bays zuweilen statisch wirken, gehört aber angesichts der Scrambling-Fähigkeiten von Rodgers mit zum Gameplan.

Obwohl Rodgers wie kaum ein anderer Quarterback unbeeindruckt von Pressure seine Pässe an den Mann bringen kann, wäre es fatal für die Packers gegen diese Defense das Heil allein in Isolation Routes und Rodgers Füße zu suchen. Der Pass-Rush und die Front-Seven der Seahawks zählten schon vor einigen Wochen mit Michael Bennett, Bobby Wagner, K.J. Wright, Cliff Avril und Frank Clark zu den Besten der Liga.

Wenn es eine kleine Schwäche gegeben hat, so befand sie sich im Inneren der Defensive Line, wo ein entscheidender Playmaker gefehlt hat. Diese Lücke füllt der jüngst noch verpflichtete Sheldon Richardson, der gerade Scrambling-Quarterbacks wie Rodgers aufgrund seiner Beweglichkeit das Leben schwer machen kann und in der Lage ist, sowohl Read-Options perfekt zu covern, als auch Open-Field-Tackles zu landen.

Die Causa Lang und Green Bays O-Line

Angesichts des Trades von Richardson kann Rodgers also mit noch mehr Druck von den Seahawks rechnen. Zwar gehörte die Offensive Line der Packers in der vergangenen Saison zu den besten Lines der Liga, doch verabschiedeten sich in der Offseason Center J.C. Tretter und in Guard T.J. Lang, einer der Top-Beschützer von A-Rod.

Lang war mit einer Pass Block Efficiency von 98,5 in der vergangenen Saison einer von drei Guards, die weder einen Sack, noch einen Hit zuließen. Mit Jahri Evans tritt aber zumindest ein fähiger Routinier in die Fußstapfen von Lang, der es von den New Orleans Saints gewohnt ist, in einer Passing-Offense zu agieren.

Die O-Line der Packers ist daher immer noch gut ausgestattet. Gegen die nominell beste Defense der Liga muss sie ihrem Ruf aber auch gerecht werden, denn ansonsten bekommt selbst Rodgers Probleme.

Seahawks: Wird die Pass-Protection zum Knackpunkt?

Die Offensive Line der Seahawks war hingegen schon in der vergangenen Saison das Sorgenkind in Seattle. Hier muss sich die Franchise den Vorwurf gefallen lassen, abgesehen von Luke Joeckel kaum investiert zu haben. Der immerhin hinterlässt bislang überraschend gute Eindrücke. Große Hoffnungen setzten die Seahawks in Left Tackle George Fant, der zog sich jedoch einen Kreuzbandriss zu und wird für die gesamte Saison ausfallen. Der beste O-Liner der Hawks ist aktuell wohl Center Justin Britt, eigentlich ein gelernter Tackle.

Andererseits ist fraglich, ob die Defense der Packers die dünne Besetzung in der O-Line für sich nutzen kann. Der Pass-Rush ist neben der zwar verbesserten, aber noch längst nicht ausgereiften Secondary um die Top-Picks Kevin King und Josh Jones das große Fragezeichen in Green Bay.

Nick Perry und Mike Daniels sind die einzigen Konstanten in der Front Seven der Packers. Gegen die Seahawks wird es aber auch darauf ankommen, ob Clay Matthews als Edge-Rusher zu alter Stärke zurückfindet, um Wilson unter Druck zu setzen.

Eddie Lacy: Ein Hauch von Lynch

Selbst wenn das geschieht, muss das nicht zwangsläufig eine Auftaktpleite für Seattle bedeuten, denn auch Wilson ist extrem gut darin, mit Pressure der gegnerischen Defense umzugehen. Dazu hat er in Jimmy Graham, Tyler Lockett und Doug Baldwin nach wie vor die Waffen zur Hand, um Spiele auch mit der Offense zu entscheiden. Graham kann zudem als schnelle Pass-Option eine gute Lösung für Wilson darstellen, sollte die Pass-Protection dem Druck der Packers-Defense nicht gewachsen sein.

Inwieweit Wilson und die Offense ins Spiel finden, hängt allerdings auch vom Running Game ab. Eddie Lacy soll bei den Hawks mit vielen Yards nach Kontakt und roher Gewalt den Mythos von Marshawn Lynch zumindest ein wenig wiederbeleben. Ob er bei seiner Rückkehr an alter Wirkungsstätte als Starter das Lambeau Field betritt oder für Thomas Rawls auf der Bank Platz nehmen muss, ließ Coach Pete Carroll allerdings offen.

Angesichts der Blessuren von Rawls bahnt sich für Lacy jedoch der Starting-Job bei seinem alten Arbeitgeber an: "Er ist toll. Wir kennen ihn ja schon seit Jahren und wissen, wozu er als Running Back fähig ist. Er ist bereit", sagte Carroll auf der Pressekonferenz vor dem Spiel. Eine wesentlich entscheidendere Rolle in Sachen Variabilität könnte jedoch C.J. Prosise als Pass-Catching-Back zukommen, den Green Bay erst einmal verteidigen muss.

Montgomery und Bennett: Rodgers' X-Faktoren

Auch bei den Packers wird es unter anderem auf einen Running Back ankommen. Zwar bereitete Ty Montgomery seinen Coaches mit Fumble-Problemen in der Saisonvorbereitung neue Sorgenfalten, doch kann er für die Seahawks am Sonntag zu einem Mismatch-Problem werden. Und das nicht nur, weil die Run-Defense das einzige kleine Fragezeichen rund um Seattles Defensive ist.

Er könnte der statischen Offense der Packers die nötige Flexibilität geben und durch sein großes Skill-Set als Wide Receiver und physisch starker Running Back der Schlüssel zu einem Packers-Sieg werden. "Er stellt uns vor große Probleme bei den Matchups und der Vielfältigkeit ihrer Formationen", kommentierte Carroll Montgomerys Rolle bei der Vorbereitung auf Week 1.

Selbiges gilt auch für Martellus Bennett im Zusammenspiel mit dem Wide-Receiver-Corps um Davante Adams, Jordy Nelson und Randall Cobb. Der Tight End hat seine Stärken insbesondere im Bereich zwischen der Line of Scrimmage und der First-Down-Markierung, wo er für die Patriots 24 von 26 Pässe fing. Somit bietet er eine lohnenswerte Alternative zu den Isolation-Routes der Receiver und Rodgers eine Möglichkeit, die Legion of Boom zu umgehen. Die Offense wirkte in der vergangenen Saison schon mit Tight End Jared Cook auf dem Platz deutlich flexibler, mit Bennett sollte sich dieser Faktor nochmals erhöhen.

Vieles wird am Sonntag davon abhängen, wie die O-Line und der Pass-Rush der Packers gegen eine bärenstarke Defense und eine spielerisch sehr begrenzte O-Line der Seahawks funktioniert. Eines ist sicher: Es dürfte eng im Lambeau Field zugehen und sowohl Aaron Rodgers als auch die Legion of Boom können für ein frühes Spektakel in der noch jungen Saison sorgen. Ty Montgomery aber könnte das Zünglein an der Waage werden.

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