NFL: Die neue Rams-Defense - und sollte OBJ getradet werden?

Die Los Angeles Rams haben ihre Defense nicht nur prominent und aggressiv verbessert - sie reagieren damit auch auf die größten offensiven Trends in der NFL. Außerdem: Sollten die New York Giants Odell Beckham traden? Wie sieht die Top-10 im kommenden Draft aus? Und was macht eigentlich Moritz Böhringer ? In der neuen Ausgabe seiner Kolumne blickt SPOX -Redakteur Adrian Franke auf die aktuellsten Themen rund um die NFL.

Die Los Angeles Rams haben ihre Defense nicht nur prominent und aggressiv verbessert - sie reagieren damit auch auf die größten offensiven Trends in der NFL. Außerdem: Sollten die New York Giants Odell Beckham traden? Wie sieht die Top-10 im kommenden Draft aus? Und was macht eigentlich Moritz Böhringer? In der neuen Ausgabe seiner Kolumne blickt SPOX-Redakteur Adrian Franke auf die aktuellsten Themen rund um die NFL.

Seite 1: Die neue Rams-Defense ist die ideale Antwort auf die moderne NFL

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Die neue Rams-Defense ist die Antwort auf die moderne NFL

Die Los Angeles Rams haben in der vergangenen Saison einen spektakulären Turnaround hingelegt: Von der uninspirierten Jeff-Fisher-Offense hin zur modernen, dynamischen Version unter Sean McVay. Von einem jährlichen Mittelmaß-Team hin zum Division-Sieger und aufstrebenden Playoff-Team.

Man hätte den Rams also eine anhaltende stabile Entwicklung, basierend auf Draft-Picks als künftige Säulen sowie einzelne Free-Agency-Verstärkungen prognostizieren können. Doch L.A. wählte einen anderen Weg.

Vielmehr war kein Team in der bisherigen Offseason aggressiver: Die Rams holten sich via Trade in Person von Marcus Peters und Aqib Talib mal eben ein neues Starting-Cornerback-Duo, ehe mit Ndamukong Suh einer der dicksten Fische dieser Free Agency verpflichtet wurde.

Dieses aggressive Vorgehen hinter den Kulissen wird eine der spielerisch aggressivsten Defenses 2018 auf dem Platz zur Folge haben, so viel lässt sich schon jetzt prognostizieren. Und die Rams haben beim Zusammenstellen dieser neuen Defense die richtigen Schlüsse aus den offensiven Entwicklungen der letzten Jahre gezogen.

NFL Stats: Kurzpassspiel ist Trumpf

Die Spieler sind danach sortiert, wie viele Pässe sie in der vergangenen Saison prozentual in die 1-10-Yard-Range geworfen haben. Nur Spieler mit mindestens 225 Passversuchen wurden berücksichtigt.

Platzierung Spieler (Team) Pässe gesamt Pässe vor der LoS (Prozent) Pässe 1-10 Yards (Prozent)
1. Trevor Siemian (Broncos) 349 42 (12%) 188 (53,9%)
2. Dak Prescott (Cowboys) 490 61 (12,4%) 263 (53,7%)
3. Josh McCown (Jets) 397 82 (20,7%) 210 (52,9%)
4. Eli Manning (Giants) 571 98 (17,2%) 296 (51,8%)
5. Aaron Rodgers (Packers) 238 53 (22,3%) 121 (50,8%)
6. Carson Wentz (Eagles) 440 65 (14,8%) 215 (48,9%)
7. Joe Flacco (Ravens) 549 112 (20,4%) 268 (48,8%)
8. Jacoby Brissett (Colts) 469 96 (20,5%) 227 (48,4%)
9. Tyrod Taylor (Bills) 420 77 (18,3%) 202 (48,1%)
10. Matt Ryan (Falcons) 529 67 (12,7%) 254 (48%)
11. Russell Wilson (Seahawks) 553 86 (15,6%) 253 (47,8%)
12. Brett Hundley (Packers) 316 74 (23,4%) 150 (47,5%)

Zahlen von ESPN und Inside the Pylon.

Die NFL ist eine Kurzpass-Liga geworden, das weiß man spätestens seit den Erfolgen der Patriots und der wachsenden Anzahl der West-Coast-Vertreter überall in der Liga. In der Summe haben fünf Quarterbacks mit mindestens 225 Passversuchen insgesamt 70 Prozent (!) ihrer Pässe zehn Yards oder kürzer geworfen: Josh McCown (73,6%), Aaron Rodgers (73,1%), Alex Smith (72,2%), Drew Brees (71,5%) und Brett Hundley (70,9%).

Brees führte alle Quarterbacks mit Pässen vor der Line of Scrimmage, also kürzer als die Line, an (25,6%), was nochmals die Bedeutung des Screen Games für die Saints-Offense der vergangenen Saison untermauert. Kein Quarterback mit über 200 Pässen hat weniger als zehn Prozent davon vor die Line of Scrimmage geworfen.

NFL: Statistiken zum Deep Passing Game

Platzierung Spieler (Team) Pässe gesamt Pässe >21 Yards (Prozent)
1. Ben Roethlisberger (Steelers) 561 86 (15,3%)
2. Russell Wilson (Seahawks) 553 79 (14,3%)
3. DeShone Kizer (Browns) 476 60 (12,6%)
4. Tom Brady (Patriots) 581 72 (12,4%)
5. Carson Wentz (Eagles) 440 53 (12,4%)
6. Carson Palmer (Cardinals) 267 32 (12%)
7. Tyrod Taylor (Bills) 420 49 (11,7%)
8. Jay Cutler (Dolphins) 429 48 (11,2%)
9. Alex Smith (Chiefs) 505 56 (11,1%)
10. Matt Ryan (Falcons) 529 58 (11%)

Zahlen von ESPN und Inside the Pylon.

Während das Kurzpassspiel im Bereich unter zehn Yards - und sogar vor der Line of Scrimmage - eine auffallend große Rolle einnimmt, liegt es in der Natur der Sache, dass das Downfield-Passing-Game bei den meisten Teams eine statistisch untergeordnete Priorität innehat. Dabei gibt es Ausnahmen, Deshaun Watson warf in der Vorsaison schier unglaubliche 17,2 Prozent seiner Pässe mindestens 21 Yards weit; da er durch die Verletzung nur 204 Pässe warf, taucht er in der Tabelle nicht auf.

Doch der maßgebliche Schluss daraus ist: Zum Quarterback zu kommen wird immer schwieriger, da sich das Passspiel immer mehr auf einerseits kurze, schnelle Pässe und andererseits auf die Shotgun-Formation - wo der Quarterback also beim Snap weitmöglichst von der Offensive Line entfernt steht - fokussiert. Mehrere Teams sind inzwischen jenseits der 70 Prozent was Shotgun-Snaps angeht.

Rams: Ndamukong Suh und Aaron Donald nebeneinander

Edge-Rusher haben es somit immer schwerer, der Fokus verschiebt sich aufs Zentrum. Anders gesagt: Interior Pressure für die Defense sowie Interior Protection für die Offense werden immer wichtiger. Defensive Tackles haben den kürzesten Weg zum Quarterback und Druck über die Mitte hat die höchste Wahrscheinlichkeit, einen Quarterback beim Dropback aus dem Rhythmus zu bringen und so die Struktur des Plays empfindlich zu stören.

Die Rams scheinen voll auf diese Philosophie zu setzen. Aaron Donald ist der 3-Technique-Tackle in der Base-Rams-Front, also der Spieler, der sich zwischen dem Guard und dem Tackle aufstellt. Diese oder zumindest eine ähnliche Position hat Suh über knapp 6.800 Snaps von 2010 bis 2017 ebenfalls bekleidet, die Rams wollen jetzt versuchen, beide nebeneinander aufs Feld zu bringen.

Dafür muss Suh eine kleine Umstellung in Kauf nehmen und den 1-Technique-Spot - also zwischen Center und Guard - in der 3-4-Front der Rams einnehmen. Eine Position, die er laut ESPN Stats in nur drei Prozent seiner NFL-Snaps gespielt hat. Viel wichtiger aber ist die Tatsache, dass die Defense von Wade Phillips eine 1-Gapping-Defense ist. Bedeutet: Die Defensive Linemen greifen eine bestimmte "Gap" - etwa zwischen Guard und Offensive Tackle - an. Es wird aggressiv agiert, statt zu reagieren und eher die eigene Position zu halten als zu attackieren.

Das kommt Suhs Stärken entgegen, Donald und Suh sind ohne Frage das beste Gap-Attacking-DT-Duo in der Liga und jetzt wird es schwierig für gegnerische Offenses: Die Rams blitzten in der vergangenen Saison gerne mit ihrem Outside Linebacker und zwangen so die Protection schon in eine bestimmte Richtung. Offenses konnten es sich dabei leisten, gewissermaßen "aufzurücken" und Aaron Donald trotzdem zu doppeln. Das reichte längst nicht immer, jetzt aber wird das noch deutlich schwieriger.

Blitzen die Rams, werden sich Offenses regelmäßig entscheiden müssen, ob sie Suh oder Donald doppeln. Das ist schon für sich betrachtet eine unschöne Aussicht, gleichzeitig werden die Rams in ihren Sub-Packages noch kreativer mit ihrem neuen Defensive-Tackle-Duo umgehen und beide herum schieben. Statistisch gesehen wurde Donald in seiner Karriere an der Line flexibler eingesetzt als Suh - die Kombination aus beiden wird für Offenses noch schwerer vorhersehbar sein.

Wo sind die Schwächen der neuen Rams-Defense?

Stichwort Kombination: Die Rams haben jetzt nicht nur die beste Interior-Defensive-Line in der NFL, auch das Zusammenspiel mit dem neuen Cornerback-Duo macht extrem viel Sinn. Peters und Talib interpretieren ihre Position aggressiver als die allermeisten anderen Cornerbacks. Insbesondere Peters hat sich einen Ruf dahingehend erarbeitet, dass er die Offense liest und im Play seine eigentliche Position verlässt, um einen Pass abzufangen.

Das hat ihm über die letzten drei Jahre 19 Interceptions eingebracht - ist aber natürlich jedes Mal ein Risiko. Doch in der Theorie sollte es den Rams jetzt gelingen, Quarterbacks schneller unter Druck zu setzen als die meisten Teams, während die Cornerbacks Routes mutig antizipieren. Das kann für die Offense eine äußerst unangenehme Kombination sein.

Das Risiko, das die Rams damit eingehen, sollte man dabei allerdings auch nicht unterschätzen. Beide Cornerbacks werden auch Big Plays zulassen, während sich gleichzeitig erst zeigen muss, wie sich Suh als 1-Technique gegen den Run bewährt. Darüber hinaus fehlt dringend ein Edge-Rusher, nach dem Trade von Robert Quinn nach Miami umso mehr - und das Linebacker-Corps muss nicht erst seit dem Abgang von Alec Ogletree aufgebessert werden.

Doch schon jetzt ist erkennbar, dass die Defense der Rams in der Summe auf den vielleicht dominantesten Passing-Trend der letzten Jahre ausgerichtet ist. Es wird faszinierend zu sehen sein, wie diese aggressive Vorgehensweise auf und abseits des Platzes funktioniert.

Seite 2: Was sollen die Giants mit Odell Beckham machen?

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Was sollen die New York Giants mit Odell Beckham machen?

Die Gerüchte halten sich nunmehr seit einer guten Woche: Nachdem Giants-Besitzer John Mara Beckham öffentlich in die Pflicht genommen und Trade-Gerüchte befeuert hatte, dauerte es nicht lange, ehe die Rams auch schon mit dem Wide Receiver in Verbindung gebracht wurden. Was also sollten die Giants mit Beckham machen?

Es ist keine einfache Situation, trotzdem kam ich zu dem Schluss: Für mich gibt es fast kein Szenario, in dem man Beckham gehen lassen kann.

Die große Ausnahme wäre es, wenn die Giants-Verantwortlichen der Meinung sind, dass Beckhams Ablenkungen abseits des Platzes zu einem ernsthaften Problem werden. Im Sinne von: Probleme die Beckham Ärger mit dem Gesetz und Sperren durch die NFL einbringen.

Davon abgesehen kann ich mich mit dem Gedanken, Beckham jetzt zu traden, nicht anfreunden. Wide Receiver prägen nur selten eine Offense, Beckham hat genau das über die vergangenen Jahre in New York gemacht. Eine der zentralen (und wenigen) Stärken der Giants-Offense unter McAdoo war es, Räume für Beckham zu schaffen, damit dessen Slants und sonstige In-Breaking-Routes möglichst effizient auch nach dem Catch genutzt werden. Seine Explosivität und seine Schnelligkeit auf engstem Raum sind herausragend.

Anders formuliert: Beckham ist erst 25 Jahre alt, einer der mindestens fünf besten Wide Receiver in der NFL mit Potential für noch mehr und einer der wenigen offensiven Skill-Player - Quarterbacks natürlich ausgenommen - die eine Offense maßgeblich prägen können. Sich von solchen Spielern zu trennen sollte nur eine allerletzte Reißleine darstellen.

Beckham-Trade: Erstrunden-Pick und mehr?

Die Rede war schnell von einem Erstrunden-Pick plus weitere Picks als mögliche Ablöse für Beckham. Das klingt erst einmal interessant, doch darf man auch nicht den Fehler machen, Picks zu überschätzen: Ein Pick auch in der ersten Runde ist keinerlei Garantie, dass der Spieler, den man damit nimmt, ein Starter wird. Oder ein überdurchschnittlicher Spieler. Von einem Spieler von Beckhams Qualität ganz zu schweigen.

Diese Art Spieler gibt es nur selten und natürlich wird Beckham, das ist die gleiche Dynamik wie bei neuen Quarterback-Verträgen, Antonio Brown, was das jährliche Gehalt angeht, übertreffen. Damit ist man schon im Bereich von etwa 18 Millionen im Jahr.

Die große Frage bei Beckham wird sein, ob irgendein Team bereit ist, ihm rund 22 bis 24 Millionen Dollar im Jahr - die Summe, die Beckham angeblich fordert, sollte er tatsächlich auf Quarterback-Geld bestehen - zu bezahlen.

Wide Receiver Gehälter: Die Top-8 in puncto Jahresgehalt

Spieler Durchschnittliches Jahresgehalt Vertragsdauer Garantierte Summe
Antonio Brown (Steelers) 17 Millionen Dollar 2017-2021 19 Millionen Dollar
Mike Evans (Buccaneers) 16,5 Millionen Dollar 2018-2023 55 Millionen Dollar
DeAndre Hopkins (Texans) 16,2 Millionen Dollar 2017-2022 49 Millionen Dollar
Sammy Watkins (Chiefs) 16 Millionen Dollar 2018-2020 30 Millionen Dollar
Jarvis Landry (Browns) 15,9 Millionen Dollar (Franchise Tag) 2018-2018 15,9 Millionen Dollar
A.J. Green (Bengals) 15 Millionen Dollar 2015-2019 32,75 Millionen Dollar
Davante Adams (Packers) 14,5 Millionen Dollar 2017-2021 30 Millionen Dollar
Julio Jones (Falcons) 14,25 Millionen Dollar 2015-2020 47 Millionen Dollar

Angesichts des steigenden Salary Caps und der Gehälter der anderen Receiver-Stars (immer mit Blick darauf, wann deren Verträge abgeschlossen wurden) wäre es nicht absurd, würde New York Beckham 18 bis 20 Millionen im Jahr bieten. Der Vertrag von Jason Pierre-Paul ist ab nächster Saison dann auch Cap-technisch aus den Büchern und die Giants könnten versuchen, finanzielle Klauseln einzubauen, sollte Beckham wegen Geschehnissen abseits des Platzes suspendiert werden.

Es ist keine einfache Situation, angesichts der Tatsache, dass Beckham unter der Fifth-Year-Option mutmaßlich über den Sommer streiken wird. Wie übrigens schon so viele Spieler vor ihm in ähnlichen Vertragssituationen. Ihn aber jetzt abzugeben, weil Beckham nicht der einfachste Typ ist, wäre sportlich eine verheerende Entscheidung.

Seite 3: Trade-Prognosen, Draft-Sleeper, Draft Top 10 - und Moritz Böhringer

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Trade-Prognosen, Draft-Sleeper, Draft Top 10 - und Böhringer

Flo: Wer sind deine Top-Favoriten auf einen Mega-Trade und wann denkst du werden die stattfinden? Eher beim Draft oder in der Woche davor?

Ich bleibe hier bei Buffalo. Arizona hat nicht die Munition, um in die Top-5 zu kommen - es sei denn, man opfert mutmaßlich einen Erst- und Zweitrunden-Pick 2019. Die Dolphins sind für mich eine Wildcard, Miami hat aber so viele Baustellen, dass ich hier letztlich in Richtung Best Player Available tendieren würde.

Die Bills sind das Team, das zum einen die Munition hat: Die Picks 12 und 22, kombiniert etwa mit Nummer 53 in Runde 2 und einem Mid-Rounder (Nummer 96 beispielsweise), könnten reichen, um sogar bis an 2 zu kommen - wenn die Giants aus ihrem Spot raus wollen. Clevelands zweiter Pick an Position 4 sollte mit den beiden Erst- und einem der beiden Zweitrunden-Picks zu haben sein.

Außerdem hat Buffalo gezeigt, dass man gewillt ist, schrittweise und doch aggressiv nach oben zu gehen, um sich für den eigenen Wunsch-Quarterback in Position zu bringen. Was das Timing des Trades angeht: Mich würde es nicht wundern, wenn wir hier einen Monster-Trade am Draft-Tag selbst erleben, einfach weil völlig unklar ist, wer in der Top-5 was macht und welche Spieler wo noch verfügbar sind. Gerade mit Blick auf den ungewöhnlichen Quarterback-Run, der uns bevorsteht.

Ste Sta: Szenario: Bei den Picks eins bis drei gehen ausschließlich Quarterbacks. Wen picken die Browns an 4 und wen sollten sie picken?

Wenn ich raten muss, welchen Spieler Cleveland in diesem Szenario nimmt, dann würde ich auf Saquon Barkley tippen. Die Browns sind mit Zeitler und Bitonio sehr gut aufgestellt und brauchen keinen Guard, was Quenton Nelson aus dem Rennen wirft. Minkah Fitzpatrick würde den hohen Pick rechtfertigen, doch hat Cleveland gerade für einen Safety (Damarious Randall) getradet und hat einen weiteren in der ersten Runde des vergangenen Drafts geholt (Jabrill Peppers).

Ich vermute - man muss immer dazu sagen, dass alle Team-Infos vor dem Draft mit großer Vorsicht zu genießen sind - dass die Browns Barkley unglaublich hoch sehen und ihn unbedingt an 4 wollen. Die Verpflichtung von Carlos Hyde sehe ich als reine Absicherung, sollte man Barkley nicht bekommen.

Wen sie picken sollten? Bradley Chubb. Der Luxus, in aufeinanderfolgenden Jahren den jeweils besten Pass-Rusher der Klasse zu holen (und nebenbei den Franchise-Quarterback im Idealfall), kann einem Team ein komplett anderes Gesicht geben. Mit Emmanuel Ogbah, Myles Garrett und Bradley Chubb hätte Cleveland die beste junge Front in der NFL und alle drei haben noch mehrere Jahre auf ihren Rookie-Deals. Gemeinsam mit Jamie Collins dahinter kann das perspektivisch eine der Top-Fronts in der NFL werden.

Niklas_Cage und Nico Bellic: Hast Du einen Late-Round-Geheimtipp? Wer ist es, wo geht er hin und wieso ist er eine positive Überraschung? Vielleicht ein Spieler, der ähnlich einschlagen könnte wie Prescott oder Kamara?

Kamara ist ein guter Ansatz hier, gerade bei den Running Backs ist in den mittleren und auch späten Runden oft noch sehr gute Qualität vorhanden. Rashaad Penny etwa könnte hinter Barkley, Guice, Michel und Jones durchaus bis in die dritte Runde fallen - ist aber ein sehr spannender Back, der zudem als Punt- und Kickoff-Returner Big-Play-Potential mitbringt. Noch später als Penny wird ein Back wie Royce Freeman gehen, der eine spannende Mischung aus Power und Vision hat.

Ein Receiver für etwa die vierte, vielleicht sogar fünfte Runde ist Keke Coutee von Texas Tech. Coutee ist schon in der vergangenen Saison auf Tape nur so heraus gesprungen, wenn man sich mit seinem Quarterback - Patrick Mahomes - beschäftigt hat. Ein Speed-Monster mit ungeheurer Explosivität, die auch greift, wenn er etwa einen kurzen Slant fängt.

Auf der defensiven Seite des Balls kommt Tarvarius Moore immer wieder auf. Hatte 87 Tackles (drei TFL), drei Picks, zehn Pass-Breakups, einen Forced Fumble und eine Fumble-Recovery in der vergangenen Saison - und ist ein athletischer Freak. Moore spielte für Southern Mississippi und hat dementsprechend nicht die größte Bühne. Das könnte sich aber in der NFL ändern, auch wenn Moore sicher ein tieferer Sleeper ist.

Ebenfalls ein Kandidat für die fünfte Runde oder abwärts ist Ja'Von Rolland-Jones. Ein Edge-Verteidiger von Arkansas State mit bemerkenswerten Statistiken 2017 (19 Tackles for Loss, 13 Sacks), bei ihm werden sich Teams fragen müssen, wie genau sie seine Physis einordnen: Rolland-Jones ist im Vergleich zu NFL-Edge-Rushern und den Offensive Linemen in der NFL deutlich kleiner. Die Explosivität und die Technik genau wie die Spielintelligenz sind aber so hoch, dass Rolland-Jones mit dem richtigen Coach ein sehr guter Spieler werden kann.

NiceGuysSanktPauli: Quarterbacks werden immer früh gepickt, klar. Aber wer sind in diesem Jahr die Topspieler im Draft?

Meine Top-10 ohne die Quarterbacks sähe aktuell so aus - Änderungen über die kommenden drei Wochen aber durchaus möglich:

  1. Saquon Barkley, RB, Penn State
  2. Quenton Nelson, OG, Notre Dame
  3. Bradley Chubb, DE, NC State
  4. Minkah Fitzpatrick, S, Alabama
  5. Denzel Ward, CB, Ohio State
  6. Derwin James, S, Florida State
  7. Roquan Smith, LB, Georgia
  8. Tremaine Edmunds, LB, Virginia Tech
  9. Josh Jackson, CB, Iowa
  10. Maurice Hurst, DT, Michigan (unter der Annahme, dass Hursts Auffälligkeit am Herz komplett im Griff und kein Problem ist)

MT - Carp&Fishing: Wie wäre es mit einem Ranking des Values der Positionen? Auch darauf eingehend, in wie weit sich ein früher Pick auf einer Position lohnt, zusätzlich mit Blick auf die Tiefe in diesem Draft.

Jahr für Jahr wiederhole ich rund um den Draft ein Mantra: Den Quarterback muss man gesondert betrachten. Football mag das ultimative Team-Game sein, ich selbst sehe das auch so. Die Ausnahme aber ist der Franchise-Quarterback, der für ein Team einfach alles verändert. Kein Spieler kann Defizite anderswo im Team so ausgleichen, kein Spieler kann das Team individuell auf diese Art besser machen.

Deshalb bin ich auch der Ansicht, dass ein Draft-Trade, wenn das Team der Meinung ist, seinen Franchise-Quarterback gefunden zu haben, eigentlich nie zu teuer sein kann. So wertvoll ist die Position. Dementsprechend gibt es danach eine deutliche Lücke. Für mich kommt danach der Edge-Rusher, zunehmend dicht gefolgt aber vom Defensive Tackle: Interior Pressure nimmt eine immer größere Rolle ein, dementsprechend genießen die beiden Positionen, die den Pass am ehesten in der Entstehung stoppen können, eine hohe Priorität.

Anschließend wird das Feld für mich offener. Safeties - entweder flexible Spieler wie in diesem Draft Derwin James, oder Center-Fielder mit großer Reichweite wie Earl Thomas - werden immer wichtiger, ein dominanter Nummer-1-Cornerback kann einer Defense eine komplett neue Identität geben. Offensive Tackle und Wide Receiver gehören ebenfalls grob in diese Kategorie.

Mit Blick auf den diesjährigen Draft haben wir eine spannende Situation, weil eben die Quarterback-Klasse an der Spitze so tief ist. Und nicht nur tief, sondern auch ungewöhnlich vielseitig mit sehr verschiedenen Spielertypen. Bei den Defensive Ends gibt es in der Breite viele interessante Namen, extrem tief ist einmal mehr die Running-Back-Klasse - das ist ein Grund dafür, dass ich in 99 Prozent der Fälle von einem hohen Pick in einen Running Back abrate. Die Cornerback-Klasse bietet ebenfalls einige interessante Spieler in den mittleren Runden.

Fabian Nitsch: Was macht eigentlich Moritz Böhringer?

Böhringer ist nach wie vor in Amerika und arbeitet an seiner NFL-Chance. Vor einigen Tagen war er bei der International Combine in Tampa dabei, soll neben der Physis auch an seinem Route-Verständnis gearbeitet haben. Es würde mich nicht wundern, wenn Böhringer nach dem Draft nochmals irgendwo eine Chance bekommt, um sich über den Sommer - so lange die Kader groß sind - zu zeigen.

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