NFL: Equanimeous St. Brown im Porträt: Mit den Ambitionen eines Hall-of-Famers

Wide Receiver Equanimeous St. Brown hat sich zum NFL-Draft 2018 angemeldet und könnte der erste deutschstämmige Skilled-Position-Spieler der NFL werden. Der Werdegang des 21-Jährigen ist keine Überraschung. Sein Vater ist preisgekrönter Bodybuilder und erzog Equanimeous und seine Brüder mit einem Ziel: Superstar in der NFL zu werden.

Wide Receiver Equanimeous St. Brown hat sich zum NFL-Draft 2018 angemeldet und könnte der erste deutschstämmige Skilled-Position-Spieler der NFL werden. Der Werdegang des 21-Jährigen ist keine Überraschung. Sein Vater ist preisgekrönter Bodybuilder und erzog Equanimeous und seine Brüder mit einem Ziel: Superstar in der NFL zu werden.

"John Brown? Was soll das sein? Es gibt zu viele davon", sagt der Vater von Equanimeous und dessen Brüdern Osiris und Amon-Ra. John Brown legt Wert auf Einzigartigkeit. Früh nahm der ehemalige Mr. Universe seine Söhne mit zum Sport. Erst Kraftsport, ganz nach dem Vorbild von Papa, dann American Football.

Equanimeous St. Brown wuchs in der Peripherie von Los Angeles auf. Seine Brüder und er sind wie der Vater "Self-made-Men", alles Begann mit Krafttraining in der Garage. Als Hanteln benutzten sie Roheisen. Von Baseball bis Basketball durften die drei Sprösslinge sportlich alles ausprobieren und blieben doch beim Football hängen, alle drei als Wide Receiver. Für die Extravaganz sorgte der Vater, der neben dem Bodybuilding eigene Fitness-Produkte auf den Markt brachte und in der Mode-Industrie arbeitete.

In den 1990er-Jahren war Brown dann in einer Anti-Rassismus-Bewegung aktiv, wollte sich zu seinen afrikanischen Wurzeln zurückbesinnen und seinen Söhnen "keine Sklavennamen geben", wie er der Sports Illustrated erklärte. Osiris und Amon-Ra sind die Namen ägyptischer Götter, Equanimeous kommt vom englischen Adjektiv "equanimous" und heißt "gelassen". Die Freunde von Equanimeous nennen ihn nur EQ, einige Scouts jedoch den "neuen Odell Beckham Jr".

Den Draht nach Deutschland verlor Equanimeous nie

Miriam St. Brown ist Deutsche. Auf einer Fitness-Messe in Essen lernte John Brown die Leverkusenerin kennen. Die beiden heirateten und zogen in die USA. Den Draht in die Heimat seiner Mutter verlor Equanimeous nie. Die St.-Brown-Brüder wuchsen mehrsprachig auf, mit dem Vater reden sie auf Englisch, mit der Mutter immer Deutsch. Der BamS sagt er: "Deutschland ist meine zweite Heimat. Ich laufe ab und zu mit dem DFB-Trikot über den Campus."

Equanimeous ist der älteste der drei Brüder. Früh zeichnete sich ab, dass aus ihm mal ein Superstar werden sollte. "Es war schon der Plan meines Vaters, dass ich irgendwann mal Footballprofi werde", sagte er der Welt. Mit eiserner Disziplin kennt sich John Brown aus, sie formte den Körper des Mr. Universe der Jahre 1980 und 1981.

Equanimeous' Brüder spielen in der U19-Nationalmannschaft für Deutschland

Schon seit Längerem schaut man in Deutschland auf die Karriere von den St. Browns. Alle drei Brüder haben deutsche Pässe. Die beiden jüngeren Wide Receiver überzeugten als Gäste in deutschen Nachwuchskadern der American-Football-Szene, gehörten zur U19-Nationalmannschaft, die 2015 Vize-Europameister wurde. Amon-Ra wurde damals als Man of the Match im Finale ausgezeichnet. Sein älterer Bruder Equanimeous klopfte da schon an die Tür zum College. Seit 2015 spielt er für die Elite-Universität Notre Dame.

Equanimeous ist ein Hühne. Doch für seine 1, 96 Meter Körpergröße ist sein Gewicht von ca. 93 Kilogramm eher gering. Die St. Browns setzen auf Athletik, um die teils 40 bis 50 Kilogramm schwereren Verteidiger im Football zu überwinden. Für die "Fighting Irish" von Notre Dame stellte EQ sein Können von Beginn an eindrucksvoll unter Beweis. Mit einem enormen Antritt und anschließendem Hechtsprung über den anstürzenden Verteidiger, machte Equanimeous Werbung in eigener Sache.

Tatsächlich suchen seine enorme Sprungkraft und sein großer Fangradius im College-Bereich seinesgleichen. Notre-Dame-Headcoach Brian Kelly muss auf die Euphoriebremse treten: "Er muss noch aggressiver werden und seine Beinarbeit verbessern." Die Statistiken lesen sich gut: In seiner ersten vollständigen Saison im College Football erzielte Equanimeous neun Touchdowns, lief 961 Yards und fing 58 Pässe, so viele wie kein anderer im Team.

Equanimeous St. Brown: Die College-Statistiken bei den "Fighting Irish"

Saison REC YDS AVG LNG TD
2017 33 515 15.6 75 4
2016 58 961 16.6 79 9
2015 1 8 8.0 8 0

Eine Familie mit drei hochveranlagten Söhnen mit schillernden Namen und großen Ambitionen. Die St. Browns haben einige Parallelen mit der Ball-Dynastie aus der NBA und sind doch nicht vergleichbar: "Das fasziniert mich am meisten", sagt Bruce Rollinson, Trainer von EQs Brunder Amon-Ra der Sports Illustrated: "Die St. Browns sind für mich eine normale Familie mit drei anständigen Söhnen. Erst wenn man sich ansieht, wie gut die drei nicht nur im athletischen, sondern auch im akademischen Bereich sind wird man sagen, ok, das ist nicht normal."

Mutter Miriam schickte die Kinder auf eine französische Schule in Paris, legte den Fokus auf Mehrsprachigkeit und ließ sie drei Sprachen lernen. "Von meiner Mutter habe ich das Akademische, die Disziplin und Offenheit für andere Sprachen und Kulturen", sagt Equanimeous. Der Familienbesuch in Deutschland jedes Jahr war Pflicht.

Jetzt steht EQ vor dem Sprung auf die große Bühne. "Ich habe mich dazu entschieden, mich für den NFL Draft 2018 anzumelden", schrieb St. Brown auf Twitter. "Meine Karriere als Spieler für Notre Dame ist zu Ende, ich werde aber wiederkommen, um meinen Abschluss zu machen."

Zweifel, dass es nicht klappen sollte mit dem ganz großen Durchbruch, hat er nicht. Seine Ziele sind nicht gerade von schlechten Eltern: "Ja, ich glaube schon, dass ich es mal in die Hall of Fame schaffen kann."

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