NFL: Gefangen im Niemandsland?

Die einen lebten weit über den Erwartungen, die anderen blieben darunter. Andere konnten aufgrund von Verletzungen nicht an die Erwartungen anknüpfen. Für Teams wie die Green Bay Packers , die Washington Redskins oder die Arizona Cardinals bleibt weder eine Playoff-Teilnahme, noch ein sehr guter Draft-Pick. SPOX erklärt, wie es auch bei den New York Jets und den Cincinnati Bengals zu derart unerwarteten Saisons gekommen ist und was die Zukunft für sie parat hält.

Die einen lebten weit über den Erwartungen, die anderen blieben darunter. Andere konnten aufgrund von Verletzungen nicht an die Erwartungen anknüpfen. Für Teams wie die Green Bay Packers, die Washington Redskins oder die Arizona Cardinals bleibt weder eine Playoff-Teilnahme, noch ein sehr guter Draft-Pick. SPOX erklärt, wie es auch bei den New York Jets und den Cincinnati Bengals zu derart unerwarteten Saisons gekommen ist und was die Zukunft für sie parat hält.

Seite 1: Die Green Bay Packers und die Washington Redskins

Disclaimer: Wie schon in der vergangenen Saison betreibt SPOX bei den Teams, die rechnerisch aus dem Playoff-Rennen ausgeschieden sind, eine Fehleranalyse - inklusive Blick in die Zukunft. Im ersten Teil der fortlaufenden Serie haben wir uns bereits einen Teil der aus dem Playoff-Rennen eliminierten Teams angesehen.

Green Bay Packers (aktuelle Bilanz: 7-7)

Was lief falsch? Die Saison der Packers endete vermeintlich schon in Week 6, als Vikings' Linebacker Anthony Barr Aaron Rodgers erwischte und ihn in den Boden rammte. Rodgers verpasste nach einer Schlüsselbein-OP sieben Spiele. Spiele, die für die Franchise der Packers ein eindeutiger Fingerzeig waren, denn bewiesen diese sieben Spiele mehr denn je, welchen Wert Rodgers für das Team hat und dass jeglicher Erfolg mit ihm steht und fällt.

Ersatzmann Brett Hundley tat das, was man von einem Fünftrundenpick mit bis dahin wenig Spielzeit erwarten konnte. Die Packers gewannen ohne Rodgers drei der sieben Spiele und gaben ihm für Week 15 sogar noch die Gelegenheit, in die Playoffs einzuziehen. Hierfür aber hätte es drei perfekte Leistungen gegen Mannschaften gebraucht, die selbst allesamt noch im Playoff-Rennen sind. Rodgers war bei seiner Rückkehr in Carolina aber noch nicht bei 100 Prozent. Das Spiel ging verloren und so hat man sich dazu entschieden, ihn wieder auf die IR-Liste zu setzen.

Eines hat die Zeit ohne ihn gezeigt: Rodgers macht dieses Team wohl besser, als es eigentlich ist. Mit Hundley tat man sich auf der offensiven Seite schwer, die Receiver Davante Adams, Jordy Nelson und Randall Cobb ins Spiel zu bringen. Hier wurde erst nach und nach das offensive Scheme angepasst und simpler gestaltet.

Die ohnehin vorhandenen Probleme in der Defense traten unter dem unerfahrenen Backup noch stärker zu Tage: Inkonstante Performances des Pass Rush und große Probleme in der Secondary - die Packers spielten am vergangenen Sonntag mit drei ungedrafteten Cornerbacks - forderten Rodgers immer wieder zu heroischen Leistungen heraus. Leistungen die er als einer von wenigen abrufen kann. Leistungen, die ein Hundley nicht abrufen kann.

Was bleibt in dieser Saison? Hundley bekommt zwei weitere Bewährungsproben, sein Talent unter Beweis zu stellen und sich zu verbessern, so wie er es im Verlauf seiner ersten sieben Spiele konnte. Außerdem wird Adams nach der Saison Free Agent. Wollen die Packers ihn wiederverpflichten, müssen sie tief in die Tasche greifen. Neben Nelsons 10,25 Millionen und Cobbs 9,5 Millionen Dollar im kommenden Jahr wäre ein Deal mit Adams, der vermutlich teurer wäre als diese beiden, sehr viel Geld für drei Receiver. Deshalb könnten die nächsten beiden Spiele auch dazu dienen, eine Entscheidung gegen einen der drei Receiver zu treffen.

Wie geht es weiter? Um den 34-jährigen Rodgers in der nächsten Saison in eine Position zu bringen, in der er den Super Bowl gewinnen kann, muss an einigen Stellschrauben gedreht werden. Die Pass Defense muss dringend justiert werden. Nach dem Martellus-Bennett-Desaster gilt es, einen starken Tight End nach Wisconsin zu lotsen. Die rechte Seite der Offensive Line ist aufgrund der Verletzungshistorie von Bryan Bulaga Thema. Und zu guter Letzt: Ist Mike McCarthy der richtige Coach? Hat er es während der Abwesenheit von Rodgers verstanden, dass am Offensive Scheme gearbeitet werden muss?

Washington Redskins (aktuelle Bilanz: 6-8)

Was lief falsch? Es begann wohl bereits in der Offseason, als die Redskins zwar Kirk Cousins für ein weiteres Jahr zurückholten, ihre besten Waffen in DeSean Jackson und Pierre Garcon aber verloren. Die kontinuierlich anhaltenden Verletzungsprobleme von Tight End Jordan Reed halfen dann im Verlauf des Jahres ebenso wenig wie die Anpassungsprobleme an Jay Grudens Offense von Neuverpflichtung Terrelle Pryor.

Ohnehin waren Verletzungen ein großes Thema in der Hauptstadt. Diese zogen in der zweiten Saisonhälfte nämlich auch den besten Rusher Chris Thompson aus dem Verkehr, auch wenn dieser seine Yards eher nach Pässen gemacht hatte. Via Laufspiel gab es für die Redskins nämlich nicht viel in diesem Jahr. Rob Kelley und Rookie Samaje Perine blieben beide hinter den Erwartungen und so lag es meist an Cousins, Josh Doctson und Jamison Crowder, die Offense zu tragen.

Verletzungen waren es auch, die auf der defensiven Seite eine große Rolle spielten. Mit D.J. Swearinger, Ryan Kerrigan und Preston Smith gab es nur drei Starter, die in jedem Spiel zum Einsatz kamen. Gleich 18 Spieler fanden in dieser Saison einen Platz auf der IR-Liste. Folgerichtig haben nur drei Teams mehr Punkte hinnehmen müssen als Washington. Die Run Defense war über das gesamte Jahr ein großes Problem. Unglücklich auch der Kalender: Von den bisherigen 14 Partien spielte man elf gegen Teams, welche aktuell noch im Playoff-Rennen stehen. Alle acht Niederlagen kamen gegen eben solche zustande.

Was bleibt in dieser Saison? Eines scheint klar. Die Zukunft wird durch die Frage Cousins bestimmt. Man will die Saison mit dem Gefühl beenden, ein wachsendes, sich verbesserndes Team zu sein. Die Redskins haben in den letzten beiden Spielen die Chance, Cousins mit einer Bilanz von 8-8 und einem positiven Gefühl im Saisonendspurt zu zeigen, dass sie näher an einer Playoff-Teilnahme dran sind, als eben ein 6-10-Team. Überzeugt man Cousins von einer Zukunft in Washington, so hat man die Karten in Sachen Vertragsverlängerung zumindest selbst in der Hand.

Wie geht es weiter? Die Redskins sind ein Team im Rebuild und die Frage, ob Cousins der richtige Mann für die Zukunft ist, schwirrt schon gefühlt seit Jahren um das Team umher. Auch in dieser Offseason wird sie ein bestimmendes Thema sein. Ist Cousins das viele Geld, das eine Verlängerung zwangsläufig erfordern würde, wert oder nicht? Bringt der Draft-Jahrgang genug Qualität auf der Quarterback-Position mit, um hier zu investieren, oder ist ein dritter Franchise Tag Nummer 8 der richtige Schritt, um sich nochmals Zeit zu verschaffen? Und was gibt die Free Agency her? Optimisten nehmen den Namen Drew Brees in den Mund. Eli Manning, Case Keenum oder Andy Dalton scheinen da schon realistischer.

Seite 2: Die Arizona Cardinals, die New York Jets und die Cincinnati Bengals

Arizona Cardinals (aktuelle Bilanz: 6-8)

Was lief falsch? Verletzungen waren auch in der Wüste das große Thema. Angefangen mit David Johnson, der sich sofort in Week 1 mit einem gebrochenen Handgelenk abmelden musste, über Offensive-Line-Verletzungen von Mike Iupati und D.J. Humphries, deren Saison frühzeitig beendet wurde, bis hin zu Carson Palmer, der sich im London Game in Week 7 den Arm brach. Und damit sind nur die Ausfälle auf der offensiven Seite genannt.

Statement-Siege gab es kürzlich gegen die Jaguars und Titans. Weitere Erfolge kamen aber gegen Teams zustande, die bislang nicht mehr als vier Spiele gewinnen konnten. Man hat Probleme, Punkte auf die Tafel zu bekommen. Nur die Colts und 49ers haben weniger Touchdowns erzielt. Aus der Red Zone gibt es kein Team mit einem schlechteren Touchdown-Prozentsatz. Zuletzt schaffte man es in Washington sechsmal in die gegnerische 20-Yard-Zone. Als Ergebnis konnte man lediglich vier Field Goals vorweisen.

Die Ergebnisse in der Saison sind ein Sinnbild für die Unsicherheit ob der ungewissen Zukunft in Arizona. Lediglich ein Ergebnis aus der Vorwoche bestätigte sich, als man in Week 10 und 11 aufeinanderfolgende Niederlagen gegen die Seahawks und Texans hinnehmen musste. Die defensive Unit wirkte gerade zuletzt gefestigter. Gegen den Run zählt man ohnehin zu den besten Teams. Auch gegen den Pass zeigte man sich zumindest ansatzweise verbessert.

Was bleibt in dieser Saison? Der genesene Drew Stanton wird ab sofort wieder auf Quarterback zum Einsatz kommen. Coach Bruce Arians betonte unter der Woche freilich, die Spieler aufs Feld zu schicken, die die beste Chance gewährleisten, einen Sieg einzufahren. Dementsprechend wird man auch versuchen, die Saison mit einem positiven Gefühl ausklingen zu lassen. Schließlich muss man sich und seinen Veteranen auch beweisen, im kommenden Jahr noch einmal bereit für einen Playoff-Einzug zu sein.

Wie geht es weiter? Das Herz der Offense, Coach Arians, Palmer und Fitzgerald, haben allesamt einen Vertrag für die kommende Saison. Und doch ist bei keinem sicher, ob er auch tatsächlich zurückkommt. Selbiges gilt für Adrian Peterson, der in Arizona bis zu seiner Verletzung einen guten Job gemacht hat. Eine große Baustelle ist außerdem die Offensive Line. Hier muss man voraussichtlich die komplette rechte Seite ersetzen.

New York Jets (aktuelle Bilanz: 5-9)

Was lief falsch? Die Jets haben wohl ausnahmslos jeden überrascht, als sie die Saison mit drei Siegen aus den ersten fünf Spielen begannen, erwartete doch eigentlich jeder ein heißes Kopf-an-Kopf-Rennen mit den Browns um den ersten Pick im kommenden Draft. Die jüngste Niederlage bei den New Orleans Saints war aber nur die letzte von mehreren schwachen Performances und die Bestätigung dafür, dass in den letzten Wochen das Benzin ausgegangen ist.

Offensiv konnte man seit der Verletzung von Josh McCown kaum noch etwas bewegen. Der Veteranen-QB sollte eigentlich nur als Notfall-Backup fungieren, blickt man auf die Spielzeit in der Preseason. Christian Hackenberg und Bryce Petty blieben allerdings weit hinter den Erwartungen und so wählte man die Option McCown etwas notgedrungen, allerdings mit tollem Ergebnis. Davon profitierte auch Robby Anderson. Der Wideout explodierte als Deep Threat, konnte zuletzt unter Petty als QB aber nicht mehr in Erscheinung treten.

Defensiv haben die Jets noch gehörige Probleme in der Pass Protection. Laut Football Outsiders rangiert man in der Adjusted Sack Rate ligaweit auf Platz 26. Eine der großen Enttäuschungen ist Muhammed Wilkerson. Der Defensive End sollte nach seiner tollen Saison 2015 mit 12 Sacks Leader der Unit werden. Nachdem er die letzte Saison von Verletzungen zurückgehalten worden war, kam er in dieser auf 3,5 Sacks und zwei interne Suspendierungen wegen Verspätungen bei Team-Meetings. Es ist unklar, ob er überhaupt noch einmal im grünen Jersey auflaufen wird.

Was bleibt in dieser Saison? Gibt man Hackenberg noch eine Chance oder nicht? In den Spielen gegen die Chargers und die Patriots gibt es nicht mehr allzu viel zu gewinnen. McCown steht für den Rest des Jahres nicht zur Verfügung und Petty kann keineswegs überzeugen. Coach Todd Bowles hat kein allzu großes Vertrauen in den jungen Hackenberg, doch könnten die letzten beiden Spiele eigentlich eine risikolose Bühne sein, in der er sich zur Schau stellen und zeigen kann, dass er den Zweitrundenpick eben doch wert ist, den Gang Green in ihn investiert hat.

Wie geht es weiter? Vor dem Start in die Free Agency werden die Jets gut 100 Millionen Dollar zur Verfügung haben, die sie in den Kader investieren können. Es steht eine wichtige Offseason bevor. Trotz der tollen Leistungen von McCown muss man konstatieren, keinen Quarterback der Zukunft zu haben, dafür aber womöglich keine schlechten Karten, um ins Cousins-Rennen einzusteigen. Davor gilt es, nach der guten Saison von Bowles mit dem Coach zu verlängern. Außerdem muss man sich im Pass Rush besser aufstellen.

Cincinnati Bengals (aktuelle Bilanz: 5-9)

Was lief falsch? Schon nach zwei Wochen läuteten die Alarmglocken, als man nach acht Vierteln Football mickrige 9 Punkte erzielt hatte. Die Folge: Die erste Coaching-Entlassung der Saison. Die Bengals beförderten Bill Lazor zum neuen Offensiv-Koordinator, um neue Impulse zu bekommen und eine Offense in Gang zu bekommen, die doch eigentlich über so manche Waffe verfügt. Und tatsächlich schien bis in Week 13 so etwas wie ein Rhythmus in die Unit eingekehrt zu sein. Dann aber folgte das Spiel gegen Division-Leader Pittsburgh - und die Fragen begannen von vorne.

Wieder lässt es sich gut in Vierteln zählen: Seit der zweiten Halbzeit im Spiel gegen die Steelers, als man eine 17:0-Führung aus der Hand gab, erzielte man in zehn Vierteln insgesamt 17 Punkte. Die Offense belegt den letzten Platz in Yards pro Partie, in Rushing Yards pro Spiel und in erreichten First Downs. Die Passing Offense sieht nicht viel besser aus. Dabei stecken in dem Kader mit A.J. Green und drei Running Backs, die in den jeweiligen Drafts in der zweiten Runde ausgewählt wurden, eigentlich durchaus Talent.

Der Druck, der durch die mangelnde Produktion auf die Defense ausgeübt wird, ist brutal. Zu diesem Zeitpunkt der Saison hat die Defense 1.095 Plays gespielt. Der Höchstwert einer Defense in der Bengals-Geschichte sind 1.127 Plays in einer gesamten Saison. Verletzungen plagten das Team zuletzt und der ausbleibende Erfolg wirkt sich selbstredend auch auf den Coach aus. Marvin Lewis soll Medienberichten zufolge mit dem Ende seiner Amtszeit kokettieren. Dies dementierte er allerdings unter der Woche.

Was bleibt in dieser Saison? Wie die Defense ist auch die Offense auf rekordverdächtigen Kursen. Wenige Offenses in der Geschichte der Bengals waren jemals so schwach. Es gilt an den Zahlen zu schrauben und Dinge in Gang zu bekommen, die derzeit wenig Anlass zur Hoffnung geben. Hierzu zählt das Running Game um Rookie Joe Mixon, der nach Verletzung zurückkommt. Außerdem stehen Coaching-Positionen auf dem Spiel. Vermutlich nicht nur die des Head Coaches.

Wie geht es weiter? Die momentan dominierenden Schlagzeilen gehören Coach Lewis und der möglicherweise bevorstehenden Trennung. Doch hier hören die Probleme nicht auf. Die Offensive muss in vielen Teilen umgekrempelt werden. Die gesamte Offensive Line hat eine sehr schwache Saison hinter sich und Green würde ein weiterer Receiver gut tun, der wie Mohamed Sanu 2014 oder Marvin Jones 2015 die gegnerische Defense auseinanderziehen kann.

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