NFL: Die Dolphins nach Draft und Free Agency: Einfach krachen lassen!

Nach acht Jahren standen die Miami Dolphins im vergangenen Winter endlich wieder in den Playoffs. Zwar scheiterte man nahezu chancenlos an starken Pittsburgh Steelers , dennoch scheinen die Zeichen für Miami auf ein weiteres starkes Jahr zu deuten. Was wäre nur möglich, wenn da nicht der große Division-Rivale wäre?

Nach acht Jahren standen die Miami Dolphins im vergangenen Winter endlich wieder in den Playoffs. Zwar scheiterte man nahezu chancenlos an starken Pittsburgh Steelers, dennoch scheinen die Zeichen für Miami auf ein weiteres starkes Jahr zu deuten. Was wäre nur möglich, wenn da nicht der große Division-Rivale wäre?

So richtig schlecht ist das Wetter selten im Süden Floridas. Dennoch waren am Himmel über dem Hard Rock Stadium und den Trainingseinrichtungen in Miami über das vergangene Jahrzehnt konstant dunkle Wolken zu beobachten. Metaphorisch, selbstredend, aber deshalb nicht weniger drückend.

Ein anderes Bild zeigte sich nun endlich in der letzten Saison. Zehn Siege und der herbeigesehnte Einzug in die Postseason. Der Laut der Delfine war erstmals seit acht Jahren auch wieder in den Playoffs zu hören, wenn auch nur für ein kurzes Hallo. Die Hoffnung, soviel ist klar, ist nichtsdestotrotz zurück.

Erfahrung, Erfahrung und nochmals Erfahrung

Hoffnung, die auch nach der jüngsten Offseason nicht geringer geworden ist. Miamis Fokus war klar darauf ausgerichtet, seine Schlüsselspieler zu binden und zusätzliche Erfahrung auf der defensiven Seite des Balles zu bekommen. Andre Branch, Kiko Alonso, Reshad Jones und Cameron Wake wurden allesamt mit neuen Verträgen ausgestattet. Wakes neues Arbeitspapier ist dabei das einzige, dessen Laufzeit nicht über zwei Jahre hinaus geht.

Für zunächst zwei Jahre hat auch die wohl wichtigste Neuverpflichtung der Phins unterschrieben: Mit Lawrence Timmons wird die Defensive um einen Veteranen, einen robusten Linebacker verstärkt. Elf Saisons verbrachte der 31-Jährige sehr instinktive Linebacker in den Reihen der Steelers und verpasste dabei lediglich zwei Regular-Season-Spiele.

Timmons' Stärken liegen darin, den Lauf zu stoppen. Eine Disziplin, bei der man in Miami zuletzt die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen hat. In sechs der letzten sieben Saisons sammelte der Routinier stets über 100 Tackles und soll so die drittschlechteste Run-Defense der Liga aufwerten. Eine Run-Defense, die erschreckende 140,4 Rushing-Yards pro Spiel sowie den Liga-Höchstwert von 4,8 Yards pro Run zuließ.

Ein zu hoher Preis?

Defensive End William Hayes (32) und Safety Nate Allen (29) fallen in eben jenes Schema der akquirierten Veteranen, die den Dolphins mehr Kontrolle über die Uhr verschaffen sollen. Selbiges gilt für die frühen Draft-Picks, die die Franchise in die Verpflichtungen von Edge-Rusher Charles Harris und Outside Linebacker Raekwon McMillan investiert hat.

Miami hat an seiner größten Baustelle laboriert und die Hausaufgaben dabei in erster Linie ordentlich erledigt. Schließlich "wäre es unsererseits schlecht gewesen, wenn wir nicht dazugelernt und keine Veränderungen vorgenommen hätten", stellt Head Coach Adam Gase klar.

Doch zu welchem Preis kamen diese Änderungen? Branch (27 Millionen Dollar über drei Jahre), Alonso (28,9 Millionen Dollar über vier Jahre) und Receiver Kenny Stills (32 Millionen Dollar über vier Jahre) erhielten Verträge, die womöglich zu, wahrscheinlich aber eher deutlich über Marktwert abgeschlossen worden sind.

Thomas und Gase: Wiedersehen macht Freude

Dafür gab es zuletzt genauso medial auf die Ohren, wie für den Trade um den verletzungsanfälligen Tight End Julius Thomas. Schafft es der 28-Jährige, an seine Pro-Bowl-Zeit in Denver anzuknüpfen, stellt Thomas eine weitere Waffe in einem der bestbesetzten Skill-Player-Arsenale der AFC dar. Wer ihn allerdings zuletzt bei den Jacksonville Jaguars beobachtet hat (neun Touchdowns in zwei Jahren, immer wieder Verletzungsprobleme), der wird daran berechtigte Zweifel haben.

Mit gut zwölf Millionen Dollar belastet der Mann, der bei den Broncos in aufeinanderfolgenden Spielzeiten zwölf Touchdowns verzeichnete, in den nächsten zwei Jahren das Festgeldkonto. Damaliger Offensiv-Koordinator in Denver war übrigens Thomas' neuer Head-Coach: Adam Gase. Mutmaßlich eine wichtige Komponente in dem Trade: Gase baut in seiner Offense schematisch eigentlich auf einen starken Tight End im Passing Game - Thomas soll diese Rolle jetzt wieder für ihn einnehmen.

Diese Neuverpflichtung, die im Tausch für Tackle Branden Albert kam, Slot-Receiver Jarvis Landry, der in sein letztes Vertragsjahr geht und noch einmal die letzten Dollar für den neuen Kontrakt herausquetschen möchte, DeVante Parker, dem Offensive-Coordinator Clyde Christensen ein "gigantisches Jahr" voraussagt und die Tailback-Sensation aus dem vergangenen Jahr, Jay Ajayi. Das erwähnte Waffenarsenal, welches dem nach seiner Knie-Verletzung rehabilitierten Ryan Tannehill zur Verfügung steht, lässt Erwartungen und Druck steigen.

Die Frage der Standortbestimmung

Um den Druck auf seinen Quarterback allerdings nicht zu groß werden zu lassen, hat Head Coach Gase dem 28-Jährigen eine simple Devise vorgegeben: "Lass es einfach krachen!" Große Änderungen muss Tannehill im Vergleich zur Vorsaison ohnehin nicht vornehmen.

Mit einem Quarterback-Rating von 93,5 stellte er vor seiner Verletzung das bislang beste seiner Karriere auf. Dabei kamen 67,1 Prozent seiner Pässe an den Mann. 19 dieser fanden den Weg in die Endzone und 7,1 Yard pro Pass stellen ebenfalls Karrierebestwert dar.

Ebenfalls ermutigend: Laut Pro Football Focus hatte Tannehill das fünftbeste Passer Rating gegen den Blitz, nur Tom Brady, Matt Ryan, Drew Brees und Dak Prescott waren besser. "Für mich sieht er normal aus und hat sich gut bewegt. Ich weiß, dass er sicherstellen will, einer der Gründe dafür zu sein, warum wir den nächsten Schritt machen", erklärt Gase.

Doch was genau ist der nächste Schritt in Miami? Die abgelaufene Saison war zweifelsfrei eine Überraschung. Nun stehen die Phins in einem Gebiet zwischen dem Ziel, eben jene Überraschungs-Saison zu bestätigen und der Ambition, das beste Team in der eigenen Division zu werden.

"Niemals Angst vor den Patriots"

Hierfür muss man sich jedoch noch etwas gedulden. Der Rivale ist schließlich der (einmal mehr) amtierende Super-Bowl-Champion und geht im zehnten Jahr in Folge als klarer Favorit auf den AFC-East-Titel in die zweite Hälfte des Kalenderjahres. Zumal sich das Team aus Massachusetts durch die Verpflichtungen von unter anderem Brandin Cooks und Stephon Gilmore auf dem Papier nochmals verstärkt hat.

"Eine tolle Sache hier in Miami ist, dass diese Mannschaft niemals Angst vor den New England Patriots hatte und niemals haben wird", tönte Defensive Tackle Ndamukong Suh zuletzt bei Good Morning Football vor seiner dritten Saison in Florida. "Wir werden zwar erst spät auf sie treffen, aber wir werden gut vorbereitet sein!"

Bis dahin stellen sich allerdings noch andere Fragen, ob die Saison ein Erfolg wird oder nicht. Hält Tannehills Knie? Kann die Offensive Line den Verlust von Albert kompensieren? Stellen Themen wie die noch ausbleibende Vertragsverlängerung von Landry die Teamchemie auf die Probe? Und geht die Rechnung mit einer Veteranen-geladenen Defensive zur Verbesserung der Laufverteidigung auf? Und wie schlägt sich die Secondary?

Miamis erneuter Einzug in die Playoffs ist kein Selbstläufer. Wird man den gestiegenen Erwartungen nicht gerecht, so werden die Dolphins schon bald schwierige Entscheidungen treffen müssen. Für gestiegene Erwartungen und eine gesunde Portion Euphorie bleibt bis dahin aber noch eine ganz Weile Zeit. So tut man sich im Süden Floridas gut daran, sich eben an die einfachen Devisen zu halten: "Einfach krachen lassen!"

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